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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 21:51 Uhr

Gold nach miserablem Start

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kathrin Ameis vom TSV Malente wird in Bruchsal nach Debakel vom Ein-Meter-Brett Deutsche Meisterin im Schwimm-Fünfkampf

„Nach dem Wasserspringen war ich etwas gefrustet, mit mageren 1,55 Punkten habe ich meine Titelträume eigentlich abgehakt“, erinnert sich Kathrin Ameis vom TSV Malente. Sie hatte sich Chancen auf den Deutschen Meistertitel im Schwimm-Fünfkampf der Altersklasse 30 plus ausgerechnet, war mit der zweithöchsten Punktzahl zu den deutschen Meisterschaften nach Baden-Württemberg gereist. Doch es gab ein Happyend: Mit einer Energieleistung ließ die 31-Jährige die Konkurrentinnen in den anderen vier Diszplinen hinter sich.

„Ich habe meinen Frust gleich in die Whatsapp-Gruppe gegeben“, sagt Kathrin Ameis. Sie sei sehr genervt gewesen. Auslöser war die fehlende Erfahrung beim Wasserspringen vom Ein-Meter-Brett gewesen. Sie hatte diese Disziplin nur selten trainiert und ihre Sprünge aus dem Stand geübt. „Beim Einspringen vor dem Wettkampf habe ich es mit Anlauf versucht und das hat auch gut geklappt, also habe ich es beim ersten Sprung auch gewagt, dann aber habe ich abgestoppt und nicht geahnt, dass der Sprung deshalb als neuer Ansatz gewertet wird und große Punktabzüge kostet“, schildert die Schwimmerin den Grund für die enttäuschende Punktausbeute.

Über Whatsapp kamen Mutmacher, so schrieb die Eutiner Trainerin Susann Meyer: „Ein Platz unter den besten Sechs ist doch auch super, gib’ nicht auf!“ Kathrin Ameis hatte sich kurz entschlossen, bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften zu starten. Sie hatte sich bei den Landesmeisterschaften zusammen mit der 14-jährigen Ella Liepe qualifiziert, so fuhren beide nach Bruchsal zu den deutschen Meisterschaften. Die Polizeibeamtin Kathrin Ameis arbeitet seit Oktober 2015 auf der Eutiner Wache. Sie trainiert im Durchschnitt dreimal pro Woche, ihr großes Saisonziel sind die Deutschen Polizeimeisterschaften, die Mitte Oktober in Mainz geschwommen werden. Trainer und Betreuer der schleswig-holsteinischen Polizeischwimmer ist Helmut Werner aus Bad Schwartau. „Er stellt die Trainingspläne zusammen“, berichtet die Mehrkämpferin, die erst vor Kurzem mit der DLRG Malente in Eindhoven bei den Weltmeisterschaften der Rettungsschwimmer gestartet ist.

Kathrin Ameis hat vor vier Jahren wieder mit dem intensiven Training begonnen. Ihre letzten Mehrkampferfahrungen hat sie Ende der neunziger Jahre gemacht. „Da habe ich an den Landesmeisterschaften teilgenommen“, erinnert sie sich. Auch in ihrer ersten Schwimm-Laufbahn war sie recht erfolgreich, zog bei norddeutschen Meisterschaften in den Endlauf ein. „Ich mag es, an meine Grenzen zu gehen“, erläutert sie ihre Begeisterung für das Schwimmen. Ihre Lieblingslage? „Ich schwimme gerne Beine.“ Das heißt, dass im Training auf den Einsatz der Arme verzichtet wird. „In den Beinen steckt viel Potenzial, denn dort steckt die meiste Kraft.“ Langstrecken sind ihr dagegen ein Gräuel: „Kacheln zählen ist langweilig.“

Nach dem Erlebnis bei der ersten Disziplin drehte sie in Bruchsal richtig auf. „Auf das Warmmachen habe ich verzichtet, dafür war ich noch zu sauer – aber bitte nicht meinem Trainer verraten“, sagt Kathrin Ameis mit einem Zwinkern. 100 Meter Rücken schwamm sie in 1:12,5 Minuten, 50 Meter Freistil in 28,9 Sekunden, 50 Meter Delfin in 33,7 Sekunden und 25 Meter tauchen in 14,7 Sekunden, macht zusammen 56 Punkte, die zweitplatzierte Frauke Fink-Pistel vom TuS Wegberg (Nordrhein-Westfalen) erreichte 53 Zähler. „Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben die 50 Kraul unter 29 Sekunden geblieben“, staunt die TSV-Schwimmerin. Dabei hat ihr das Wasser nicht gefallen: „Das hat sich nicht schnell angefühlt.“

Ella Liepe wurde in der Altersklasse 14/15 Zwölfte. Matthias Faber vom Polizeisportverein Eutin wurde bei den Männern in der Altersklasse 30 plus hinter Kai Westensee vom MTV Heide Deutscher Vizemeister.

Kathrin Ameis lobt die Atmosphäre der Titelkämpfe unter Gleichaltrigen, sie sei von den anderen Mehrkämpferinnen sehr gut aufgenommen worden. Sonst sei sie bei Wettkämpfen oft mit Abstand die älteste Schwimmerin, verrät sie. Und auch die Gemeinschaft mit der großen Gruppe des Polizeisportvereins Eutin habe ihr gefallen: „Obwohl es gewöhnungsbedürftig ist, mit 20 anderen in einem Klassenraum zu schlafen.“ Das Training zum Wasserspringen muss noch ein wenig warten, denn bei den Polizeimeisterschaften steht diese Disziplin nicht auf dem Plan.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 21:14 Uhr

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