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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Iwanowitsch: „Ist das cool hier?“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Politikverdrossenheit der Jugend war Thema der jüngsten Schulausschuss-Sitzung / Eine 17-Jährige bot jedoch Kontra

Unorthodox ging es zu beim Ausschuss für Schule, Jugend, Sport, Kultur und Soziales im Rahmen des Tagesordnungspunktes „Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung stärken“. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte beantragt, Kindern und Jugendlichen eine aktive Teilhabe an den Sitzungen des Schulausschusses zu ermöglichen sowie eine Internetplattform zur politischen Mitwirkung einzurichten. Christiane Balzer dazu: „Unser Vorschlag sieht vor, den Ausschuss zwei Mal pro Jahr als reinen Jugendausschuss zu planen, bei dem über Themenvorschläge von Jugendlichen beraten wird.“ Die Begründung der Fraktion: „Jugendliche wollen, dass ihre Themen in der kommunalen Politik Gehör finden“, erklärte Balzer. Als positives Beispiel führte die Grünen-Politikerin das Kinder- und Jugendparlament in Neustadt an. Auf die Frage Ingrid Techs (FWE) „Und wer soll das organisieren?“ antwortete Christiane Balzer: „Es erfordert natürlich Vor- und Nacharbeit.“ Jetzt sei wichtig, kleinere Schritte zu gehen, um größere folgen zu lassen. Ausschussvorsitzender Hanjo Iwanowitsch (SPD) zeigte sich wenig überzeugt von dem Antrag der Grünen: „Für Kinder- und Jugendbeteiligung gibt es keine Grenzen. Bei allen Themen sind Jugendliche immer mit angesprochen.“ Eine Kompromisslösung kam von Seiten der CDU durch Kathrin Pitzner: „Man könnte ein Treffen mit Jugendlichen organisieren, bei dem man sie fragt, was sie davon halten.“ Hanjo Iwanowitsch blieb skeptisch: „Hier werden Menschen zum Berge getragen. Wenn ich mich beteiligen möchte, tue ich das.“

Prompt kam eine Reaktion aus dem Zuschauerraum: „Darf ich dazu etwas sagen?“, fragte Schülerin Julia Berger. „Eigentlich müssten wir die Sitzung dafür kurzzeitig beenden“, gab Ausschussvorsitzender Iwanowitsch zu bedenken, überließ der 17-Jährigen dann aber das Wort. „Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es den Ausschuss gibt“, sagte Julia Berger. „Man müsste es stärker an sie herantragen, ihnen mehr Input geben.“ Einige Jugendliche fänden den Ausschuss unter Umständen „spannend“. Sichtlich verdutzt fragte Hanjo Iwanowitsch die Schülerin: „Darf ich da mal nachhaken: Ist das cool hier?“ Julia Berger erklärte, sie habe bereits mehrere Ausschüsse im Rahmen eines Schulprojektes besucht. Sie nehme gern daran teil, weil sie die Abläufe und die Interaktionen interessant finde. Die Anwesenden einigten sich darauf, zur nächsten Sitzung Kinder- und Jugendberater Andreas Adler aus Neustadt einzuladen, um so von dessen Erfahrungen mit dem Kinder- und Jugendparlament zu profitieren.

„Es wird kaum etwas getan und auch nur dann, wenn es unbedingt nötig ist“, bemängelte Christine Ludwig bei der Einwohnerfragestunde das Fehlen einer Schulentwicklungsplanung. Vom Sanierungsbedarf betroffen seien, so die Schulleiterin der Gustav-Peters-Grundschule, vor allem Heizungen und Fenster der Gebäude. Christiane Balzer und Marion Zabel (FDP) schlossen sich der Kritik an. Schon häufiger thematisierte Stichworte wie Inklusion oder die Erweiterung von Schulgebäuden brachten die Anwesenden auch beim jüngsten Schulausschuss wieder in die Diskussion ein. Hanjo Iwanowitsch wandte ein, die Verwaltung sei schon vor geraumer Zeit um Zahlen und Fakten, etwa zum Stand der Barrierefreiheit an den Schulen, gebeten worden. Das sei bisher nicht vollständig geschehen, so der Ausschussvorsitzende. Zum nächsten Schulausschuss sollen diese jedoch vorliegen, sodass über mögliche weitere Schritte nachgedacht werden könne. „Das wird nicht so einfach, aber wir wollen uns damit beschäftigen“, schloss Iwanowitsch die Debatte.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 17:25 Uhr

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