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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Kritiker der LGS macht sich Luft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein „Ur-Eutiner“ nutzt seinen Privatsteg für stillen Protest / Gartenschau-Geschäftsführer Bernd Rubelt bleibt gelassen

Sie wollen sich entspannen und eine schöne Zeit auf der Landesgartenschau (LGS) verbringen. Doch die Idylle der Besucher wird gestört: „Landesgartenschau das Millionengrab. Wir Bürger zahlen die Zeche“ steht auf einem Schild, das für Passagiere der Elektrofähren unübersehbar ist. Es steht auf einem Privatsteg in der Nähe des Anlegeplatzes am Haupteingang, der nur wenige Meter in das Wasser reicht.

Der Fährführer Kai Fischer nennt das Schild „eine Art stiller Protest“. Aber warum erst jetzt? Die Besitzerin des Nachbarsteges bringt wenig Verständnis für die Aktion auf: Sie frage sich, warum der Betreffende seinen Protest nicht früher geäußert habe?

Es habe sich einiges bei ihm angestaut, erklärt der Anwohner, der das Schild aufgestellt hat, dem Ostholsteiner Anzeiger. Seinen Namen will er aber nicht veröffentlicht sehen. „Da ist noch niemand mit schwarzen Zahlen rausgegangen“, sagte er mit Blick auf die Kalkulation von Landesgartenschauen. Das Motto der LGS laute „Eins werden mit der Natur“ – und dann baue man hier „einen Steg, an dem die ,Titanic‘ anlegen könnte.“

Er habe seine Bedenken auch schon vor dem Start zum Ausdruck gebracht. Und das auf seinem Steg strategisch gut platzierte Schild wolle er als eine Art Mahnwache verstanden wissen: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“

Weiter ärgere ihn, dass das Gelände zwischen Forsthof und der Oldenburger Landstraße zu Bauland wird. „Hier wird gemacht und getan, was man will“, sagt der Anwohner, der sich als „Ur-Eutiner“ bezeichnet. Er habe nichts gegen Fortschritt und zukunftsorientiertes Denken, nur die Art und Weise müsse auch stimmen.

Die LGS Eutin wirbt damit, Impulsgeber zum Beispiel für Stadt- und Regionalentwicklung zu sein. Auch Carsten Behnk, Bürgermeister und Vorsitzender des LGS-Aufsichtsrates, zeigte sich davon überzeugt: Eutin gebe derzeit eine „gute Visitenkarte“ ab und das werde sich in den nächsten Jahren auf jeden Fall auszahlen. Die Chance, dass die Stadt langfristig davon profitiere, stehe 50 zu 50, sagt dagegen der Protestler. Die LGS sei zwar eine „gute Geschichte für die Region“, doch es störe ihn auch eine Menge daran. Das sei aber erst richtig im Zuge der letzten Wochen in ihm „hochgekeimt“.

LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt bleibt gelassen: „Das ist eine seltsame und wahrscheinlich nicht rechtmäßige Form des Protests.“ Es seien Meinungen, die so geäußert werden können, es gebe aber auch andere, direktere und vielleicht auch ehrlichere Wege, erklärte Rubelt. Der negativ gestimmte Anwohner sei mit seiner Meinung in der Minderheit. Hin und wieder gebe es Bürger, die ihren Protest über die LGS kundtun wollen, so Rubelt weiter.

Er nehme aber wahr, dass die deutlich überwiegende Zahl der Menschen von der Gartenschau begeistert seien. Das sei auch häufig ein Grund, weswegen die Leute ihn ansprächen. Der Besitzer des Steges hingegen versicherte dem OHA, dass „viele Menschen aus meinem Umfeld“ seine Meinung teilten.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 15:25 Uhr

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