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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 13:39 Uhr

Marktbrunnen: Kunst oder defektes Waschbecken?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei der Frage „Ist das Kunst?“ scheiden sich die Geister. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (Steu) bildet da keine Ausnahme. Bei der jüngsten Sitzung stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt einer hitzigen Diskussion zwischen den Ausschussmitgliedern: die weitere Nutzung des defekten Marktbrunnens. Jutta Kricheldorff – stellvertretende Fachbereichsleiterin Bauen, Liegenschaften, Schulverband – fasste zusammen, die Wasserführung unterhalb des Brunnens sei überholungsbedürftig, es müsse eine Lösung her.

Eine klare Meinung zum Marktbrunnen vertrat Dr. Henning Höppner (SPD): „Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Brunnen Kunst ist.“ Der Kunsthistoriker erinnerte die Anwesenden an die Geschichte des Brunnens. So habe die Stadt Plön 1993 einen Wettbewerb veranstaltet, den Bildhauer Jan-Olav Hinz mit seinem Beitrag gewann. „In der Person des Bildhauers, im Verfahren und im Material ist das Kunst. Nicht das Wasser macht ihn zum Kunstwerk“, betonte Höppner. „Einen Abbau können wir als öffentliche Hand nicht machen.“ Carsten Gampert (FWG) widersprach: „Ein Künstler ist nicht unbedingt ein technischer Mensch. Als Brunnen ist es eine Fehlplanung“. Eine Investition in den Brunnen hielt Gampert angesichts der finanziellen Defizite der Stadt für wenig sinnvoll.

Heiner Rausch, Leiter des Baubetriebshofes, erklärte auf Nachfrage zum Zustand des Brunnens: „Das Wasser verschwindet in nicht unerheblichem Rahmen. Das Problem ist die starke Verdunstung, die Undichtigkeit der Fugen und die Leitungsteile sind rott.“ Hinsichtlich der Kosten gab Bernd Möller (SPD) zu bedenken: „Keiner von uns hat je gewagt zu fragen, wie hoch die Wasserkosten sind. Die gehen vermutlich in die Tausende.“ Aber den Brunnen unterirdisch erneuern zu lassen, um das Wasserspiel zu reaktivieren, wolle offenbar auch keiner der Anwesenden, stellte der Ausschussvorsitzende fest. Auf den Vorschlag, das Objekt ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen, erwiderte Gernot Melzer (CDU): „Solche Installationen sind doch auch Kosten.“ Das Argument Sabine Kaufs (Grüne) – ein Brunnen, der nicht funktioniere, sei danebengegangen – traf schließlich den Nerv Dr. Henning Höppners: „Da geht einem Kunsthistoriker der Hut hoch. Das ist eine künstlerische Plastik und selbst eine Plastik hat das Recht, alt zu werden. Man sollte sie nicht behandeln wie ein Waschbecken“, widersprach der stellvertretende Ausschussvorsitzende vehement. Klaus Stänner (SPD) schloss sich seinem Vorredner an: „Der Brunnen ist im Zentrum der Sichtachsen. Wenn es geht, ihn durch eine Stiftung über drei, vier Monate pro Jahr zu betreiben, wären wir doch gut davor.“

Um die Wogen zu glätten, formulierte Bernd Möller den Beschluss, den Brunnen am derzeitigen Standort zu belassen. Eine Reparatur der Wassertechnik sei künftig nicht vorgesehen, so Möller. Gleichzeitig werde sich die Verwaltung auf die Suche nach einem Sponsor machen, der den Betrieb des Brunnens möglichst langfristig garantiert. Der Beschluss wurde mit sieben Ja-Stimmen und einer Enthaltung befürwortet.

Zu den Berichten der Verwaltung zählte Jutta Kricheldorff eine Anfrage der Familienbildungsstätte, im Obstgarten des Schlossgebietes einen Schnullerbaum zu gestalten. Dieser solle Kleinkindern die Möglichkeit geben, sich von ihren Schnullern in einer Zeremonie zu verabschieden. Alle zwei Jahre würden, so die Idee der FBS, die Schnuller ausgetauscht. Kricheldorff berichtete, die untere Denkmalschutzbehörde habe erhebliche Bedenken zum Ausdruck gebracht. Immerhin habe das Plöner Schlossgebiet einen überregionalen Wert.

Mit Blick auf das zurzeit wegen baulicher Mängel geschlossene Kinderbecken des Plön-Bades berichtete Jutta Kricheldorff: „Wir haben das Gericht angeschrieben und die Dringlichkeit betont.“ Denn der für weitere Schritte notwendige Gutachter müsse erst vom Gericht bestellt werden. Mittlerweile seien im Untergeschoss des Bades Rissbildungen festgestellt worden, zeigte sich Kricheldorff besorgt. Es sei notwendig, schnell zu klären, welche Ursache den Schäden des Bades zugrunde liegt. Gernot Melzer: „Damit ist das Aushängeschild des Bades nicht nutzbar, das ist ein großes Problem.“

Am 12. November um 17 Uhr wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt eine Sondersitzung zum Haushalt abhalten. Themen des Abends sind unter anderem ein Bericht zur Straßenbeleuchtung und das Plön-Bad. Die nächste reguläre Sitzung des Steu findet am 16. November statt.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 14:41 Uhr

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