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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 12:02 Uhr

Eutin : Gift im Honig: Viele Fragen offen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Erste Untersuchungsergebnisse von Honig aus dem Raum Eutin vorgestellt

Echte Überraschungen gab es nicht. Vielmehr verstärkte sich die allgemeine Erkenntnis, dass es noch vieler Untersuchungen bedarf, bevor über die Gefahr von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Imkerhonigen wirklich tragfähige Aussagen gemacht werden können.

Wissenschaftler des Lehrstuhls für Lebensmittelsicherheit der Tierärztlichen Fakultät München präsentierten Donnerstagabend im Torhaus des historischen Bauhofes die ersten Ergebnisse eines Feldversuches, die in Verbindung mit einer Doktorarbeit entstanden sind. Rund 150 Interessierte hielten es dazu in einem eiskalten Saal aus.

Mathias Zimmermann hat – wie mehrfach berichtet – hunderte von Honigproben aus Bienenstöcken im Raum Ostholstein gezogen: Einmal im Frühjahr 2016, als das vor allem als PA-Quelle bekannte Jakobskreuzkraut noch nicht blühte, sowie im Sommer 2015 und 2016. Das Ergebnis von bislang 341 ausgewerteten Proben: Honig vollkommen ohne PA gab es zwar kaum, aber im Frühjahr lagen die Werte häufig an der Nachweisgrenze und der höchste in einer Probe gemessene Wert von 59,5 Mikrogramm (Millionstel Gramm) war eher ein Ausreißer.

Im Sommer 2015 gab es relativ mäßige Werte, der höchste war 79,5 Mikrogramm, der rechnerische Mittelwert lag bei 7,4 Mikrogramm, die Mehrheit der Honigproben hatte 33,5 Mikrogramm im Schnitt. Im Sommer des Jahres 2016 folgte dagegen eine regelrechte Explosion von Werten: Als Spitze wurden 3313 Mikrogramm in einer Honigprobe aus dem Raum Gamal ermittelt, die Mehrheit der Honigproben hatte durchschnittlich fast 250 Mikrogramm PA-Gehalt.

Seitdem es die Zusammenarbeit zwischen der „Interessengemeinschaft Jakobskreuzkraut – Naturschutz ohne Verlierer“ und der Münchner Universität gebe, sei doch einiges in Bewegung geraten, stellte Institutsleiter Prof. Dr. Dr. Manfred Gareis eingangs fest. Er würdigte den Feldversuch als eine vermutlich weltweit einmalig Untersuchung zu diesem Thema. Die Interessengemeinschaft habe die Untersuchung zwar mit rund 8000 Euro Spenden unterstützt, aber eine Kostendeckung sei damit noch weit entfernt: „Der Etat des Lehrstuhls ist durch diese Untersuchung zurzeit mit rund 20  000 Euro im Soll.“

Dr. Christoph Gottschalk stellte die analytische Herausforderung und Risikobewertung bei Pyrrolizidinalkaloiden dar: Eingehend beleuchtete er die Grundlagen, nach denen das Bundesinstitut für Risikobewertung einen Gehalt von 140 Mikrogramm PA pro Kilogramm Honig als Grenzwert empfohlen hat. Anhand verschiedener Modelle rechnete Dr. Gottschalk vor, dass dieser Grenzwert für Erwachsene halbiert werden müsste. Für Kinder, die besonderen Schutz verdienten, wäre sogar eine Reduzierung auf zehn Mikrogramm empfehlenswert. Und Kinder, die am Tag drei Brote mit Honig essen, dürften nur Honig mit maximal drei Mikrogramm PA verzehren.

In der von Dr. Sönke Steffens vom Kreisveterinäramt moderierten Diskussion war schnell klar, dass es immer noch mehr Fragen als Antworten gibt. Zu den Kernfragen zählt, wie Professor Gareis einräumte, wie stark krebserregend die PA sind, von denen es etwa 600 unterschiedliche Verbindungen gibt. „Wir beziehen unsere Annahmen über die Toxität auf Werte aus dem Jahr 1978 bei einer Untersuchung von PA, die es bei uns überhaupt nicht gibt.“

In Deutschland gebe es große Vorbehalte dagegen, aber die von PA ausgehende Gefahr würde am besten in Tierversuchen ermittelt, da gebe es noch großen Untersuchungsbedarf.

Erforscht werden müsse auch, ob Honig bei der Lagerung PA abbaue oder sich Stoffe wandeln. Als ein weiteres Problem erwiesen sich unterschiedliche Messverfahren, wie eine Vergleichsuntersuchung von 32 Laboren sehr eindrücklich zeigt.

Bei allen offenen Fragen müsse aber eine klar sein, stellte Garais fest: Es mache keinen Sinn, über Methoden zur Entgiftung von Honig nachzudenken. Sinnvoll sei nur, langfristig an der Beseitigung der PA-Belastung zu arbeiten.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 16:38 Uhr

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