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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 11:59 Uhr

Malente : Klare Worte zum Abschied

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rund 200 Gäste beim Neujahrsempfang der Gemeinde Malente – der letzte für Michael Koch als Bürgermeister.

Es waren deutliche Worte, die Michael Koch bei seinem letzten Neujahrsempfang als Malenter Bürgermeister über das politische Miteinander in der Gemeinde fand. Man könne seine Position hart vertreten und kommunizieren, aber mit Fairness im persönlichen Umgang und respektvoll gegenüber Personen und Institutionen. „Wo die Absicht Personen und Institutionen zu schaden oder Zorn die Vernunft ersetzt, ist eine Grenze überschritten“, sagte Koch vor rund 200 Gästen im Haus des Kurgastes. Es sei falsch, anzunehmen, dass solcherart geführte Diskussionen und ihre Begleiterscheinungen wie ein Gewitter vorbeiziehen würden und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter herrsche.

Wer Politik mit dem Ziel betreibe, seine eigene Moral zum Maß des Handelns zu machen und dabei jedes Mittel bis hin zur Diffamierung in Kauf nehme, der offenbare im Kant’schen Sinne die „Misshelligkeit zwischen Moral und Politik“, so Koch, der seine Worte durchaus als Mahnung verstanden wissen wollte. „Statt wie in einer Sandkastenkommune mit Dreck zu werfen, sollte die Einsicht gemeinsam zu tragender Verantwortung in Politik und Gesellschaft das Maß der Dinge sein“, forderte Koch. Alles andere führe nicht nur dazu, dass das Miteinander schwierig werde, sondern der Verlust an Dialogfähigkeit lähme Entscheidungsfreude und führe zu politischer Verkrampfung, in deren Folge eine wachsende „Misstrauenskultur“ entstehe.

Positiv aber hob Koch die Willkommenskultur in der Gemeinde hervor. Ohne die große Menschlichkeit, die die Malenter gezeigt hätten, indem sie selbstlos Hilfe durch die Bereitstellung von Unterkünften, Spenden von Kleidung, durch Beratung und Begleitung wäre die Aufgabe der Flüchtlingsaufnahme auch in der Gemeinde Malente nicht zu leisten gewesen. „Was immer auch die Motivation für die Unterstützung und Hilfe durch die Bürger ist, ob Mitgefühl oder Zivilcourage, es trägt dazu bei, dass die Flüchtlinge eine von Offenheit und Toleranz getragene Willkommenskultur erleben“, dankte Koch den Malentern. Derzeit leben 112 Flüchtlinge in Malente, Anfang 2015 war noch mit nur 47 gerechnet worden. Laut Zuweisung aber hätten es im vergangenen Jahr 211 sein sollen.

Jedoch sei Integration eine langfristige Aufgabe, die es nicht zum Nulltarif gebe, stellte Koch klar. Neben weiteren Kinderbetreuungsplätzen und Schul-, Sprach- und Ausbildungsangeboten sei auch dringend psycho-soziale Hilfe notwendig, damit die Menschen das auf der Flucht Erlebte verarbeiten könnten. Um all diese Aufgaben meistern zu können, habe die Gemeinde elf neue Vollzeitstellen geschaffen.

Bei einem Ausblick auf das Jahr 2016 zitierte Koch Antoine de Saint-Exupéry mit den Worten: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ In der Zukunft Malentes werde es darum gehen, der schrumpfenden Gemeinde Herr zu werden und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören auch Maßnahmen an der Schule an den Auewiesen sowie an der Sportanlage in der Neversfelder Straße. Angesichts des baulichen Zustandes der Malenter Schulen, der bildungspolitischen Vorgaben der Inklusion und der anstehenden Integrationsaufgaben müsse die Frage erlaubt sein, ob es nicht sinnvoller wäre, einen größeren Betrag in die Errichtung eines neuen Schulzentrums, in dem Grund- und weiterführende Schule sowie weitere soziale Einrichtungen untergebracht seien, zu investieren anstatt jedes Jahr wachsende Beträge in die Sanierung der Gebäude zu stecken. „Ich halte das für sinnvoller.“

Malenter Bürgerpreis für einen Tausendsassa

Sie hätte gedacht, dass andere den Malenter Bürgerpreis 2015 eher verdient hätten, gab Heidi Dühring zu. „Lebensretter etwa“, erklärte sie. Nach Ansicht des Malenter Ausschusses für Schule, Jugend, Soziales und Sport aber ist ihr Ehemann Uwe Dühring genau der richtige Preisträger. Er erhält die Auszeichnung für sein ehrenamtliches Engagement im TSV Malente, bei der Lenter Gill und beim Schutz der Seeadler in Schleswig-Holstein.

Er kenne niemanden, der so vielseitig sei wie Dühring, sagte Malentes Bürgervorsteher Rainer Geerdts in seiner Laudatio und beschrieb kurz den Werdegang des, wie er ihn nannte, „Tausendsassas“. 1962 machte Dühring sein Sportabzeichen, sprang als Helfer ein und übernahm die Aufgabe später ganz. Seit 51 Jahren leitet Dühring diese Sparte des TSV Malentes.

Zum Theater kam Dühring wenige Jahre später, seit 1966 ist er Mitglied der Lenter Gill. „Für Uwe Dühring ist es eine Herzensaufgabe, gemeinsam mit Laienschauspielern, die die Plattdeutsche Sprache beherrschen, diese vor dem Aussterben zu bewahren“, schilderte Geerdts. Erst als Schauspieler, der das Publikum mit „Charme und Witz begeistert“, seit 15 Jahren als Regisseur.

Dem Seeadlerschutz habe Dühring sich seit 20 Jahren verschrieben, erläuterte der Bürgervorsteher zu Dührings drittem Ehrenamt. Während der Brutzeit der Vögel achtet der 73-Jährige darauf, dass niemand die Schutzzone um den Adlerhorst betritt.

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“, schloss Geerdts seine Laudatio. Dühring sei verantwortlich für viele Wege mit einer großen Wegstrecke. Deshalb werde Dühring für seine ehrenamtliche Lebensleistung mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Dem Geehrten selbst schien diese Lebensleistung gar nicht so bewusst zu sein. Eigentlich habe er den Preis auch nicht annehmen wollen, bekannte er. „Als der Brief der Gemeinde kam, da habe ich erst einmal geschluckt, mich hingesetzt und gedacht ,Ich?!?'. Aber dann habe ich es mir überlegt und mich sehr gefreut.“

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erstellt am 18.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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