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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2016 | 05:21 Uhr

Eutin : Kinder an der Macht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei der gemeinsamen Geburtstagsfeier von Eutiner Kinderschutzbund und „Kinderinsel“ erhält die Kita Lob von Staatssekretärin Anette Langner.

Eutin | Zur Feier hatten die Eltern ein Video gedreht. Darin wussten die Kinder ganz genau, was ein Jubiläum ist: „Das ist, wenn ein Haus Geburtstag hat.“ Für die Redner bei dem Fest, mit dem der 35. Geburtstag des Eutiner Kinderschutzbunds und der 20. Geburtstag des Kindergartens „Kinderinsel“ gefeiert wurde, standen aber nicht Häuser, sondern Menschen im Mittelpunkt. Genauer: Kinder. Immerhin betitelt sich der Kinderschutzbund als „Die Lobby für Kinder“.

Als aktive und wahrnehmbare Stimme für Kinder und Jugendliche bezeichnete Sozial-Staatssekretärin Anette Langner (SPD) den Kinderschutzbund. Sie betonte besonders den Aspekt der Kinderrechte. „Partizipation ist kein Vorrecht von Erwachsenen und darf es auch nicht sein“, sagte Langner. Sie lobte die Verfassung, die sich die Kinderinsel gegeben habe und in der auf die Wünsche der Kinder Rücksicht genommen werde. „Angesichts der Diskussion um die Jugendheime gewinnt dieser Aspekt an Brisanz“, hob Langner hervor. Was in Kitas gelinge, müsste doch auch in Heimen umzusetzen sein. Natürlich sei die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen eine Herausforderung für Erwachsene. Sie verlange eine freiwillige Machtabgabe. „Ich glaube aber, dass sie ein guter Erfolg und ein wichtiges Element zur Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen ist.“ Kinder hätten aus sich selbst heraus den Anspruch, mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen zu werden.

Einen anderen Aufgabenbereich des Kinderschutzbunds beleuchtete Landesvorsitzende Irene Johns. Sie sprach über Kinderarmut in Deutschland. „Jedes fünfte Kind ist davon bedroht.“ Die Hartz-IV-Sätze für Kinder und Jugendliche gingen komplett an der Lebenswirklichkeit vorbei. So stehe etwa für einen 13 Jahre alten Jungen ein Betrag von drei Euro pro Tag für Lebensmittel zur Verfügung. „Wer weiß, was für Berge an Brot Jungs in dem Alter essen, der kann entweder lachen oder weinen“, sagte Johns und sprach sich für eine Kindergrundsicherung aus.

Auf den Einfluss von Kindern und Eltern auf den Kindergartenalltag ist Uta Steinkamp, Leiterin der Kinderinsel, stolz. „Wir wollen eine lernende Organisation sein.“ Dadurch sei die Kinderinsel mehr als nur ein Kindergarten, betonte Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz. Sie sei vielmehr eine Kinderheimat.

Den niedrigschwelligen Zugang zur Hilfe lobte Dr. Matthias Badenhop, Fachbereichsleiter Jugend beim Kreis Ostholstein. „Machen Sie weiter so, Partner wie Sie brauchen wir und werden wir auch immer unterstützen“, versprach er den beiden Geschäftsführern des Eutiner Kinderschutzbundes, Silke Hüttmann und Matthias Thoms.

Die Anfänge des am 3. September 1981 gegründeten Ortsvereins aber lagen im ehrenamtlichen Bereich, schilderte Vorsitzende Heidi Feilke: Kleidertauschbörse, Müttertreff oder Hausaufgabenhilfe. Zwar sei die Arbeit des Kinderschutzbundes 1987 mit der ersten Familienhelferin professionalisiert worden, doch auch heute noch werde der Verein von 22 regelmäßigen Helfern unterstützt, die 3200 Stunden arbeiteten. „Diese Hilfe macht uns stolz“, bedankte sich Heidi Feilke für den Einsatz.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 18:44 Uhr

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