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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Kinder retten ihm das Leben

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Elias und Joshua Herlitze befreiten Rollstuhlfahrer Hilmar Schnabel, der plötzliche unter einem umgestürzten Baum mit einem offenen Gasbrenner begraben war.

Er hätte sterben können vor zwei Tagen. Das ist Hilmar Schnabel (63) bewusst. Er ist noch immer aufgeregt, doch heute überwiege die Dankbarkeit gegenüber den beiden Jungen, die ihm geholfen haben.

Was war geschehen? Hilmar Schnabel war schon fertig mit den Mittagsvorbereitungen und hatte noch Zeit, bis seine Frau Annelies von einem Termin zum gemeinsamen Essen zurückkam. „Ich wollte bis dahin draußen noch ein bisschen Unkraut wegbrennen“, erzählt der 63-Jährige, der durch einen Arbeitsunfall sein rechtes Bein verlor und seitdem im Rollstuhl sitzt. Dafür setzte er sich in den Elektrorollstuhl, stellte die Gasflasche neben seinen linken Fuß auf den Rollstuhl und begann mit der Arbeit. „Nach kurzer Zeit kamen zwei Kinder und fragten, wo es zur Badestelle an den Krummsee geht“, sagt Hilmar Schnabel. Er schickte sie in Richtung Pferdehof, da er den Weg selbst nicht kannte. „Plötzlich krachte es und ich lag unter einem Baum, der umgestürzt war.“ Elias (13, v. l., kleines Foto)
und Joshua (11), so die Namen der beiden Jungen, ließen ihre Räder fallen und eilten
zu Hilmar Schnabel. „Wir müssen dem Mann helfen“, erinnert sich der Rentner noch an die Rufe der Jungen. „Ich habe die Flamme vor lauter Schock gar nicht schnell genug ausbekommen. Das Laub und die trockenen Äste fingen schon an zu brennen und ich sah mich schon auf der Flasche gen Himmel fliegen, so gefangen zwischen den Ästen“, beschreibt Schnabel die brenzlige Situation. „Er hat uns gesagt, was wir machen sollen und wie wir das Gas am besten ausdrehen“, sagt Elias. Für ihn und seinen Bruder sei es selbstverständlich gewesen, zu helfen. „Wir können ihn doch nicht einfach liegen lassen“, sagt Elias überzeugt.

Dass dies ganz und gar nicht selbstverständlich war, dass die beiden Jungen halfen, ihn sogar zusammen mit der Nachbarin, die hinzugeeilt war, freischnitten und -sägten, wissen Hilmar und Annelies Schnabel. „Es gibt doch gerade in der heutigen Zeit genug Menschen, die dann weggucken. Wir sind ihnen so dankbar.“ Heute will sich das Ehepaar bei den beiden jungen Dresdner Urlaubern gebührend bedanken, bevor diese wieder nach Hause fahren.

„Wir sind wirklich stolz auf unsere Jungs“, sagt Vater Florian Herlitze. Er kam mit seiner Frau hinterher geradelt, sah den Baum noch quer über die Straße liegen und erfuhr von Schnabel selbst, was seine Jungen großartiges geleistet hatten.

Die übrigen zum Teil offenbar morschen Bäume sollen, sobald es möglich ist, jetzt vom zuständigen Nachbarn radikal weggeschnitten werden. „Ich bin bloß froh, dass es die Kinder nicht getroffen hat, die hätten den schweren Stamm abgekriegt“, sagt Schnabel. Ihm bleibt jetzt nur noch ein Fakt zum Schmunzeln: Dresdner retten Dresdner, denn das Paar zog 1984 nach Malente.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 10:43 Uhr

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