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Ostholsteiner Anzeiger

28. September 2016 | 08:52 Uhr

EUTIN : Klare Worte bei der Vereidigung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

445 neue Polizeianwärter leisteten gestern an der Landespolizeischule ihren Diensteid. Die Vorwürfe gegen die Schule wurden in den Reden thematisiert.

Im doppelten Sinne eine besondere Vereidigung haben gestern rund 3000 Gäste auf der Hubertushöhe erlebt. Zum einen legten 445 neue Polizeianwärter ihren Eid ab – so viele wie noch nie seit Bestehen der Landespolizei Schleswig-Holstein.

Zum anderen war die Landespolizeischule in Eutin in den vergangenen Wochen nach Vorwürfen wegen Sexismus und Fremdenfeindlichkeit erheblich in die Kritik geraten. Die Schule hatte daraufhin ein neues Leitungsteam bekommen (wir berichteten).

Innenminister Stefan Studt (SPD), der die Vereidigung der 445 Polizeischüler selbst vornahm, sparte nicht mit klaren Worten. „Rassismus, Sexismus und Distanzlosigkeit hat bei uns keinen Platz“, sagte Studt und wies gleichzeitig Vorwürfe, in der Polizistenausbildung „herrsche Sodom und Gomorra“ zurück. Studt erntete mit seiner Offenheit Applaus der Gäste, darunter Vertreter der Polizei, Politik und – angesichts der Bedeutung für das den Lebensweg der jungen Polizeischüler – vieler Familienangehörigen und Freunde der Dienstanfänger.

Studt betonte weiterhin, dass „in Eutin mit voller Zuwendung gearbeitet“ werde. „Wir haben eine funktionierende Aufklärungskultur und geben sie in die Obhut erfahrener Ausbilder“, so Studt, der sich weiterhin gegen „unsachliche Pauschalkritik“ der Öffentlichkeit wegen der Vorwürfe wehrte. „Das hier ist keine Einrichtung, in der es drunter und drüber geht.“

Studt räumte in seiner Rede jedoch auch ein, dass dem Land „in den Auswahlverfahren Fehler unterlaufen sind“. Es sei „die Folge einer spärlichen Bewerberlage“ gewesen, so Studt. Die gestern vereidigten 284 Männer und 161 Frauen wurden aus 3395 Bewerbern ausgewählt. 15 von den jetzt frisch Vereidigten haben einen Migrationshintergrund. Die Mehrheit der Anwärter für die mittlere und gehobene Laufbahn hatte ihren Dienst am 1. August angetreten, 46 von ihnen sind bereits seit dem 1. Februar dabei.

Für 21 Polizeischüler war das Antreten in Formation gestern jedoch anscheinend zuviel: Wegen Kreislaufproblemen wurden sie von Sanitätern hinter den in Vierer-Reihen angetretenen Anwärtern behandelt – teilweise vor den Augen ihrer Angehörigen.

Wie Studt wählte auch Landespolizeidirektor Ralf Höhs klare Worte und sprach in seiner Rede hauptsächlich über die Vorwürfe gegen die Schule. „Nachgewiesenes Fehlverhalten muss Konsequenzen haben“, sagte Höhs mit Blick auf die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PDAFB) in Eutin. „Vertrauen und Verantwortung sind die zentralen Eigenschaften der Landespolizei“, so Höhs. Wo Vertrauen jedoch fehlt, da regiere Angst, sagte der Landespolizeidirektor. „Und Angst lähmt die Handlungsfähigkeit und führt mitunter zu irrationalen Entscheidungen. Nicht umsonst heißt es: ,Angst ist ein schlechter Ratgeber’.“ Bei zwischenzeitlich einsetzendem Regen forderte Höhs die Polizeischüler auf, „weiterhin vertrauensvoll und offen“ zu bleiben. „Erkanntes Fehlverhalten muss sofort angesprochen und sanktioniert werden“, forderte Höhs.

Der neue Chef der PDAFB, Leitender Polizeidirektor Michael Wilksen, hielt sich im Gegensatz zu Studt und Höhs in seiner Rede bedeckt, was den Medienrummel um die Polizeiausbildung anging. Wilksen bezeichnete hingegen die angehenden Polizisten als „Visitenkarte Schleswig-Holsteins“ und sprach davon, dass „es nie besser ausgebildete Polizisten gab als heute“.

Wie Wilksen warben auch Höhs und Studt für den notwendigen Respekt für die Arbeit der Polizei im Land. „Die Landespolizei ist ein achtsamer und fürsorglicher Arbeitgeber“, sagte Höhs.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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