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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 03:03 Uhr

Eutin : Mit allen Sinnen durchs Schloss

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Von Orgelklang bis Küchengeschwätz: Blinde und Sehbehinderte erfahren in neuen Führungen von den Besonderheiten des Hauses

Wie fühlt sich eine Ranke an, die den Altar der Schlosskirche dekoriert? Wie der große offene Kamin in der Teeküche? Wie klingt eigentlich die historische Arp-Schnitger-Orgel? Und wie roch es in barocken Küchen?
All das können fortan blinde und sehbehinderte Menschen in einer neu entwickelten Führung im Schloss Eutin herausfinden. Dass man sich als Mensch ohne Augenlicht auf die anderen verbleibenden Sinne verlassen muss, wird hier gezielt genutzt und den Besuchern bewusst Eindrücke präsentiert, die sich auch ohne Sehkraft gut ins Gedächtnis einprägen.

Von Orgelklang bis Küchengeschwätz schlägt die Führung einen Bogen vom Kirchenraum bis zur blauen Kachelküche. Die Gäste erfahren von den bauhistorischen Besonderheiten des Hauses, den Angewohnheiten der Fürstbischöfe beim Ablauf eines Gottesdienstes und mancherlei Anekdoten von verfressenen Herrschern und ungewöhnlichen barocken Gaumenfreuden. Im Mittelpunkt steht immer der Alltag der Bewohner vor gut 300 Jahren. Da der Rundgang speziell auf die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen abgestimmt ist, darf zum Thema Küche natürlich auch eine besondere Kostprobe nicht fehlen. Was es da für die Besucher geschmacklich zu entdecken gibt, bleibt allerdings bis zur Führung ein Geheimnis.

Als Sehender sei es nicht ganz einfach, sich in das Leben und die Wahrnehmung von Menschen mit visuellen Einschränkungen hineinzudenken – „Wir waren mit Überlegungen konfrontiert, die man aus dem Alltag eines Sehenden überhaupt nicht kennt und daher auch kaum wahrnimmt“, sagt Barbara Barth, die die Führung über einen Zeitraum von mehreren Monaten konzipiert hat. Wer sich nicht mit den Augen orientieren kann, benötige mehr Zeit, um die Räume in ihrer Größe und mit ihren speziellen Eigenschaften zu erfassen und sich zurecht zu finden, sagt Barth. Um den blinden Gästen einen Aufenthalt im Schloss
so angenehm und sicher wie möglich zu machen, werden die Führungen daher durch geschulte Aufsichtskräfte begleitet, die zusätzlich Orientierung und Hilfestellung geben sollen.

Unterstützung bei der Entwicklung des Konzepts erhielt Barth unter anderem von Anke Dose, der 1. stellvertretenden Vorsitzenden des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein, sowie von Kerstin Gaedicke, Dozentin und Trainerin für den Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen aus Berlin. Viele nützliche Ratschläge lieferten auch Christiane Lutterkort von der Kunsthalle Bielefeld und Christiane Heuwinkel aus dem Kunstmuseum Wolfsburg, so Barth. Und die Rahmendesignerin Katja Rambow aus Kabelhorst fertigte kunstvolle, handliche Bilderrahmen zum Erfühlen; der Eutiner Stuckateur Christian Motzek stellte wiederum einige Tastobjekte zur Verfügung, als er von den Vorbereitungen zu dieser Führung erfuhr.
 

Weitere Infos zu den Führungen sind im Schlossbüro unter der Telefonnummer 04521/ 70950 erhältlich.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 17:45 Uhr

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