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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

Eutin : Hablik in allen seinen Facetten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Von Bildern bis Möbel: Neue Sonderausstellung im Ostholstein-Museum zeigt Werke des Itzehoer Künstlers

Die Natur hat ihn losgelassen. Reisen entlang der Ostsee, nach Sylt, Konstantinopel, zu den Alpen und bis nach Südamerika verarbeitete Wenzel Hablik in seinen Werken. Die Bandbreite seines Schaffens ist ab Sonntag im Ostholstein-Museum zu sehen. Museumsleiterin Dr. Julia Hümme ist begeistert vom Schaffen des Malers, Grafikers, Innenarchitekten und Kunsthandwerkers Wenzel Hablik (1881-1934). „Seine Bilder sind sehr kraftvoll, die Farbwirkung ist enorm“, sagt Hümme und geht noch einen Schritt weiter, spricht von „Farbexplosionen“. Kein Wunder also, dass Habliks Bilder schon neben denen von Van Gogh und anderen ausgestellt wurden.

Hablik zählt bis heute nicht nur zu den bedeutendsten Expressionisten in Schleswig-Holstein, sondern ist auch deutschlandweit als wichtiger Vertreter der expressionistischen Architektur bekannt.

Sämtliche Exponate stammen aus dem Bestand des Wenzel-Hablik-Museums in Itzehoe, das im Dezember und Januar Winterpause hat. Hümme durfte sich aus dem Bestand des Museums augenfällige Stücke aussuchen. „Das war wie ein Wunschkonzert“, erinnert sich Hümme augenzwinkernd.

Nach einer ersten Hablik-Ausstellung im Ostholstein-Museum Ende der 1990er Jahre sind nun erstmals wieder Werke des in Böhmen geborenen Künstlers in Eutin zu sehen. Das facettenreiche Werk Habliks umfasst große Ölbilder von Porträts und norddeutsche Landschafts- und Meeresbilder, Zeichnungen und Aquarelle von utopischen Weltraumsiedlungen. Ausgestellt sind aber auch Möbel und Textilien, tierische Figuren und Alltagsgegenstände wie Besteck aus Metall und vieles mehr.

„Hablik konnte so vielseitig sein, weil der vielseitig ausgebildet wurde“, sagt Hümme. Hablik war Tischler, Maler und hatte eine akademische Ausbildung im Kunstgewerbe. Zudem war er Zeichner in einem Architekturbüro.

Hablik studierte in Wien und Prag, ließ sich 1907 in Itzehoe nieder. Während ihm in seiner Malerei vor allem das Meer, die Küsten, die Heide- und Hügellandschaften als Motive dienten, waren es die Berge mit ihren Kristallvorkommen, die ihn „zu seinen atemberaubenden Architekturutopien inspirierten“, sagt Hümme. Der Idee folgend, dass künstlerische Qualität für die Ausgestaltung aller Lebensbereiche Geltung habe, entwarf Hablik zudem extravagante Raumkonzepte für zahlreiche öffentliche und private Interieurs in Norddeutschland – Tapeten und Möbel inklusive.

Die neue Ausstellung biete „gefälligere Sachen“ als beispielsweise die gerade zu Ende gegangene Schau des Ostholstein-Museums mit Werken von Jörg Immendorff. Diese Ausstellung sei „schwere Kost“ gewesen, sagt Hümme. Die Besucher können sich bei Hablik „ganz auf die Motive einlassen, die Farben wirken lassen“, so Hümme. Und sich auf eine weitere Ausstellung freuen: Demnächst werden im Obergeschoss historische Fotos aus Eutin gezeigt.



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erstellt am 19.Nov.2016 | 12:30 Uhr

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