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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 21:29 Uhr

Eutiner Amtsgericht : Haft für Angriff auf Hans-Werner Salomon

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Für einen 32-jährigen Malenter ist das Maß voll: Eutiner Amtsgericht schickt den Mann ins Gefängnis

Es war ein bemerkenswerter Zwischenfall während des Malenter Bürgermeisterwahlkampfs. Weil er seinen Fraktionskollegen Wolfgang Kienle aus einer bedrohlichen Situation retten wollte, gingen zwei Männer am 9. Mai mit Tritten und Schlägen auf den damaligen CDU-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidaten Hans-Werner Salomon los. Nun muss einer der beiden Täter ins Gefängnis. Der Vorfall in der Malenter Bahnhofstraße war allerdings nur der letzte einer ganzen Reihe von Straftaten des 32-Jährigen.

Vor dem Eutiner Amtsgericht musste sich der Malenter wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen verantworten. Dafür verurteilte ihn Amtsrichter Otto Witt zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten – ohne Bewährung.

Zunächst schien es so, als ob die um 8.30 Uhr angesetzte Verhandlung platzen würde, da der Angeklagte nicht erschien. Witt stellte umgehend einen Haftbefehl aus und beauftragte die als Zeugen geladenen Polizisten, sich mit Hilfe eines Schlüsseldienstes Zugang zur Wohnung des Angeklagten zu verschaffen und ihn zum Gericht zu bringen.

Während der Angeklagte sich so gut wie gar nicht äußerte, schildert Salomon dem Gericht die Tat ausführlich. Zunächst habe er die beiden Männer aus dem fahrenden Auto heraus dabei beobachtet, wie sie ein Wahlplakat abgerissen hätten und darauf herumgetreten seien. Dann hätten sie Wolfgang Kienle bedroht, der damals durch eine Operation an der Achillessehne gehandicapt gewesen sei. „Ey, was soll das, macht keinen Scheiß“, habe er in Richtung der Täter gebrüllt. „Dann haben die beiden mich angegriffen.“

Schließlich habe ihn der – gesondert verfolgte – Begleiter des Angeklagten aus drei bis fünf Metern Entfernung angesprungen und zu Boden gebracht. Beide hätten danach auf ihn eingetreten. Zwei Wochen habe er an Nieren- und Schulterschmerzen sowie einer Hüftprellung gelitten, berichtete der damalige Polizeihauptkommissar, der seit zwei Monaten im Ruhestand ist. Auch eine breite Palette übler Beleidigungen habe es gegeben. „Das übliche Programm“, erklärte der 61-Jährige abgeklärt. Später habe der Angeklagte den deutlich aggressiveren Haupttäter immerhin davon abgehalten, erneut auf ihn loszugehen, möglicherweise nachdem er ihn auf einem Wahlplakat als Bürgermeisterkandidaten erkannt habe.

Bereits im Februar hatte der Angeklagte in dem Haus, in dem er wohnt, für mächtig Ärger gesorgt. Polizeibeamte, die wegen Ruhestörung bei ihm erschienen, überzog der Hartz-IV-Empfänger unter Alkohol- und Drogeneinfluss mit Beleidigungen, wobei Worte wie „Missgeburt“ und „Dreck“ noch harmlos waren. Es brauchte fünf Beamte, um ihn zu bändigen. Auf der Fahrt zum Gewahrsam in Lübeck habe der Mann unentwegt Beleidigungen ausgestoßen, erinnerte sich ein Beamter. „Ich bin schon lange bei der Polizei, aber so etwas habe ich selten erlebt.“ Schließlich spuckte der Tobende dem Beamten auch noch ins Gesicht. Mehreren Nachbarn zerkratzte der Malenter außerdem ihre Autos.

Angesichts der Voreintragungen des Angeklagten erschien Witt dessen Verhalten unbegreiflich: „Sie haben fünf Bewährungen laufen“, hielt der Amtsrichter ihm vor. Für eine Bewährung sah er daher keinen Spielraum. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 14:22 Uhr

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