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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Plön : Kletterpartie beim Kirchturmbrand

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Plöner Wehr probte Sonnabend in der Nikolaikirche den Ernstfall. Besondere Herausforderung boten ein enges Treppenhaus und Sendeanlagen.

Selten müssen sich Feuerwehrleute so gelenkig zeigen, um an ihren Einsatzort vorzudringen. Sirenenalarm in Plön kündet am Sonnabend gegen 10.50 Uhr von einem spektakulären Einsatz, der schnell zahlreiche Schaulustige anzieht. Aus einem Fenster des gut 60 Meter hohen Turms der St.-Nikolai-Kirche am Markt dringen beunruhigende Rauchschwaden.

Im Maschinenraum für den Betrieb der Kirchenglocken hat sich ein Feuer entwickelt. Ob Menschenleben in Gefahr sind, ist unklar – so lautet das Szenario, das die anrückenden Feuerwehrleute erwartet. Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung, die vermeintlichen Rauchschwaden stammten von zwei Nebelmaschinen.

„Es ist supereng im Treppenhaus“, berichtet Moritz Bünning, Pressesprecher der Plöner Wehr. Extrem steile Treppen und zahlreiche Querbalken nötigen zur Kletterpartie. An manchen Stellen müssen sich die Atemschutzträger regelrecht hindurchzwängen. Dabei müssen die Atemschutztrupps auf dem Weg nach oben auch noch Pressluftflaschen und Schlauchkörbe mitschleppen.

Zusätzliches Problem sind Mobilfunkantennen, die im Turm montiert sind. Aufgrund ihrer nach außen gerichteten Strahlung kann die Drehleiter nicht an jeder Turmöffnung eingesetzt werden. „Im Ernstfall müssten wir einen Verletzten aus dem Maschinenraum zuerst vier Stiegen hinunter transportieren“, sagt Bünning. Zumindest bei der Übung stellt sich heraus: Im Turm ist niemand in Gefahr, das Gebäude ist leer.

Angesichts der erhöhten Anforderungen gerät die Übung allerdings plötzlich zum Ernstfall, als einer der Feuerwehrleute im Kirchturm Kreislaufprobleme bekommt. Rettungssanitäter kümmern sich um ihn. Davon abgesehen klappt alles wie am Schnürchen: Um 10.46 Uhr wird die Wehr alarmiert, nicht einmal fünf Minuten später treffen die ersten Einsatzwagen an der Nikolaikirche ein. Um 11.03 Uhr ist die Kirche geräumt. Pastor Ulrich Gradert und einige Jugendliche müssen das Gebäude verlassen. Bereits um 11.07 Uhr steht vor dem vermeintlich brennenden Maschinenraum Löschwasser bereit. Um 11.22 Uhr kommt die Meldung „Feuer aus“.

„Die Übung ist gut gelaufen“, sagt Einsatzleiter Kai Böhrens, stellvertretender Wehrführer in Plön. Zufrieden zeigt er sich auch mit der aufgebotenen Personalstärke von 40 Feuerwehrleuten, darunter 15 Atemschutzträgern. So kann auf eine Nachalarmierung der Bösdorfer Feuerwehr verzichtet werden. Im Ernstfall wären wahrscheinlich auch die Ascheberger noch nachalarmiert worden, sagt Bünning. Denn da Zwischendecken und Treppenhaus aus Holz bestehen und sich im Turm schnell ein Kamineffekt einstelle, könnte sich ein Feuer extrem schnell ausbreiten. In einem solchen Fall wäre an einen Löschversuch von innen nicht mehr zu denken. Auch die Glocken im Turm könnten dann zu gefährlichen Geschossen werden. „Die wiegt bestimmt eine Tonne“, sagt Bünning und deutet auf eine der Glocken.

Ganz unwahrscheinlich ist ein Brand des Turms nicht, weiß Wolfgang Habenicht-Voss, Mitglied des Plöner Kirchengemeinderats und Vorsitzender des Bauausschusses. Vor etwa vier Jahren sei ein Blitz in den Kirchturm in Niederkleveez eingeschlagen und habe dort ein Feuer ausgelöst. Der Brand sei allerdings aufgrund von Sauerstoffmangel von selbst erloschen. „Aber die Turmspitze musste auf anderthalb Metern abgetragen und erneuert werden.“ Und auch den Turm der Nikolaikirche hat es vor zwei Jahren erwischt. Da schlug der Blitz unmittelbar unter der Kugel ein Loch ins Dach.


> Wer selbst nicht in der Feuerwehr aktiv werden will oder kann, hat die Möglichkeit, die Arbeit der Retter als förderndes Mitglied zu unterstützen. Informationen gibt es per E-Mail an feuerwehrploen@aol.com oder unter Telefon 04522/505-601 beim Gerätewart Hans-Otto Finck.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 14:35 Uhr

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