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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 01:20 Uhr

Kandidatin ohne Gegenstimme

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Sozialdemokraten in Ostholstein und Nordstormarn zeigen Geschlossenheit / Albig ermuntert zum Kampf gegen Rechtsextreme

„Keine Gegenstimme, das hab ich noch nicht erlebt,“ lautete die Reaktion von Bettina Hagedorn auf das Wahlergebnis. Mit 68 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen wurde sie – wie bereits berichtet – am Freitagabend im Kurparkhaus erneut als Direktkandidatin der SPD für den Wahlkreis Ostholstein-Nordstormarn gewählt. Die Delegierten aus den Ortsvereinen des Bundestagswahlkreises machten damit das, was Ministerpräsident Torsten Albig und auch Hagedorn zuvor als Wunsch formuliert hatten: Mit Geschlossenheit in die bevorstehenden Wahlkämpfe zu gehen.

Hagedorn, die seit 2002 dem Bundestag angehört, war einzige Kandidatin. In ihrer Bewerbungsrede hatte die 60-Jährige, die in Kasseedorf lebt, Glaubwürdigkeit als wichtige Voraussetzung für einen Wahlerfolg bezeichnet. Die meisten Menschen machten keinen Unterschied zwischen den Zuständigkeiten von Kommunen, Ländern und Bund und verstünden nicht, wenn sich Sozialdemokraten verschiedener Ebenen stritten. „Die Leute erwarten, dass wir eine gemeinsame Sprache sprechen.“

Gemäß einer Erkenntnis von Willy Brandt tauge Politik nur etwas, wenn sie Schritt für Schritt zu einer einer Verbesserung der Welt beitrage. Und Politiker müssten glaubwürdig sein, das halten, was sie versprechen.

Die SPD könne das für sich geltend machen, setzte Hagedorn fort, und nannte Beispiele: Die Einführung des Mindestlohnes habe allein in Ostholstein die Einkommenssituation von über 22  000 Menschen verbessert. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren bringe ebenfalls den Menschen Vorteile, die keine Akademiker seien. Und besonders intensiv kümmere sich die SPD auch um die Verbesserung der Situation von Menschen in Pflegeberufen. Mit Blick auf die nächste Legislaturperiode des Bundestages sagte Hagedorn, dass sie persönlich eine lange von der SPD geforderte Bürgerversicherung als Bedingung für eine Regierungsbildung stellen würde.

Ministerpräsident Torsten Albig hatte in seiner Rede nicht nur den Blick auf Landtags- und Bundestagswahl im kommenden Jahr gerichtet, es folgten danach auch noch Kommunalwahlen und eine Europawahl. Wie Hagedorn forderte er die Sozialdemokraten zu großer Geschlossenheit auf. Das gelte nicht nur für den Wahlkampf, in dem man durchaus auch stolz an die politischen Erfolge erinnern dürfe, sondern besonders auch im Kampf gegen alles, „was sich vom braunen Rand wieder auf den Weg gemacht hat.“

Er habe sich nicht vorstellen können, dass es 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Menschen gebe, die „starke“ Staaten forderten, und es werde nicht lange dauern, bis jemand wieder nach einem „starken Deutschland“ rufen werde, womit auch das Polieren von Gewehren und das Sichern von Grenzen verbunden sei.

Bei den kommenden vier Wahlen müssten die Sozialdemokraten beweisen, dass sie ihre Wurzeln und ihre Geschichte kennten, dass sie ihren Kampf für eine gerechte, solidarische und freie Gesellschaft weiterführen müssten. Dabei habe die SPD angesichts ihrer langen Geschichte eine besondere Rolle und Verantwortung.

Albig wörtlich: „Es ist an der Zeit, dass wir wieder durch die Straßen marschieren, mit unseren Fahnen, mit unseren Liedern, mit unseren Geschichten, dass die Menschen uns wieder wahrnehmen.“ Es müsse gelingen, junge Menschen für Demokratie zu begeistern und Wahlbeteiligungen wieder bei 70 Prozent zu haben.

Bei der letzten Landtagswahl sei zu sehen gewesen, in welch erschreckendem Ausmaß es den Rechten gelungen sei, in ihren Kreisen Wähler zu mobilisieren. Albig: „Aber ich bin fest davon überzeugt: Auch wir können das noch.“

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erstellt am 06.Nov.2016 | 16:34 Uhr

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