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Ostholsteiner Anzeiger

19. September 2014 | 07:48 Uhr

Hugo Vera sah seine erste Oper in Eutin

vom

Der Festspiel-Tenor studierte ein Jahr in Kiel / Er liebt Speck, Sport und Rockmusik

Eutin | Es war 1996: Amerikanische Studenten, die zwei Gastsemester an der Kieler Universität verbringen, landen zufällig bei den Eutiner Festspielen und sehen damals die Inszenierung von Carmen. Einer von ihnen war Hugo Vera, heute einer der Stars der Neuen Eutiner Festspiele.

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"Ich habe das erst vor ein paar Tagen realisiert", erklärt der Tenor, der sonst an der New Yorker Metropolitan Oper singt. "Erst als ich vor Kurzem auf der Festspiel-Bühne stand, habe ich gedacht: Hier warst du schon mal." Tatsächlich. Carmen sei die erste Oper gewesen, die er wirklich wahrgenommen habe. "Es war super - obwohl die Fassung in deutsch für mich gewöhnungsbedürftig war", erinnert er sich.

Dieses Jahr ist er mittendrin im Festspiel-Treiben. In "Nabucco" spielt er als Ismael eine der Hauptrollen. Die Oper wird in der Originalsprache Italienisch gesungen. Natürlich hat der Tenor den Text "drauf", kann sich auch auf Italienisch verständigen. Und wie ist es mit Deutsch? Das zu sprechen traut sich der Amerikaner, trotz der zwei Kieler Semester, nur häppchenweise. Verstehen kann er aber fast alles. "Ausgezeichnet" ist eines seiner Lieblingswörter. Und "Speck". Das kann aber auch an seiner Fleisch-Vorliebe liegen. Der Tenor unterzieht sich einem strengen Ernährungsplan. Er folgt dem Prinzip der Steinzeiternährung, verzichtet komplett auf Kohlenhydrate. Mit Erfolg: Seit seinem ersten Auftritt beim Eutiner Neujahrskonzert 2011 habe er 30 Kilo abgenommen. In letzter Zeit muss er sich allerdings zusammenreißen: Das deutsche Brot und Bier schmecken so gut, schmunzelt er.

"Dass Opernsänger immer etwas runder sein müssen, ist ein Vorurteil", erklärt Hugo Vera. Singen ist Sport. Man brauche Ausdauer und die richtige Technik, dann komme auch aus einer schlankeren Brust eine tolle Stimme. Da nimmt der Sänger einen Rat auf, der ihm nach dem Neujahrskonzert im Januar 2011 in Eutin von der Zuhörerin Helga Höhn zuteil wurde. Er singe mit ungeheurer Kraft, doch das ersetze auf Dauer nicht die richtige Stimmtechnik, hatte sie gesagt.

Um sein Gewicht zu halten, geht der Opernsänger täglich ins Fitness-Studio. Ansonsten halte er eigentlich nichts von festen Tagesabläufen. Das sei etwas typisch Deutsches, wie er bei seiner Eutiner Gastfamilie erfahren hat. Am Anfang habe er versucht, sich anzupassen. 8 Uhr Frühstück, 12.30 Uhr Mittagessen. "Aber das habe ich nicht lange durchgehalten", gibt Vera zu. Nach der ersten täglichen Probe von 10 bis 13 Uhr radelt er erstmal zum Training ins Fitness-Studio. Von 18 bis 22 Uhr wird nochmal geprobt.

Vera freut sich schon sehr auf seine erste Show: "Die Eutiner sind wirklich tolle Leute." Auf seine Auftritte bereitet er sich mit leichtem Sport und Musik vor - aber keinen Opernstücken. Auf seinem Ipod hat er 8700 Lieder, erzählt er stolz. Nur 100 davon seien Arien. Viel lieber hört der Tenor zur Einstimmung Indie-Rock von der Gruppe "Radiohead" oder Elektro und erklärt: "Die Oper und ihre Sänger sind sehr modern geworden. Oper ist wie Twilight - nur ohne Vampire." In dem Film, der 2009 die Kinokassen klingeln ließ, ginge es wie in der Oper um Liebe und Hass. Genau das warte auch in Nabucco auf die Festspiel-Besucher, verspricht Hugo Vera.

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erstellt am 04.Jul.2012 | 07:07 Uhr

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