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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Haftstrafe nach Messerstichen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

29-jähriger Asylbewerber aus Albanien stach in Lütjenburg 13 Mal auf sein 34-jähriges Opfer ein – Abschiebung nach Haftende

Nach den tödlichen Messerstichen in einer von Albanern bewohnten Asylbewerberunterkunft in Lütjenburg hat das Kieler Landgericht gestern einen 29-jährigen Albaner wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Das Gericht schloss sich damit der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung hatte auf Notwehr plädiert und Freispruch gefordert, die Nebenklage der Familie des Opfers eine Haftstrafe von sieben Jahren.

In sich zusammen gesunken folgte der Angeklagte der Urteilsbegründung, die ihm simultan übersetzt wurde. Tränen flossen, als sich die im Saal anwesende Schwester und der Vater des Verurteilten, die aus Albanien angereist waren, ein letztes Mal umarmen konnten um Abschied zu nehmen. Dann klickten die Handschellen und Olgert S. wurde durch einen Nebengang in die Haft geführt.

Rückblick: Am Abend des 10. Februar 2016 sitzen der Angeklagte und zwei Landsleute in der Wohnung des 29-Jährigen zusammen, es wird getrunken, gegessen und geredet. Die Stimmung in dieser „Ersatzfamilie“ ist friedlich und gelöst. Dann bricht plötzlich Streit aus. Offenbar fühlte sich das spätere 34-jährige Opfer durch eine Bemerkung über seine Spielsucht beleidigt. Unvermittelt schlägt er dem Angeklagten mit der Faust ins Gesicht. Daraus entwickelt sich ein Streit, der zunächst mit gegenseitigen Beleidigungen, dann mit Fäusten ausgetragen wird. In Angst flieht der Angeklagte in die Küche und greift nach einem Messer. Zunächst kann ihm dies noch der dritte der Runde wegnehmen. Er versucht die Kontrahenten zu beschwichtigen.

Doch der Streit eskaliert. Erneut wird der Angeklagte vom späteren Opfer auch in der Küche zu Boden geschlagen, verliert kurzzeitig sogar das Bewusstsein. Während der Dritte noch versucht, die Wohnungstür aufzuschließen, um Hilfe zu holen, eskaliert der Streit im Flur. Mit dem Messer in der Hand kommt der Angeklagte aus der Küche, schiebt den Freund an der Wohnungstür beiseite und geht auf das Opfer los. „Angst ging bei ihm offenbar in Aggression über“ formulierte es der Richter in seiner Begründung.

Nicht das Opfer kam auf den Angeklagten zu, sondern der Angeklagte ging auf das Opfer zu, befand das Gericht in der Begründung. 13 Mal stach der Angeklagte zu. „Dabei war ihm sehr wohl bewusst, dass die Stiche tödlich sein können“, so der Richter. Weil auch einige der Stiche von hinten geführt wurden, lässt das Gericht Notwehr nicht gelten. Das Opfer verblutete letztlich innerlich und äußerlich an durchtrennten Venen und Schlagadern.

Zugute hielt das Gericht dem Angeklagten, dass dieser geständig war, er zuerst geschlagen wurde und auch seine Steuerungsfähigkeit nach dem Genuss von Alkohol beeinträchtigt war. „Bis zum Zorn gereizt sei er zur Tat getrieben“ worden. Auch in diesem Fall lässt das Gesetz einen minderschweren Fall gelten.

Nach der Tat sei er selbst zur Nachbarin gegangen und habe sie aufgefordert, die Polizei zu rufen. Olgert S., der in Albanien Kfz-Mechatroniker gelernt hat, sein Abitur auf der Abendschule nachmachte, war nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten – für seine Familie. Während der Untersuchungshaft ist sein Asylantrag bereits abgelehnt worden. Damit muss er nach seiner Haftstrafe nun mit der sofortigen Abschiebung rechnen.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 14:10 Uhr

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