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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Eutin : Haftstrafe für sexuellen Missbrauch

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gericht setzt anderthalb Jahre zur Bewährung aus

Es ist keine Seltenheit, dass ein Richter dem Angeklagten ins Gewissen redet. Meist geht es dann um den Versuch, ihm das Unrecht seiner Tat bewusst zu machen oder ihn von weiteren Straftaten abzuhalten. Anders verhielt es sich gestern vor dem Eutiner Schöffengericht. Der Angeklagte, ein 29-Jähriger aus Malente, zeigte sich nicht nur geständig, er hinterließ vielmehr schon während der Verhandlung einen derart geknickten Eindruck, dass der Vorsitzende Richter Otto Witt versuchte, ihn nach der Urteilsbegründung aufzubauen.

„Machen Sie auch einen kleinen Schlussstrich unter die Geschichte“, riet Witt dem Mann. Irgendwann müsse man auch mal versuchen, einen Selbstschutz aufzubauen. Unmittelbar zuvor hatte Witt das Urteil verkündet: anderthalb Jahre wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Das Gericht erkannte allerdings auf einen minderschweren Fall und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Es folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigerin.

Mit den Worten „es ist alles richtig“ hatte der 29-jährige Angestellte zuvor die Vorwürfe der Anklage eingeräumt. Wahrscheinlich im August 2015 war er demnach in seiner Wohnung mit der Tochter seiner Lebensgefährtin intim geworden. Damals kam es zum einvernehmlichen, ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem 13-jährigen Mädchen, drei Wochen später erneut.

Es sei der Wunsch des Mädchens gewesen, mit ihm zu schlafen, berichtete der Angeklagte. Offenbar keine Schutzbehauptung: Das habe das Mädchen auch bei der Polizei ausgesagt, erklärte Witt. Schon zu Beginn hatte er ausdrücklich betont, dass dies nicht als Ausrede gelten könne: „Wir Erwachsenen sind dazu aufgerufen, bei solchen Dingen standhaft zu bleiben.“

Das war dem Angeklagten offensichtlich auch bewusst. „Ich komme da nicht mit klar“, habe er dem Mädchen gesagt und sie schließlich nicht mehr beachtet, berichtete er mit tränenerstickter Stimme. Der Malenter hatte sich schließlich selbst bei der Polizei angezeigt. Offenbar war der Angeklagte für das Mädchen mehr als nur der Freund ihrer Mutter, sondern während der viereinhalb Jahre dauernden Beziehung ein Vaterersatz. So habe er nicht nur Hausaufgaben mit ihr gemacht, sondern auch dafür gesorgt, dass sie zur Schule gehe.

Über die Vorfälle sei die Beziehung zur Mutter zerbrochen. Zu ihr und dem Mädchen habe er keinen Kontakt mehr, sagte der Malenter. „Ich habe mir das ganze Leben damit kaputtgemacht.“ Er gehe nur noch zum arbeiten und zum einkaufen aus dem Haus, lediglich zu seiner Schwester habe er intensiveren Kontakt. Zweimal sei er nach den Vorfällen für jeweils zwei Wochen in der Psychiatrie gewesen. Das habe ihm immerhin geholfen, seinen Kummer nicht weiter im Alkohol zu ertränken.

Der Staatsanwalt erkannte bei der Strafforderung deutlich mehr ent- als belastende Momente, darunter das Alter des Mädchens knapp unterhalb der Schutzgrenze, die Selbstanzeige des bislang unbescholtenen Angeklagten, seine erkennbare Reue und das Geständnis, das dem Opfer eine Aussage vor Gericht ersparte. „Sie sind hier tatsächlich ein Häufchen Elend. Ich nehme ihnen ab, dass Sie das Unrecht ihrer Taten einsehen“, erklärte der Anklagevertreter. Deshalb ging er von einem minderschweren Fall aus.

Dem folgte das Gericht: „Wir glauben Ihnen und sind davon überzeugt, dass Sie den Fehler, den Sie gemacht haben, zutiefst bereuen“, erklärte Witt in der Urteilsbegründung. Das Gericht stellte dem Angeklagten einen Bewährungshelfer zur Seite. Dieser solle ihm helfen, sein Leben zu ordnen. Außerdem will die Verteidigerin dafür sorgen, dass ihr Mandant einen Betreuer bekommt. Mit dem Urteil zeigten sich der Angeklagte und Staatsanwalt einverstanden. Es wurde damit sofort rechtskräftig.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 14:13 Uhr

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