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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 05:28 Uhr

Landwirtschaft aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Freude über viele junge Leute, die sich den Beruf Landwirtschaft zutrauen

„Sie hätten es sich auch leichter machen können“, scherzt Lutz Schlünzen, Repräsentant der Landwirtschaftskammer im Kreis Ostholstein, gleich zu Beginn seines Grußwortes an die neuen Berufskollegen. Mal wieder stünde die Branche schließlich vor zahlreichen Herausforderungen, derer sich jetzt gerade auch der Nachwuchs annehmen müsse.

Angst und Bange sei ihm deswegen allerdings nicht, denn: „Ganz offensichtlich gibt es ja noch genug junge Leute, die sich Landwirtschaft trauen.“ In den Kreisen Ostholstein und Plön sind es 25 neue Landwirte und eine Landwirtin, die im Festsaal des Hotels „Am Rathaus“ in Schönberg offiziell freigesprochen wurden.

„Landwirtschaft aus Leidenschaft“ – selten habe dieser so oft bemühte Leitspruch wohl besser zu einem Abschlussjahrgang gepasst wie 2016, ist sich Klaus-Dieter Blanck sicher. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Ostholstein ist nicht dafür bekannt, besonders illusorisch auf seine Berufsgruppe zu schauen. Am meisten Sorge bereite ihm dabei jedoch noch nicht einmal das gegenwärtige Preistief in der Milchvieh- und Schweinehaltung, sondern vielmehr der Ansehensverlust der gesamten Branche in den Medien und zunehmend auch innerhalb der Bevölkerung. „Kein Stallbau mehr ohne Bürgerinitiative, kein Pflanzenschutz ohne eine direkte Verbotsforderung bestimmter Düngemittel – und dann wird eben auch oft vergessen, dass wir ja irgendwie auch knapp acht Milliarden Menschen weltweit ernähren müssen.“ Gerade die häufig recht undifferenzierte Diskussionsweise ärgert Klaus-Dieter Blanck, der dem Nachwuchs aber gleichzeitig auch mahnende Worte mit auf den Weg gibt: „Früher hatte die Landwirtschaft eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit in Politik und Gesellschaft, weil wir alle zusammengehalten haben.“ Heute müsse sich dagegen jeder fragen, ob
er den benachbarten Hof noch als Kollegen oder eher schon als Rivalen betrachte. „Leben und leben lassen“ sei daher immer sein Credo gewesen. Stille im Saal, Blancks Worte haben ihre Wir-
kung offenbar nicht verfehlt.

Doch bei allen Herausforderungen für die moderne Agrarbranche – es gibt sie eben doch noch, die jungen Leute, die sich die Landwirtschaft zutrauen. Und es seien sogar mehr, als viele im ersten Moment vielleicht denken würden, resümiert Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, am Ende des Abends zufrieden. So hielten sich die Ausbildungszahlen im Beruf Landwirt/in weiterhin auf konstant hohem Niveau, und das trotz zurückgehender Schulabgängerzahlen. „Mir gegenüber schwärmen die jungen Menschen vor allem von der Vielseitigkeit der Ausbildung, der Verbundenheit mit Natur und Tieren und der Möglichkeit zu verantwortlichem Handeln“, berichtet Heller von dem nach wie vor hohen Reiz einer landwirtschaftlichen Ausbildung.

Christian Krause (Gutsverwaltung Petersdorf, Lensahn), Tjark Kühl (Först, Neu-Harmhorst) und Antonius Heilers (Mougin, Grömitz) würden diese Einschätzung wohl
ohne Zögern unterschreiben, schlossen sie die Berufsabschlussprüfung doch als Jahrgangsbeste ab. Sie und ihre neuen Kollegen trauen sich Landwirtschaft – auch aus Leidenschaft.  

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erstellt am 18.Jul.2016 | 13:03 Uhr

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