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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Kiel soll Nabel der Meereskunde werden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Land und Helmholtz-Gemeinschaft wollen deutsche Ozeanforschung bündeln

Die schleswig-holsteinische Landesregierung und die größtenteils vom Bund getragene Forschungsgemeinschaft Helmholtz fordern einen grundlegenden Umbau der Meeresforschung in Deutschland. Sie wollen die besten Institute des Fachs zu einem Deutschen Zentrum für Meeresforschung zusammenlegen und empfehlen Kiel als Sitz der neuen Einrichtung. Entsprechende Vorschläge haben Helmholtz-Präsident Otmar Wiestler und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele bei einer Veranstaltung in der Hauptstadtvertretung des Landes in Berlin gemacht.

Bisher würden Polar-, Meeres- und Küstenforschung in Deutschland „noch etwas zersplittert und isoliert“ nebeneinander her arbeiten, kritisierte Helmholtz-Präsident Otmar Wiestler. So gibt es allein in Schleswig-Holstein gleich vier Einrichtungen mit dem Helmholtz-Gütesiegel – das Kieler Ozeanforschungszentrum Geomar, das Geesthachter Zentrum für Küstenforschung sowie auf Sylt und Helgoland Ableger des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Hinzu kommen die Meereswissenschaften an der Uni Kiel. Mit dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Rostock und dem Zentrum für marine Umweltwissenschaften in Bremen existieren weitere profilierte Einrichtungen in Norddeutschland.

Angesichts dieser „enormen Kompetenz“ plädierte Wiestler nun dafür, „die ganze Klasse, die wir im Norden Deutschlands haben, zu einem Konsortium zusammenzubringen, das sehr viel intensiver zusammenarbeitet“. Nur so könne die deutsche Meeresforschung „international sichtbarer“ werden und „an die Spitze der Welt vorstoßen“. Ansiedeln könne man das neue Zentrum im nördlichsten Bundesland: „Das ist ein Feld, wo Schleswig-Holstein mal Chancen gegen Bayern und Baden-Württemberg hat“, sagte Wiestler. Er habe „wenig Zweifel“, dass die Pläne auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka „überzeugen würden“.

Der Kieler Staatssekretär Nägele, zuständig für das Geomar, forderte ebenfalls eine Bündelung der Kräfte. „Wir wollen ein deutsches Kompetenzzentrum für Meeresforschung mit Sitz in Kiel“, forderte der SPD-Politiker. Vorbild könne das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln sein, in dem vor 47 Jahren mehrere renommierte Forschungsanstalten aus diesem Bereich vereint wurden. Geomar-Direktor Peter Herzig wagte sogar die Prognose: „Wir werden 2020 ein Deutsches Zentrum für Meeresforschung haben.“ Und auch Ministerin Wanka machte dem Land zumindest Mut: „Schleswig-Holstein ist das meereswissenschaftliche Kompetenzzentrum in Deutschland“, stellte ihr Staatssekretär Stefan Müller fest.

Widerstand dürfte dagegen vor allem aus dem Stadtstaat Bremen kommen, der das renommierte Alfred-Wegener- Institut wohl ungern in ein
neues Forschungszentrum mit Sitz in Kiel eingliedern würde. Als Kompromiss oder ersten Schritt kann man sich in Kiel vorstellen, zumindest die Institutsableger auf Sylt und Helgoland dem Geomar zuzuordnen. Von Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 16:31 Uhr

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