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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

Mit dem Pflug zur Meisterschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Oliver Hansen aus Kasseedorf nimmt am Leistungspflügen teil

Auf Feldern des Gutes Sierhagen findet am kommenden Wochenende der 35. Bundesentscheid im Leistungspflügen statt. Etwa 40 Pflüger kämpfen dann um die Ehre als Sieger Deutschland 2018 bei den Weltmeisterschaften im eigenen Land vertreten zu dürfen. Unter ihnen ist Oliver Hansen aus Kasseedorf, der seit einigen Wochen in der intensiven Phase der Vorbereitung ist.

Während viele der Wettbewerber vom Fach sind und das Pflügen zum täglichen Geschäft gehört, ist diese Form der Bodenbearbeitung für Hansen eher ein Hobby, das der 20-Jährige, der eine Ausbildung zum Industriemechaniker macht, eher durch Zufall entdeckte.

Mit neun Jahren zog er seine erste Furche. Mit zwölf infizierte ihn Landwirt Rüdiger Piper mit dem Virus „Wettpflügen“. Nach zwei Wochenenden Training belegte Oliver in Hemmelsdorf bei seinem ersten Wettbewerb im Pflügen den 1. Platz. Für Piper ist der Kasseedorfer ein Naturtalent. Schon 2013 war die Qualifikation für den Bundesentscheid gelungen. „Damals war ich leider noch zu jung“, bedauert Hansen und ist jetzt doppelt motiviert.

Auf bis zu 50  000 Euro für einen Wettkampf-Pflug kommt er mit seinem 2-Scharr-Kverneland-Beetpflug hinter einem Same Explorer 60 nicht. Dafür hat das Gespann von Jürgen Hell mit ihm bereits Weltmeisterschaftsluft geatmet. „Ein halbes Jahr lang haben wir ständig telefoniert bis ich alle Einstellmöglichkeiten verstanden hatte.“ Es ging nicht anders, denn sein Förderer lebt derzeit in Norwegen. Aktuell gibt er Tipps an Hand von Fotos, die Oliver von seinen Beeten macht.

In der heißen Phase vor dem Bundesentscheid versucht Oliver Hansen, jede freie Minute auf dem Schlepper zu sitzen, um Gefühl für Boden und Pflug zu bekommen. Nebenbei versucht er, auch seiner Freundin und der Aufgabe als Jugendwart der Jugendfeuerwehr der Gemeinde Kasseedorf gerecht zu werden. Während der Boden bei Familie Börgers in Gleschendorf sandig und moorig ist, hat es Hansen in Sierhagen mit einem lehmhaltigen Boden zu tun. „Das ergibt ein ganz anderes Furchenbild, weil die Erde ganz andere Krumen bildet.“ Zwar darf während des Wettbewerbs jederzeit die Einstellung des Pfluges verändert werden, aber da ist sich Hansen mit seinen Trainern einig: Weniger ist mehr. Dennoch ist der Blick beim Pflügen stets nach hinten gerichtet. Über den Oberlenker verändert Hansen den sogenannten Untergriff und die Scharr geht schneller tief in den Boden. Neben der Tiefe der Furche haben die Punktrichter auch ein Auge auf das Einsetzen und Ausfahren. „Es gibt auch Dinge, die mir wichtig erschienen, die einen Richter aber gar nicht interessieren. Da hat es mit geholfen, mit einigen sprechen zu können“, fasst Hansen die Vorteile seiner vielen Unterstützer zusammen. Auf dem Acker von Otto Böge in Havekost stellt er derzeit sein Geschirr auf die Bodenverhältnisse in Sierhagen ein. Am Montag und Dienstag muss Oliver noch zur Berufsschule. Dann gibt ihm sein Ausbildungsbetrieb Codan in Lensahn frei, damit er sich mit den anderen Teilnehmern des Bundesentscheids auf den Wettbewerbsacker einstellen kann. Ganz nebenbei musste der angehende Industriemechaniker noch einen Katalog von 144 Fragen aus der Landwirtschaft lernen. 40 davon werden im Theorieteil abgefragt. Maximal zehn Punkte fließen in das Gesamtergebnis ein. Um als Bundessieger aus dem Wettbewerb hervorzugehen dürfen auch die Punkte nicht vernachlässigt werden.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 19:19 Uhr

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