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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 10:00 Uhr

Eutin : Mit Fingerspitzengefühl über die LGS

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mit drei Großreliefs für sehbehinderte Besucher präsentiert die Landesgartenschau nun ein weiteres Angebot im Zeichen der Inklusion.

Dr. Jürgen Trinkus’ Hände wandern über den großen Geländeplan der Landesgartenschau (LGS) am Stadteingang. Zuerst ertastet er mit seinen Fingerkuppen die Legende in der oberen rechten Ecke. „Seepark“, murmelt er, dann huschen seine Hände auf der Suche nach dem erhabenen Seepark-Symbol über den Geländeplan. „Ah, da ist er ja.“ Trinkus, Vorsitzender des Vereins Andersicht und seit seiner Kindheit sehbehindert, ist einer der Ersten, die eines der drei neuen Großreliefs der LGS ausprobieren dürfen.

Ein Kommunikationspunkt für alle – das sollen die Geländepläne der LGS künftig sein, wünscht sich Dr. Jürgen Trinkus. Er ist überzeugt vom Mehrwert der profilierten Standmodelle. „Sie schaffen einen Zugang für Blinde und sind für alle interessant, weil man sich hier orientieren und verabreden kann“, sagt Trinkus.

Die drei Standreliefs am Haupt- und Stadteingang der LGS sowie am Bahnhof sind das Ergebnis des Workshops „Landesgartenschau erlebbar für alle“, der im vergangenen Jahr stattfand. In diesem entwickelte die LGS gemeinsam mit Betroffenen und Experten etwa aus dem Beirat für Menschen mit Behinderung in Ostholstein, der Lebenshilfe Ostholstein oder dem Verein Andersicht verschiedene inklusive Projekte. Das daraus entstandene Maßnahmenpaket „Kommunikation“ umfasst nun einen Flyer in leichter Sprache, Gebärdensprach-Videos, audiotaktile Geländepläne, die Blind-Square-App und die Großreliefs. Zehn Wochen dauerte die Produktion dieser Geländepläne. Mit insgesamt 16  000 Euro – inklusive der Installation – finanzierte die Aktivregion das modellhafte Projekt. „Ursprünglich waren die Pläne als Gartenschau-Projekt geplant“, erklärt LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt, „aber die Stadt fand es so toll, dass sie die Federführung übernommen und es als nachhaltiges Projekt angelegt hat.“ Mit seiner Reliefstruktur zeige der Lageplan besondere Hürden außerhalb der Normung an, also über sechs Prozent, so Rubelt weiter.

Auch Anke Dose vom Blinden- und Sehbehinderteverband wollte die Einweihung der inklusiven Geländepläne nicht versäumen: „Die Installation der Geländepläne ist nicht nur für uns wichtig, sondern für alle und für das Miteinander.“

Viele blinde und sehbehinderte Menschen kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wie dem Zug oder dem Bus nach Eutin, erklärte Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. „Die Pläne stellen sowohl den Weg durch die Stadt zum Gelände als auch das LGS-Gelände und die Innenstadt selbst tastbar dar“, erklärte sie. Die Landesgartenschau Eutin müsse für alle zugänglich und erlebbar sein, betonte Kerstin Stein-Schmidt.

Der Lageplan diene Betroffenen wie Jürgen Trinkus dazu, sich ein erstes Bild von dem Gelände zu machen, „einzelne Punkte behalte ich im Kopf.“ Als hilfreiches Orientierungsmittel erweist sich zusätzlich die Blind-Square-App. „Sie kann nicht Lahme gehend und Blinde sehend machen, ist aber eine Ergänzung für die Orientierung“, erklärt Trinkus die App auf seinem Handy. Durch GPS-Daten weist diese mit Anweisungen wie „Das Ziel befindet sich auf zwei Uhr“ und Entfernungsangaben den Weg über das Gelände der Landesgartenschau. „Aber ich denke, es wird wenige sehbehinderte Besucher geben, die allein herkommen“, erklärt der Andersicht-Vorsitzende. Aber auch für die Begleiter seien solche Angebote eine Entlastung, sagt Dr. Jürgen Trinkus.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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