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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 15:09 Uhr

Lehrermangel an Eutins Grundschulen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Viele Krankheitsfälle führten zu viel Ausfall / Neue Stelle erhofft

Es gibt genügend Schüler an der Gustav-Peters-Schule in Eutin – aber nicht genügend Lehrer. Derzeit zumindest. „Stopp den Lehrermangel“ lautet deshalb eine Petition, die engagierte Eltern aus Fissau auf die Beine gestellt haben, um sich im Bildungsministerium in Kiel Gehör zu verschaffen.

640 Schüler gehen insgesamt an die drei Standorte der Eutiner Grundschule in Fissau, Am Kleinen See und an der Blauen Lehmkuhle. 740 Lehrerwochenstunden sind für diese Schüleranzahl vorgesehen, doch im vergangenen Schuljahr war das nicht möglich und sowohl Erfindungsreichtum als auch Engagement des Lehrerkollegiums gefragt, erklärt Christine Ludwig, Direktorin aller drei Standorte, auf Nachfrage. Rund 180 Stunden sollen nach verschiedenen Rechnungen ausgefallen sein, Kinder teilweise nur betreut anstatt mit dem vorgesehenen Stoff unterrichtet worden sein – vereinzelt wurden sie auch nach Hause geschickt.

Woran liegt es? „Wir waren bemüht, das Problem zu verteilen aber es gibt einfach keine qualifizierten Lehrer“, sagt Ludwig. Das Problem: Das Bildungsministerium erlaube zwar eine hundertprozentige Vertretung im Krankheitsfall „aber wer nimmt bei anfangs kurzen Krankschreibungen befristete Verträge von nur drei Wochen an?“ Keine qualifizierte Kraft sei dafür im Lehrerpool des Landes gefunden worden, nur ausgebildete Erzieher oder nicht fertig studierte Lehrer, die eher die Betreuung als das Unterrichten übernehmen konnten. Ludwigs Hoffnung so kurz vor den Ferien: „Mehr gesunde Kollegen im neuen Schuljahr und vielleicht eine neue Stelle.“

Laut Schulrat Manfred Meyer sind für das nächste Schuljahr alle Planstellen besetzt, er habe sogar speziell für die Gustav-Peters-Schule einen Springer eingestellt, sodass sich Ludwigs Hoffnungen erfüllen würden, derjenige müsse nur noch zusagen.

Doch besetzte Planstellen entsprechen nicht zwingend den anwesenden Personen, das musste die Eutiner Grundschule im nun endenden Schuljahr ganz besonders merken. „Wir hatten viele Krankheitsfälle zu beklagen, darunter auch längerer“, sagt Ludwig. Auch unerwartet frühzeitige Ausfälle wegen Schwangerschaften haben einen Strich durch erstellte Vertretungspläne gemacht. Drei bis fünf solcher Pläne für ein Schuljahr und alle drei Standorte seien normal, sagt Ludwig. In diesem Schuljahr allerdings habe sie ganze 24 schreiben müssen.

Das Problem besteht längst nicht nur in Fissau: Die kleine Grundschule mit nur vier Kräften treffe es zwar besonders hart, doch anfangs sei das noch durch Vertretungen der anderen beiden Standorte aufzufangen gewesen – bis die Zahl der kranken Kollegen zunahm. Die Sorge der Eltern, insbesondere die Dritt- und Viertklässler würden unter diesen Umständen nicht adäquat für die weiterführenden Schule vorbereitet, versteht die Schulleiterin. „Aber mein Kollegium ist sehr engagiert und macht alles menschenmögliche, um den Unterricht gut zu gestalten.“

Woran liegt es, dass Grundschullehrer auf dem Markt fehlen? „Wahrscheinlich an der schlechteren Bezahlung gegenüber den Grund- und Hauptschullehrern, die an der Gemeinschaftsschule unterrichten“, vermutet Ludwig. Hinzu komme, dass eine Lehrerausbildung Zeit brauche und Ausbildungskapazitäten, die oft erst noch geschaffen werden müssen. Ludwig setzt auf die Gesundung und neue Stellen, denn eines weiß sie jetzt schon: Binnen der nächsten fünf Jahren geht ein Großteil ihrer Kollegen in den Ruhestand, besonders diejenigen, die Mathe unterrichten. Durch Fortbildung anderer Kollegen versucht sie dem schon entgegenzuwirken. Doch das allein werde nicht genügen.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 00:35 Uhr

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