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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 17:34 Uhr

Ländliche Ohrwurm-Operette

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Der Vogelhändler“ von Carl Zeller auf der Eutiner Seebühne kommt mit kleinem aktuellen Seitenhieb daher

Endlich: Die Akteure strahlten genauso wie das exzellente Wetter am „Mittwoch-Sommer“ bei der Wiederaufnahme der Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller auf der Eutiner Seebühne – wieder in einer prächtigen Ausstattung. Und auch ein Jahr nach der Inszenierung von Dominique Caron übt diese leichte Ohrwurm-Operette auf ihr Publikum eine magische Wirkung aus. Immerhin waren die Ränge etwa zur Hälfte mit einem interessierten Publikum besetzt.

Schon wie bei der Oper Carmen dirigiert erneut Leo Siberski, diesmal geschmeidig, mit emphatischer Energie und beschwingter Leichtigkeit das Festspielorchester und einen hervorragend aufgestellten Festspielchor.

Und so scheint man jedem gleich auch die unbändige Sing- und Spielfreude anzumerken, insbesondere wenn anfangs die mit feschen Krachledernen (Lederhosen) angezogenen Tiroler, unter ihnen Christian Bauers Adam, ihr mitreißerisches „Grüaßt Euch Gott, alle miteinander“ anstimmen. Es geht eben „gmüetlich“ zu in der manchmal derb-fröhlichen Dorfoperette mit Herz. Doch Adam (Christian Bauer) kann nicht nur zupacken, sondern zeigt auch Herz, wenn er die „Rosen aus Tirol“ besingt oder im selig machenden, von einer „Stubenmusi“ begleiteten Walzerlied „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“ sein übervolles Herz mit rührender Stimme ausschüttet. Der Chor kann hier wieder auf aktive stimmliche Unterstützung von Seiten des Publikums rechnen.

Peggy Steiner, gerade noch als liebreizende aber glücklose Micaëla in der „Carmen“ erlebt, hatte mit sanft und beseelt gesungenem Timbre nun eine tragende und lenkende Rolle als Kurfürstin Marie. Sie behält stets ihre fürstliche Contenance und schwelgt in ihrem Lied „Als geblüht der Kirschenbaum“ in höchsten Tönen. Sie behält zudem die Übersicht in dem Verwirrspiel und ermöglicht Adam und Christel ihr Happy-End. Von Katharina Kühn vertreten tritt diese chic mit Vespa-Roller auf und verzaubert mit sängerischem und schauspielerischem Charme, insbesondere in ihrem populären Postlied. Ihr kleines Techtel-Mechtel im Pavillon mit Theodore Brownes verarmten Graf Stanislaus ist bekanntlich harmlos. Schließlich übt er trotz Aussicht auf Millionen seiner Beinahe-Braut Adelaide, bestens in Szene gesetzt von Almerija Delic, freiwillig Verzicht. Sie angelt sich schließlich den Baron Weps, den Oliver Weidinger überzeugend mit viel Witz und Übersicht spielt. Zwei Zusatzstrophen in „Man munkelt“ zum champagnergelaunten Beginn des zweiten Aktes lässt wiederum Platz, dieses Mal die Landesgartenschau aktuell aufs Korn zu nehmen mit einem kleinen Seitenhieb auf die Türkei.

Viel Witz und Ironie mit glücklichen Wirkungen verbreiten außerdem nicht nur der Bürgermeister, sondern selbstverständlich auch die beiden Professoren Süffle (Philip Lüsebrinck) und Würmchen (Martin Schurr, der anfangs auch in die Rolle des Bürgermeisters schlüpft), „Ich bin der Prodekan“, sowie der Hoflakai Quendel (Hans Schernthaler). Kurzum: Eine runde Sache, die einem gut gelaunten Zuhörer mit der einen oder anderen Melodie im Ohr in den Abend entlässt.







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erstellt am 21.Jul.2016 | 10:38 Uhr

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