zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 05:03 Uhr

Gutgläubige Helfer wurden zu Opfern

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

23-Jähriger musste sich gestern wegen zweifacher Körperverletzung verantworten

Sie wollten den vermeintlichen Opfern einer Auseinandersetzung helfen und landeten am Neujahrsmorgen selbst in der Notaufnahme. Ihr Angreifer, ein 23-jähriger Jüngling, wurde gestern am Eutiner Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt.

Doch von vorn: Als Thomas D.* (34) und seine Freundin Alexandra S.* (33) nach der Silvesterparty am Timmendorfer Strand zurück zur Ferienwohnung wollen, fällt ihnen eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen auf. Auf der einen Seite sind zwei Jungs, darunter der Angeklagte Marco L.* (23), die gerade dabei sind, heruntergefallenen Lollies aufzuheben. Auf der anderen Seite ist eine Gruppe von etwa fünf Leuten, die lautstark agiert. „Wir dachten, die größere Gruppe hat die kleinere angegriffen und wollten denen beim Aufheben ihrer Lutscher helfen“, erklärt Thomas D. Was er nicht ahnt: Plötzlich und unvermittelt springt ihm jemand in den Rücken, er knallt ungebremst mit seinem Gesicht zu Boden, seine Lippe platzt auf, muss genäht werden. Die Nase ist geprellt, schmerzt noch Wochen später. „Ich bin geistesgegenwärtig aufgesprungen und sofort hinter demjenigen hergerannt. Dabei sah ich aber meine Freundin am Boden liegen, zu der ich schnellstmöglich zurückwollte und stoppte deshalb die Verfolgungsjagd, als ich seine Jacke in der Hand hatte, in der Hoffnung, darin sind Ausweispapiere“, sagt der 34-Jährige. Seine Freundin hatte nach dem Sprung in seinen Rücken versucht, denjenigen zu vertreiben, dabei eine so starke Ohrfeige kassiert, dass ihr Trommelfell geprellt war und ihr so schwindelig wurde, dass sie vor Ort zusammengebrochen ist und in der Klinik behandelt werden musste. „Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist. Ich bin Epileptikerin“, berichtet sie vor Gericht.

Und der Angeklagte? Der erschien gestern ohne Verteidiger und ohne Entschuldigung aber mit der Aussage „Ich kann mich leider an nichts erinnern, ich war zu stark alkoholisiert.“ Auch er habe Silvester mit Freunden am Strand gefeiert, sei danach zur nächsten Party und dann fehle die Erinnerung. Auf Nachfrage von Richter Otto Witt schloss er nicht aus, dass es zu der zweifachen Körperverletzung gekommen sein könnte, er habe eben nur keine Erinnerung mehr daran. Der Grad der Alkoholisierung konnte gestern nicht überprüft werden, da der Angeklagte nicht unmittelbar nach der Tat gefasst wurde, es keine Blutprobe gab. Die Beweise aber genügten Staatsanwaltschaft und Gericht: Denn am Tatort, an dem dem Angeklagten die Jacke entrissen wurde, fand die Polizei den Personalausweis des Angeklagten. Auch vor Gericht gab Marco L. an, dass es sich um seine Jacke handele. Der Angeklagte wurde zu einer Gesamtstrafe von 40 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Die Höhe der Tagessätze richtet sich nach dem Einkommen, das im Fall des ungelernten Metallarbeiters Hartz IV ist.

Das Perfide für die Zeugen: „Wir wollten nur helfen und werden plötzlich selbst angegriffen. Später sagte uns die Polizei, dass es sich wohl um eine Abzock-Masche mit den Lollies gehandelt habe, bei der einer mit einem scheinbaren Lollie-Verkauf die Menschen ablenkt, während ein anderer versucht, sie auszurauben“, erklärt die 33-Jährige. Marco L. ist mehrfach vorbestraft, wegen Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein.


*  Namen geändert

zur Startseite

von
erstellt am 25.Okt.2016 | 00:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen