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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Eutin : LGS: Das sagt die Wirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach der ersten Halbzeit der Landesgartenschau ziehen nun die Gastronomen und Einzelhändler eine Bilanz.

Die Landesgartenschau in Eutin ist ein voller Erfolg. Das zumindest ist die Bilanz der Gartenschau-Geschäftsführer Martin Klehs und Bernd Rubelt nach der ersten Halbzeit (wir berichteten). Und auch 93 Prozent der Besucher haben – so die offizielle Mitteilung seitens der LGS – das florale Großereignis in Eutin in einer Umfrage als „gut“ bis „sehr gut“ bezeichnet. Und außerhalb der Grenzen der Landesgartenschau? Teilen Vertreter der heimischen Wirtschaften – Händler und Gastronomen – diese Euphorie?

„Es läuft nicht so doll“, sagt Jennifer Jeske, stellvertretende Filialleiterin der Parfümerie Schuback. Von einem Besucherstrom der LGS bemerkten die Mitarbeiter der Parfümerie bisher nichts. „Eigentlich hatten wir geplant, jeden Sonntag aufzuhaben, aber das lohnt sich nicht wirklich. Jetzt haben wir nur noch ab und an mal am Sonntag geöffnet“, erzählt Jeske. Ihre Bilanz: „Ich denke, alle haben sich mehr von der LGS versprochen.“

Auch Henning Klotz, Inhaber der Teeschmiede, musste seine Erwartungen zurück schrauben: „Ich habe nicht richtig nachgedacht. Für mich bedeutete viele Menschen in der Stadt auch automatisch viele Kunden“, sagt der 54-Jährige. Der Besucher verbringe auf der LGS viel Zeit und lasse dort Energie. Klotz: „Der klassische LGS-Besucher hat das Bummeln in der Stadt gar nicht im Kopf.“ Das Problem sei unter anderem der LGS-Shuttle, der die Besucher direkt an den Eingang heranfahre, ist Klotz überzeugt. Und legten dann doch einige Urlauber den Weg zu Fuß vom Parkplatz oder dem Bahnhof in Richtung Schlosspark zurück, „dann gucken sie nicht nach rechts und links“, so die Bilanz des Tee-Händlers. Zwar kämen durchaus einige Gäste der Gartenschau in das Tee-Geschäft, erklärt Henning Klotz, „aber nicht in nennenswerten Mengen. Wir haben alle 600  000 Besucher im Kopf gehabt, aber die meisten bleiben auf dem Gelände.“

Holger Pulvermann ist da anderer Ansicht: „Ich bin zufrieden“, sagt der Inhaber des Stadtcafés. „Viele Gäste der LGS kommen zum Mittag zu uns oder essen zum Kaffee ein Stück Torte.“ Insbesondere die Aktionstorten speziell für die LGS – die Eutiner Rosentorte und die Holländer Kirschtorte – seien der absolute Renner, so Pulvermann. Die Bilanz des Tortenbäckers: „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.“

Ähnliche Erfolge verzeichnet Marcus Gutzeit: „Es läuft perfekt. Meinetwegen kann jedes Jahr LGS sein“, erklärt der Inhaber des Brauhauses. Täglich strömten die Besucher der Landesgartenschau in sein Restaurant und bescherten dem Gastronomen schon jetzt ein Umsatzplus von 20 Prozent. Und auch für die Zukunft hat Gutzeit Visionen: „Es wäre ein Traum, wenn sich auch nach der Gartenschau noch Tagesbesucher den Park ansehen.“ Um langfristig die Attraktivität der Kreisstadt zu erhöhen, könne man, schlägt Gutzeit vor, etwa die Stadtbucht weiterentwickeln. „Wir müssen das Gebiet größer streuen und nicht nur auf dem Markt denken. Der Einzelhandel muss auch einen Vorteil davon haben.“ Die LGS-Bilanz des Brauhaus-Inhabers ist deutlich: „Überragend.“

Jan Hoffmann von der Buchhandlung Hoffmann dagegen ist ernüchtert: „Versprechen, die uns gemacht wurden, sind nicht eingetreten“, sagt Hoffmann. „Die angekündigten Ströme kommen nicht im Einzelhandel an.“ Im Gegenteil, die Kundenzahlen seien seit Beginn der Landesgartenschau sogar rückläufig, berichtet der Buchhändler: „In Eutin hält sich hartnäckig das Gerücht, es gäbe keine Parkplätze, darum kommen einige Kunden nicht in die Stadt.“

„Weingeist“-Inhaber Stefan Knorr überrascht der zurückhaltende Besucherstrom von der LGS nicht: „Ich hatte keine so großen Erwartungen. Immerhin sind die Menschen hier wegen eines Gartenereignisses und wollen sicher keinen Sechserkarton Wein mit nach Hause nehmen“, erklärt Knorr. Trotzdem suchten gelegentlich Gäste der Landesgartenschau auch sein Weingeschäft auf. „Wir bemerken täglich Kunden, die den Laden zum ersten Mal betreten und ab und zu stellt sich im Gespräch heraus, dass es sich um LGS-Besucher handelt. Ansonsten sieht man es ihnen ja nicht an“, erklärt Knorr. Eine deutliche Umsatzsteigerung sei seit Beginn der LGS jedoch nicht spürbar. „Die LGS ist eine Chance für Eutin und für die Stadtentwicklung ganz großartig.“

Die Bilanzen des Einzelhandels in Eutin könnten kaum unterschiedlicher sein. Nur eine Hoffnung eint Gastronomen, Buchhändler, Tee- und Kosmetikverkäufer: Die langfristige Wirkung der Landesgartenschau. „Wenn die Eutiner sich als Gastgeber empfinden, erkennen die LGS-Besucher das Sympathische der Stadt. Dann kommen sie wieder, gehen shoppen und in die Restaurants“, fasst Stefan Knorr zusammen.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 04:00 Uhr

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