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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 20:47 Uhr

HdG-Gutachten: Neubau muss weg

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Diller: „Schlossterrassen und Haus des Gastes zu sanieren, kann sich Eutin nicht leisten“ / Diskussion um Schimmel und Anbau

Über das Gutachten des Architekt Helmut Riemann und seiner Firma zur Modernisierung des „Haus des Gastes“ (HdG) an der Eutiner Stadtbucht wurde schon viel diskutiert – gestern Abend stellte Riemann es erstmals öffentlich im Hauptausschuss vor.

Vorweg schickte er seine Sympathien für den umstrittenen Bau aus den 60er Jahren: „Ich habe 1967 mein Examen gemacht und bin mit der Architektur groß geworden. Ich bin ein Bewunderer dieser Qualität und Architektur, die Udo Stücker bei Ihnen bauen durfte.“ Riemann lobte neben der Gestaltung des Hauptgebäudes des HdG ebenso die Inneneinrichtung, die Stücker damals offensichtlich mitbestimmt hat: „Es ist eine perfekte Kombination von innen und außen.“ Ziel des Riemannschen Gutachtens, beauftragt durch die Stadt, ist, „das Gebäude in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen, so wie Stücker es gemeint hat“, so Riemann. Deshalb und aufgrund eines Gutachtens mit erhöhten Schimmelbefall in den Lagerräumen und Anbauten empfiehlt Riemann, auch aus wirtschaftlicher Sicht den Anbau abzureißen. Riemann: „Die Untersuchungen haben gezeigt, dass er nicht zu sanieren ist.“ Aus einem weiteren Gutachten soll hervorgehen, dass zum Teil Asbest im Anbau verbaut wurde, dies blieb bei der Diskussion gestern offen. Beide Gutachten zweifelte Malte Tech (FWE) und Vertreter der Bürgerinitiative an: „Weshalb konnte der Caterer es dann als Lager- und Büroraum nutzen und der Bauleiter sogar mehr als ein Jahr darin wohnen, wenn die Gesundheitsbelastung doch so hoch sein sollen?“ Auch darüber wurde nicht weiter im Ausschuss diskutiert. Der Vorsitzende, Matthias Rachfahl, hatte vorweg geschickt, das es hier nur um Verständnisfragen gehen solle, nicht um einen Schlagabtausch.

Kostenintensiv werde neben der Dämmung, der Technik und der Rückverankerung der Waschbetonfassade – die laut Architekt unstrittig gemacht werden müssten – die Brandschutzvorkehrungen: „Ohne Brandschutzauflagen bekommen sie heute kein Gebäude mehr genehmigt.“ Riemann stehe dazu in enger Absprache mit den zuständigen Kreismitarbeitern, schlug vor, für den Brandfall Vorhänge in der Decke zu verarbeiten, die runterfahren, um den Treppenbereich bei Feuer abzuschirmen, sobald ein Brand per Brandmeldeanlage an die Leitstelle gegeben wurde. Das rief Olaf Schmidt (CDU) auf den Plan: „Kosten und Nutzen stehen doch da in keinem Verhältnis. Da wird eine Standleitung gelegt direkt zur nächsten Leitstelle und teure Brandschutzvorhänge eingebaut und all das, wo es noch nicht einmal ein richtiges Nutzungskonzept gibt.“

Eike Diller (Grüne) folgerte für seine Fraktion daraus: „Eutin kann sich beides nicht leisten. Wenn entschieden wird, dass dieses Haus wie vorgestellt saniert wird, muss ich beantragen, dass die Sanierung der Schlossterrassen gestoppt wird. Beides geht nicht.“ Grünen-Kollegin Monika Obieray wollte wissen, was eingespart werden könne. Riemann: „Das muss man im Einzelfall sehen. Technik, Wärmedämmung, Fassadenverankerung und Brandschutz müssen in jedem Fall gemacht werden.“ Tech kritisierte die vorgeschlagene Tieferlegung der Hausmeisterwohnung: „Das ist auf Pfählen gegründet, wenn Sie da das Grundwasser absenken, kracht alles zusammen. Im Haus nebenan wurde fast ein Jahr gepumpt.“ Riemann selbst berief sich auf das Gutachten des Statikbüros, das von einer Flachgründung ausgeht. Rachfahl wollte dies bis zur nächsten Sitzung von der Verwaltung geklärt haben.

Keine Beachtung fand dagegen der Kostenunterschied: Statt der anfangs 2,84 Millionen Euro wurden gestern „nur“ noch 2,2 Millionen Euro genannt. Die Bürgerinitiative zum Erhalt und zur Sanierung des HdG übergibt Freitag mehr als 2000 Unterschriften an den Bürgermeister – deutlich mehr, als für ein zweites Begehren nötig.


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erstellt am 29.Nov.2016 | 11:41 Uhr

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