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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Kasseedorf will keine Windräder

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gemeindevertretung fürchtet eine Verschandelung des außergewöhnlichen Landschaftsbildes im Umgeld des Bungsberges

„Die Gemeinde hat sich bisher immer gegen Windkraftanlagen ausgesprochen.“ Mit dieser eindeutigen Erklärung eröffnete Bürgermeisterin Regina Voß (SPD) Dienstagabend eine Einwohnerversammlung in der Schulscheune, bei der es um Windkraft-Eignungsflächen in der Gemeinde ging. Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich an dieser Haltung nichts geändert habe: „An dieser exponierten Stelle Windkraftanlagen aufzustellen sehen wir sehr kritisch.“ Dabei geht es um zwei Flächen von rund 75 Hektar Größe. Beide liegen entlang der Straße zwischen Stendorf und Bergfeld. Etwa 30 Hektar in Sichtweite des Gutes Stendorf, das weitaus größere Stück in einer Breite von rund 350 Metern und rund 1,3 Kilometern zwischen Freudenholm und Bergfeld.

Die Flächen stehen im neuen Landesplan zur Windenergie, der durch ein Urteil des Oberlandesgerichts aus dem Januar 2015 notwendig wurde. Nach Berücksichtigung der im Juni in einem Runderlass der Staatskanzlei formulierten harten und weichen Ausschlusskriterien wurden 3,7 Prozent des Landes als potenzielle Eignungsflächen ausgewiesen. Bis zum 31. Mai haben die Gemeinden Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben.

In Kasseedorf war dazu eine Arbeitsgruppe mit je zwei Vertretern der drei Fraktionen gegründet worden. Beim ersten Treffen sei man schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass sich an der bisherigen Position der Gemeinde nichts geändert habe, schilderte Voß. In einem zweiten Schritt seien Fachleute hinzugezogen worden, um die Kriterien des Runderlasses zu prüfen. Da seien eindeutige Fehler bei den Radien um Wohnbebauung entdeckt worden, aber auch viele Ansätze aus dem Naturschutz, die der Landesplanung zum Teil nicht bekannt sein könnten, so Voß. Sie nannte Vorkommen von Fledermäusen, Seeadlern, Rotmilanen und Störchen, weiter das FFH-Gebiet Obere Schwentine und die Naturschutzmaßnahmen in der Stendorfer Niederung. Letzte habe bereits zu einer umfangreichen Kartierung von geschützten Vögeln geführt.

Als weiteres Argument führt die Arbeitsgruppe ins Feld, dass die Landschaft um den einzigartigen Bungsberg mit den Hügeln, die Bergfeld ihren Namen gaben, nicht durch Windräder verbaut werden dürfe. Und letzten Endes fehlten auch Netzkapazitäten zur Einspeisung des Windstroms.

Konkrete Pläne von Investoren lägen nicht vor, sagte Voß auf Nachfrage. Und sie wisse nicht, in wieweit die Nachbargemeinde Schönwalde den Landschaftsschutz im Auge habe.

Anwesende Schönwalder Bürger lobten die Transparenz, mit der das Thema in Kasseedorf angegangen werde, die sie in der Bungsberggemeinde vermissten. Dort waren zu Beginn des Jahres auch Gespräche mit dem Land geführt worden, ob Gemeindeteile aus dem Naturpark Holsteinische Schweiz genommen und der Windkraft größere Möglichkeiten eingeräumt werden könnten.

Förster Ulf Köhn merkte an, dass eine Ausweisung von Eignungsflächen nicht automatisch einen Bau von Windrädern nach sich ziehe. Vorher gebe es noch eine Bauleitplanung mit erneuter Abwägung.

Falk Herzog, selbst Eigentümer betroffener Flächen, warnte, dass mit dem für 2017 geplanten Gesetzesentwurf für erneuerbare Energien die Ausschreibung von Windeignungsflächen an große Investoren kommen werde. Möglicherweise würden dann Grundeigentümer nur noch für Windkraftanlagen entschädigt, könnten ihrem Bau aber nicht widersprechen. Die Stellungnahme der Gemeinde soll in einer Sitzung des Bauausschusses am 10. Mai und in der Gemeindevertretung Ende Mai beraten werden.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 13:55 Uhr

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