zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 03:12 Uhr

Kreistag beschließt einen Inklusionsplan

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landesweite Vorreiterrolle: Ostholstein soll erlebbar für alle Menschen werden

Als erster Landkreis in Schleswig-Holstein hat Ostholstein einen Inklusionsplan beschlossen. Ein 70 Seiten starkes Konzept, das in den vergangenen drei Jahren unter dem Titel „Ostholstei n erlebbar für alle“ erarbeitet wurde, fand gestern in einer Sitzung des Kreistages die Zustimmung aller Kreistagsabgeordneten.

„Das zählt zu den wichtigsten Beschlüssen des Kreistages in dieser Wahlperiode“, stellte Kreispräsident Ulrich Rüder (CDU) fest und bekundete Freude, dass der Inklusionsplan ohne eine einzige Gegenstimme oder Enthaltung verabschiedet worden sei. Klar sei auch, dass mit dieser Entscheidung die eigentliche Arbeit erst beginne; und dass bei der Umsetzung der Kreis nicht allein bleiben könne, sondern auch die Städte und Gemeinden gefordert seien. Außerdem werde der Kreis auf finanzielle Hilfe von Land und Bund angewiesen sein.

Vertreter aller Fraktionen unterstrichen die Bedeutung dieses Inklusionsplanes, der auf einem zehn Jahre alten Beschluss der Vereinten nationen beruht. Der Kern der UN-Konvention: Aller Menschen haben das Recht auf eine selbstbestimmte, gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Petra Kirner (CDU) sagte, dass es einen entscheidenden Unterschied zur Integration gebe: Bei der Inklusion müsse sich ein behinderter Mensch nicht anpassen, um „dabei sein“ zu können, sondern alle gesellschaftlichen Bereiche müssten so gestaltet werden, dass niemand ausgegrenzt werde, egal wie stark er körperlich oder geistige eingeschränkt sei.

Inklusion sei für alle Menschen möglich und sie sei auch finanzierbar, betonte Kirner. Wer barrierfrei baue, der spare später höherer Kosten für die Beseitigung von Barrieren. Genau das sei allerdings für den Kreis auch die Herausforderung: Seine eigenen Altbauten barrierefrei zu machen.

22  000 Menschen, elf Prozent der Einwohner Kreises, hätten einen Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent, sagte Manfred Jaeger (SPD). Angesichts des demografischen Wandels und dem Zuzug älterer Menschen nach Ostholstein werde der Anteil weiter wachsen. Im übrigen mache der Verzicht auf Barrieren allen Menschen das Leben leichter, beispielsweise auch Radfahrern oder Eltern mit Kinderwagen.

Zum Auftakt der Entwicklung eines Inklusionsplanes – der Kreistag hatte dieses Ziel bereits am 13. März 2013 formuliert – seien ihr drei Jahre lang vorgekommen, gab Monika Obieray (Grüne) zu. Aber in dieser Zeit sei viel geschafft worden. Zum Glück hätten sich auch viele Kommunen auf den Weg gemacht, einige seien auch schon weiter als der Kreis.

Manfred Breiter (FDP) sprach von einem ehrgeizigen Ziel und Malte Tech (FWG) schlug als praktische Maßnahme vor, dass im Kreishaus ein Leitsystem für Blinde geschaffen werden sollte. Mehrere Redner betonten das Verdienst von Dr. Stefan Doose, Leiter der Koordinierungsstelle, an der Entwicklung des Handlungsrahmens.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Okt.2016 | 18:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen