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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Leben im falschen Körper

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

80 Ärzte und Psychotherapeuten nahmen an Fortbildung in Curtius-Klinik zum Thema Transsexualität teil

Leben im „falschen“ Körper: Mit diesem Thema beschäftigte sich
ein Fortbildungssymposium zum Thema „Sexualitäten“ Anfang November in der Malenter Curtius-Klinik. 80 Ärzte aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen und Psychotherapeuten waren in die Klinik für psychosomatische Medizin am Kellersee gekommen, um sich durch Fachvorträge über das Thema Transsexualität informieren zu lassen.

Als Experten waren drei Referenten geladen. Prof. Dr. Hartmut Bosinski, ehemaliger Leiter der Sexualmedizin an der Kieler Universität, berichtete über die störanfällige und komplizierte körperliche Geschlechtsentwicklung, die schon im Mutterleib über Mädchen, Junge oder Intersexualität entscheidet. Dr. Wilhelm F. Preuss vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) schilderte die Besonderheiten der psychotherapeutischen Behandlung von transsexuellen Patienten und Dr. Katinka Schweitzer, ebenfalls Mitarbeiterin des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am UKE, beschrieb die Leidenswege intersexueller Menschen, die im Zwischenraum zwischen Mann und Frau leben und für ihr Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit kämpfen.

Gastgeberin Dr. Silke Kleinschmidt, Chefärztin der Curtius-Klinik, betonte den oft unterschätzten Stellenwert sexualmedizinischer Themen. Um so erfreulicher sei die große Resonanz auf das Symposium. Die Curtius-Klinik behandele seit 25 Jahren transsexuelle Patienten wegen ihrer psychischen Begleiterkrankungen. Seit diesem Jahr könnten sich Patienten außerdem im Medizinischen Versorgungszentrum der Curtius-Klinik auch bei sexuellen Störungen psychotherapeutisch behandeln lassen. Sie selbst habe mit ihrer Ausbildung für die Paartherapie sexueller Funktionsstörungen auch einen eigenen fachlichen Bezug zu diesem Thema, weshalb ihr das Symposium ein besonderes Anliegen sei, erklärte Silke Kleinschmidt.

Die Redner schilderten die Herausforderungen, mit denen diese Menschen, ihre Familien, aber auch ihre Ärzte und Psychotherapeuten kämpfen müssten. In den Vorträgen und der Diskussion wurde die Bedeutung einer fachlich qualifizierten Behandlung deutlich. Die Vernetzung der Therapeuten und eine Behandlung, die den Betroffenen ausreichend Zeit für seelische und soziale Anpassungsprozesse lasse, wurde von allen als grundlegend angesehen.

Das Unbehagen, im „falschen“ Körper zu leben, beginne oft schon im Kindesalter. Das Gefühl, anders und irgendwie falsch zu sein, führe zu großem Leidensdruck und schließlich auch zum Wunsch nach einer geschlechtsumwandelnden Operation und einer hormonellen Behandlung, um in der wahren Identität leben zu können. Nach wie vor sei das Thema Transsexualität ein Tabuthema und mit Scham, Isolation und Angst verbunden.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 14:26 Uhr

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