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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Mehr Personal in der Pflege

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Pflegebeauftragter der Bundesregierung referierte im Kreishaus

Als „eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“ bezeichnete Karl-Josef Laumann gestern bei einem Vortrag im Kreishaus das Thema Pflege. Etwa 40 Gäste, darunter Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Pflegekräfte und Mitglieder von Seniorenbeiräten, waren gekommen, um von dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung zu erfahren, was das zweite Pflegestärkungsgesetz für Senioren- und Pflegeheime bringen wird. Laumann war auf Einladung des Kreisseniorenbeirats Ostholstein und des Arbeitskreises Bewohnerbeiräte nach Eutin gekommen.

Ohne häusliche Pflege würde das ganze System zusammenbrechen, zeigte sich Laumann überzeugt. Unabhängig von der Bezahlung fänden sich einfach nicht genügend Menschen, die sich um Pflegebedürftige kümmern würden. Deshalb werde es künftig deutlich mehr Geld für die Tagesbetreuung Hochbetagter geben, erklärte Laumann, der von 2005 bis 2010 für die CDU Sozialminister in Nordrhein-Westfalen war. Bei Pflegestufe 2 steige dieser Betrag von 500 auf 1200 Euro. Derzeit gebe es in Deutschland für drei Prozent der Pflegebedürftigen Tagespflegeplätze.

„Wir verändern den Kern der Pflegeversicherung“, erklärte Laumann zum Pflegestärkungsgesetz. Anstelle der „Minutenpflege“ trete ein neuer „Pflegebedürftigkeitsbegriff“, der von Wissenschaftlern entwickelt worden sei. Diese „völlig neue Betrachtungsweise“ führe etwa dazu, dass Demenzkranke ab Januar 2017 in der Regel eine Pflegestufe mehr bekämen. Ambulant betreute Pflegebedürftige hätten damit mehr Geld zu Verfügung. Für die stationäre Pflege bedeutet das aus Sicht von Laumann, dass mehr Personal eingestellt werden müsse. Doch das werde in jedem Bundesland anders umgesetzt. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich der Pflegebedürftigkeitsbegriff mit demselben Personalschlüssel wie bislang umsetzen lasse, erklärte Laumann. „Wir haben das mit 800 Millionen Euro hinterlegt“, erläuterte er und fügte hinzu: „Ich will wissen, wo das Geld bleibt.“

Im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen des Abrechungsbetrugs durch russische Pflegedienste warnte Laumann davor, die umgesetzte Entbürokratisierung jetzt wieder „kaputtzuschlagen“. Ein klare Absage erteilte er einem Kontrollrecht für die Sozialversicherung in der Wohnung Pflegebedürftiger . Er forderte eine differenzierte Betrachtungsweise. Die meisten Betrugsfälle hätten sich in der Krankenpflege bei Beatmungspatienten ereignet.

Als Pflegebeauftragter er halte er jährlich 7000 Schreiben, sagt Laumann. Auf diese Weise erfahre er sehr gut, wo jeweils der Schuh drücke.

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erstellt am 21.Apr.2016 | 16:58 Uhr

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