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Ostholsteiner Anzeiger

25. März 2017 | 03:00 Uhr

Mehr Lärmschutz als oberstes Ziel

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Feste Fehmarnbelt-Querung: Experte gibt Verbänden und Gemeinden Ratschläge in Sachen Planfeststellungsverfahren

„Wir wollen mehr als den gesetzlichen Lärmschutz“ – Christian Popp (kl. Foto), Gutachter und Inhaber der Lärmkontor GmbH, brachte es am Donnerstagabend auf den Punkt. Und erntete damit bei der Infoveranstaltung des Kreises Ostholstein von den knapp 40 Zuhörern Applaus.

Popp ist für den Kreis kein Unbekannter und kennt die Situation der geplanten Festen Fehrmarnbelt-Querung sowie der Schienenhinterlandanbindung. Der Bauingenieur und Gutachter hat bereits bei der Betroffenheitsanalyse mitgewirkt und in Fach-Vorträge im Dialogforum gehalten.

„Die Menschen fühlen sich immer mehr von der Schiene belästigt – die wird aber nicht unbedingt lauter“, sagte Popp und referierte über Möglichkeiten des Schallschutzes und Grenzen der Lärmbelastungen anhand von Beispielen einer vielbefahrenen Strecke im Rheintal und der Trasse Hamburg-Hannover. Bei letzterer würden täglich 400 Zugbewegungen stattfinden – kein Vergleich zur ostholsteinischen Situation. Denn hier sind – zurzeit und prognostiziert – wesentlich weniger Züge unterwegs.

Und gerade diese Zahlen diskutierte das Plenum. Denn sowohl die Deutsche Bahn als auch Femern A/S kalkulieren zurzeit mit einem unterschiedlichen Zugzuwachs – 49 stehen da 79 gegenüber. „Zunächst war schon mal von 200 die Rede“, erinnerte Popp die Zuhörer und ergänzte: „Die Zahlen gehen immer weiter runter. Da müssen wir uns fragen: Lohnt sich das alles noch?“ Erneuter Applaus für Popp, der im Nachgang darauf hinwies, dass es belastbare Zahlen geben müsse, damit der Kreis, die Gemeinden und die Verbände ihr Ziel in Sachen Schallschutz für das Planfeststellungsverfahren formulieren können.

Die Bahn werde sich nur im rechtlichen Rahmen bewegen, sagte Popp. „Die Frage muss also lauten: Wie können wir den rechtlichen Rahmen optimieren?“, gab der Gutachter den Zuhörern mit auf den Weg. Doch von denen hegten nicht wenige Zweifel an dem gesamten Projekt und an der Chance, von der gerade vom Bundestag beschlossenen Drucksache 18/7365 („Menschen- und umweltgerechte Realisierung europäischer Schienennetze“) zu profitieren. Diese sieht finanzielle Fördermaßnahmen beim Lärmschutz vor. „Der Beschluss weckt falsche Hoffnungen“, sagte Susanne Dittmann, Abgeordnete der Grünen im Kreistag. Angesichts geringerer prognostizierten Zugbewegungen „glaube ich nicht, dass wir eine Chance haben, Geld zu bekommen“.

Horst Weppler vom Fachbereich Regionale Planung des Kreises regte an, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich explizit um Fragen rund um den Lärmschutz – wie Höhe, Art und Ausgestaltung – kümmert. Und Popp gab den Zuhörern mit auf den Weg: „Das Feilschen fängt bei den Planungs- und Folgekosten an. Da gibt es Verhandlungsspielräume.“ Fordern könne man vieles – ob es genehmigt wird, stehe auf einem anderen Blatt, so Popp.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 15:54 Uhr

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