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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

Handeln statt abwarten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreis startet Ausgleichsflächenkonzept / Vertreter von Gemeinden und Verbänden begrüßen die Pläne

Vom Ausbau von Flächen für Windkraftanlagen, der Schienenhinterlandanbindung für die Fehmarnbeltquerung bis hin zur 380-KV-Ostküstenleitung: Eine Reihe von Großprojekten sollen in den kommenden Jahren in Ostholstein realisiert werden. Jedes verschlingt viel Grund und Boden; nicht nur für das Bauvorhaben selbst, sondern auch für die benötigten Ausgleichsflächen.

Damit nicht Dritte einfach Land für Ausgleichsflächen kaufen und Einfluss auf die Gestaltung des Landschaftsbildes Einfluss nehmen können, möchte der Kreis Ostholstein sich einen Überblick über die kreisweiten Flächen verschaffen – um selbst Einfluss darauf nehmen zu können, wo Baumaßnahmen ausgeglichen werden können. „Wir wollen unser schönes Ostholstein gestalten und dabei Erholung und Wirtschaft in Einklang bringen“, sagte Landrat Reinhard Sager gestern im Kreishaus bei der Vorstellung des geplanten Ausgleichsflächenkonzepts. Deshalb möchte sich der Kreis bei Projekten wie 380-KV-Leitung und Co. beteiligen und den Unternehmen Angebote für Ausgleichsflächen geben.

Elke Bögelsack (Foto) – frisch ernannte Ausgleichflächenmanagerin des Kreises – erläuterte den rund 100 Vertretern von Gemeinden und Verbänden bei der Auftaktveranstaltung die Idee hinter dem Konzept. Dabei soll zunächst eine Bestandsaufnahme, ein Kataster entstehen. Anschließend soll beraten werden, welche Flächen am vorteilhaftesten ausgewählt und bestenfalls miteinander verbunden werden können. Ziel: Sich eine Übersicht über die Flächen im Kreis zu verschaffen.

Und dabei kommen die Kommunen ins Spiel: Diese wurden gestern gebeten, bis zum 31. Oktober mögliche Ausgleichsflächen zu melden. Der enge Zeitplan sorgte für Unmut bei den Zuhörern. „Wir wollen langsam in Gang kommen, damit uns die Zeit nicht wegrennt. Für die Beltquerung sind wir schon fast zu spät“, sagte Bögelsack. Auch Landschaftsplanerin Maria Julius, die im Auftrag des Kreises bisher rund 80 Bebauungspläne im Hinblick auf die Ausgleichsflächen unter die Lupe genommen hat, rief Kommunen wie Verbände zur Mithilfe auf. Insbesondere, da es viele veraltete Pläne gebe.

Julius und das Team des Lübecker Landschaftsplanungsbüros TGP konnten bisher 1433 Hektar an so genannten Kompensationsflächen im Kreis ermitteln – das entspricht rund einem Prozent der Fläche Ostholsteins. Ziel der weitere Erfassung soll sein, „auch größere zusammenhängende Flächen zu schaffen“, so Julius; das sei gut für den Natur- und Landschaftsschutz.

Rechtlich verbindlich sei das Kataster nicht, hieß es von Seiten des Kreises. Und Sager stellte klar: „Wir machen nicht die Ausgleichsflächenplanung für die Deutsche Bahn.“ Vielmehr sollen „die Vorhabenträger mit uns sprechen, nur so können wir dazugewinnen“, sagte der Landrat.

„Die Gemeinden haben die Chance, die Flächen zu nutzen“, so Fachdienstleiter Joachim Siebrecht. Mit dem Ausgleichskonzept solle vermieden werden, dass einfach nur Flächen aus der Bewirtschaftung genommen und sich selbst überlassen werden. So könne beispielsweise am Ortsrand einer Gemeinde, die an dieser Stelle nicht wachsen möchte, ein Naherholungsgebiet auf einer Ausgleichsfläche entstehen, sagte Siebrecht.

Das neue Vorhaben des Kreises erhielt viel Zustimmung – unter anderem vom Bauernverband. „Das Konzept ist gut, aber es kommt spät. Aber besser spät als nie“, sagte Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Marlies Fritzen (Grüne) ging noch einen Schritt weiter: Die Landtagsabgeordnete bezeichnete das Konzept, an dem so viele beteiligt werden, als „Meilenstein“.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 13:22 Uhr

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