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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 19:12 Uhr

Liebhaber ersteigert Stolbergstraße

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Falk Herzog vom Gut Stendorf gab mit 351000 Euro das Höchstgebot bei der Zwangsversteigerung für den Kapitelshof ab

„Ich bin ein echter Denkmalfreund“, sagte Falk Herzog gestern auf Nachfrage, weshalb er den historischen Kapitelshof in der Stolbergstraße 16 in Eutins bester Lage ersteigern wollte. Diesmal hatte der 37-Jährige mehr Glück bei der Zwangsversteigerung als noch vor drei Jahren. Mit 351  000 Euro gab sein Anwalt Jan Mittelstein für ihn um 10.47 Uhr das Höchstgebot im Eutiner Amtsgericht ab, weil Herzog persönlich verhindert war. Der Verkehrswert der Immobilie wurde auf 415  000 Euro geschätzt.

Sein Anwalt lieferte sich einen kleinen Bieterwettstreit mit Manfred Ranthum, der für seine Immobilienfirma aus Bad Segeberg bot. Auch der Hotelier Jürgen Werner aus Erftstadt – 2013 auch unter den Bietern – gab ein Gebot ab, mischte sich im Duell Herzog gegen Rantum nicht weiter ein. Insgesamt waren rund 20 Interessierte zur Zwangsversteigerung gekommen. Die meisten wollten jedoch nur „lernen, wie so etwas abläuft“, da sie selbst bald eine Zwangsversteigerung haben, für die sie sich ernsthaft interessieren.

Und zu lernen gab es bei dieser Versteigerung einiges: Rechtspflegerin Marianne Schnepel überraschte gleich zu Beginn mit einer Vertagung: „Es gab einen Antrag auf Aufhebung des Versteigerungstermines, über den die Richter derzeit befinden.“ Angestrebt wurde der gestrige Zwangsversteigerungstermin von der Hypovereinsbank, die schon seit 2011 versucht, an ihr Geld zu kommen. Damals war die alleinige Eigentümerin Zoe Roussadana. Makler Mirko Benz bot für deren Mutter Gisela Wiese bei der Zwangsversteigerung 2013. Der vollständige Betrag von 485  000 Euro sei aber noch nicht komplett von der neuen Eigentümerin bezahlt worden, wenige tausend Euro stünden aus, deshalb der gestrige Termin zur zweiten Zwangsversteigerung, an der auch der ehemalige Miteigentümer Ulrich Schmermund teilnahm – neben Matthias Schütz am Tisch, der Anwalt von Gisela Wiese.

Rechtspflegerin Marianne Schnepel hat Gisela Wiese schriftlich über die verhältnismäßig geringe Summe informiert, die noch zu begleichen sei, um das Verfahren einstellen zu können. Aber: „Die Frist ließ sie ohne Reaktion verstreichen“, informierte Schnepel die Anwesenden.

Mit einer Verspätung von 45 Minuten begann das Zwangsversteigerungsverfahren. „Die Richter haben den Aufhebungsantrag abgelehnt“, verkündete Schnepel. Anwalt Schütz legte umgehend Beschwerde ein. Die Konsequenz: Falk Herzog erhält trotz Höchstgebot den Zuschlag erst, wenn über die eingelegte Beschwerde entschieden ist – voraussichtlich am 9. Juni.

„Dass wir einen langen Atem brauchen, wissen wir“, sagte Herzog. Aber ihn treibe nichts und er sei zuversichtlich, dass sein Anwalt das für ihn schon klären werde. Denn ähnlich wie bei der Fasaneninsel, die sich ebenfalls im Familienbesitz Roussadanas befand, gibt es einen Nutzungsvertrag für den Kapitelshof zu Gunsten von Schmermund, der erst Anfang März 2016 geschlossen wurde. Die Rechtsgültigkeit des Vertrages gelte es noch zu klären, da die Immobilie da schon einem gerichtlich bestellten Verwalter unterstellt war und die bisherige Eigentümerin dann eigentlich kein Vertragsrecht mehr ausüben kann, so Schnepel. „Es gab mehrere Räumungsversuche, der letzte erst in der vergangenen Woche“, bestätigte der gerichtlich bestellte Verwalter Wilfried Kranz. Allerdings erfolglos, da der Nutzungsvertrag mit Gültigkeit ab April vorgezeigt wurde. Bisher seien rund 51  000 Euro Räumungskosten entstanden.

Zusätzlich kommen auf den neuen Eigentümer die Verpflichtung aus einer langjährigen Leibrente zu: Eine mittlerweile 91-jährige – wie ihr Anwalt sagt „rüstige Dame“ – bekommt monatlich rund 703 Euro. Da die Zahlungen seit Juni 2013 nicht mehr erfolgt sei, habe sich hier eine Summe von mehr als 32  000 Euro aufgestaut.

Falk Herzogs Freude minderte das gestern nicht: „Richtig freuen kann man sich zwar erst, wenn das Gebäude auch leer ist und wir es sanieren können. Aber es ist eines der schönsten Anwesen in Eutin und in dieser Straße.“ Einen Masterplan habe er für die denkmalgeschützte Immobilie auf einem großen Grundstück (rund 1500 Quadratmeter) in Schlossnähe noch nicht. Aber derzeit werde es als Wohnimmobilie genutzt und das könne er sich gut für sich oder seine Familie auch weiterhin vorstellen.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 05:03 Uhr

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