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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 07:55 Uhr

„Mein Vater, die Demenz und ich“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Moderatorin Bettina Tietjen las gestern aus ihrem Buch

Eine Demenzerkrankung ist nicht nur schrecklich, sondern kann auch Raum für viel Lebensfreude lassen – Das ist die Botschaft, mit der Bettina Tietjen gestern Abend vor großem Publikum auf die Bühne der Landesgartenschau (LGS) trat. Anlässlich des 2. Eutiner Demenztages auf der LGS las die NDR-Moderatorin aus ihrem Buch „Unter Tränen gelacht – Mein Vater, die Demenz und ich.“ Darin beschreibt die 56-Jährige ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit der Krankheit ihres Vaters, die den steten Verlust geistiger Funktionen wie Erinnerungen und Orientierungsvermögen bedeutet. „Er fing an, Dinge zu vergessen. Plötzlich lagen dann die Schlüssel im Tiefkühlfach.“ Später habe er einem Vertreter an der Haustür einen überteuerten Staubsauger abgekauft und dem Fremden zusätzlich 100 Euro geliehen.

Die Diagnose Demenz war für Tietjen und ihre Schwester ein Schock, der Vater selbst blockierte bei dem Thema. „Mein Vater hat es lange verdrängt“, erinnerte sich Bettina Tietjen. Sich emotional auf die Krankheit einzulassen, sei schwierig, gab die Wuppertalerin zu. Dennoch sei Bettina Tietjen in der letzten Lebensphase ihres Vaters enger mit diesem zusammengewachsen: „Ich habe an ihm eine sehr fröhliche und liebevolle Seite kennen gelernt.“ Tietjen ließ das Publikum gestern Abend teilhaben an amüsanten ebenso wie berührenden Momenten mit ihrem Vater.

In ihren Lesungen berichtet sie von Erlebnissen, die viele ihrer Zuhörer kennen. „Ich bekomme sehr viele Briefe und E-Mails von Menschen, denen es genauso erging. Sie empfinden es als wohltuend, zu hören, dass sie nicht allein sind.“

Bettina Tietjens Vater verstarb Ende 2013. Das Buch „Unter Tränen gelacht“, das im März 2015 erschien, war auf der Spiegel-Bestseller-Liste.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 14:11 Uhr

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