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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 02:10 Uhr

„Inklusion ist ein Langstreckenthema“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Abschlussveranstaltung des Projekts „Ostholstein erlebbar für alle“. Die Beteiligten ziehen ein positives Fazit und wollen eine Fortführung organisieren.

Eigentlich sollten es Selbstverständlichkeiten sein: Der Busfahrplan am Wartehäuschen ist in großer Schrift gedruckt, die Grünphase der Fußgänger-Ampel genügt, um sicher die Straße zu überqueren, und Kantsteine sind im Bereich von Überwegen soweit abgesenkt, dass sie kein Hindernis mehr darstellen.

„Es sind nicht die großen Dinge, die Barrierefreiheit ausmachen“, sagte Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller am Dienstagabend bei der Abschlussveranstaltung des Projekts „Ostholstein erlebbar für alle“ in der Cesar-Klein-Schule der Gemeinde.

Das Projekt zielt darauf ab, Ostholstein barrierefreier zu machen. Unter dem Dach der Aktion werden die einzelnen Initiativen gebündelt. Neben Ratekau beteiligen sich Timmendorfer Strand, Bad Schwartau, Oldenburg, Heiligenhafen, Eutin, Fehmarn, Bosau, Ahrensbök, das Amt Oldenburg Nord, die Aktivregion Wagrien-Fehmarn und das Östliche Gesundheitsnetz an dem Projekt. Erst kürzlich hatte auch der Kreis einen Aktionsplan Inklusion beschlossen. Begleitet wird das Projekt kreisweit vom Verein Lebenshilfe, in den vergangenen drei Jahren finanziell unterstützt von der Aktion Mensch.

„Das Thema ist früher sehr stiefmütterlich behandelt worden“, sagte Keller. Es habe sehr viel Nachholbedarf gegeben. Susanne Voß vom Verein Lebenshilfe Ostholstein sah’s positiv: „Ostholstein ist weiter als man denkt.“ Ihre Kollegin Lena Middendorf pflichtete ihr bei: „Andere Bundesländer schauen in Sachen Inklusion inzwischen auf Ostholstein.“ Der Kreis habe eine Vorreiterrolle im Norden. „Darauf können wir stolz sein“, sagte Middendorf und erntete damit Applaus der rund 60 Vertreter von Verwaltung von Verbänden.

Der Rückblick auf die Initiativen fiel durchweg positiv aus. Susanne Voß regte an, dass das aufgebaute Netzwerk in Ostholstein weiter wachsen solle. „Wir haben viele Themen wie die frühe Bildung noch nicht angesprochen, das müssen wir regionsübergreifend angehen.“ In diese Kerbe schlug auch Horst Martin vom Beirat für Menschen mit Behinderung: „Es muss uns gelingen, die Gemeinden weiter zu vernetzen.“ Aber man müsse nicht die Köpfe, sondern die Herzen der Menschen erreichen, wenn es um Inklusion geht, so Martin. Ähnlich äußerte sich Landrat Reinhard Sager in seinem Grußwort: „Der Wunsch nach Inklusion muss aus der Gesellschaft erwachsen – man kann ihn nicht verordnen.“

Matthias Amelung von der Steuerungsgruppe Ohefa forderte hingegen „Barrierefreiheit plus“ – insbesondere für anspruchsvollere Touristen.

Dass das Thema weitergeht, ist auch für Dr. Stefan Doose, Prozesskoordinator des Kreises, keine Frage. „Ostholstein wird Modellregion für barrierefreies Internet in Deutschland“, verkündete Doose und fasste zusammen: „Inklusion ist ein Langstreckenthema.“

Professor Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, der am Abend einen Impulsvortrag zur Inklusion hielt, wollte das Motto „Ostholstein erlebbar für alle“ erweitert wissen: „Es sollte heißen: ,Ostholstein belebt durch alle’.“ Die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung applaudierten – dazu noch umso stärker als Lob-Hüdepohl ergänzte: „Ich bin mir sicher, dass Sie das in zehn Jahren geschafft haben.“ Dann müssen für abgesenkte Kantsteine und Busfahrpläne in großer Schrift auch nicht extra Inklusionspläne aufgestellt werden.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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