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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2016 | 07:19 Uhr

Gericht glaubte Opfer-Version nicht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gewaltverbrechen in Kabelhorst: 43-jährige Frau wurde für einen Mord an ihrem schlafendem Ehemann zu lebenslanger Haft veurteilt

Sie hält den Kopf tief gesenkt, die Augen sind niedergeschlagen, auch als sie auf der Anklagebank Platz nimmt, Dolmetscherin und Verteidiger an ihrer Seite. Doch das Bild der reuigen Ehefrau mag ihr die Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts nicht abnehmen: Für den heimtückischen Mord an ihrem Ehemann muss die 43-jährige Angeklagte lebenslang in Haft.

Als sie auf den schlafenden Mann in den frühen Morgenstunden des 22. Oktober 2015 mindestens 14 Mal einsticht, „hat er keine Chance“, stellt der Vorsitzende der Strafkammer, Christian Singelmann, in der Urteilsbegründung fest. Im Einfamilienhaus des aus Afrika stammenden Ehepaares in Kabelhorst bei Lensahn wird das Opfer tot und blutüberströmt auf seiner Matratze am Boden liegend gefunden. „Er war arg- und wehrlos, in hilfs- und auswegloser Situation“, sagt Singelmann.

Die Angeklagte sei dabei gezielt vorgegangen. „Sie war nicht die wehrlose Frau aus Afrika, als die sie sich darstellte.“ Vielmehr habe die in Kamerun geborene Angeklagte „das größte und schärfste Fleischermesser“ aus der Küche geholt, um ihren Mann zu töten, schildert der Vorsitzende ihr Vorgehen. Immer wieder sticht sie auf Kopf und den Bauchbereich ihres Mannes ein. Der 58-Jährige verblutet.

Dass er sich noch gewehrt hat, wie sie behauptet, gibt die Spurenlage nicht her, sagt der Richter. Eine Affekttat, die sie und ihr Verteidiger geltend machen, scheide aus. Um ihre Version der Affekttat zu stützen, hatte die Angeklagte zunächst über ihren Verteidiger eine Erklärung verlesen lassen. Darin ist von Okkultismus und Voodoo und Drohungen die Rede, sie nach Afrika zurückzuschicken. Am dritten Verhandlungstag ergreift sie selbst das Wort, räumt ein, dass sie viel gelogen habe. „Ich habe die Wahrheit und die Lügen vorbereitet“, sagt sie. Mindestens vier Versionen präsentiert sie zum Tathergang. Darunter die, dass ihr Mann auf einen der beiden Söhne losgegangen sei, dann die, dass zwei Männer in das Haus eindrangen und ihren Mann töteten. Als sie gesteht, selbst zugestochen zu haben, stellt sie sich als jahrelang gedemütigtes Opfer ihres Mannes dar. Das Gericht glaubt nach der Beweisaufnahme keine Version.

Die Angeklagte sei „hellwach und bestimmt“ in ihrem Auftreten, sagt Singelmann, „da gab es keine eingeschüchterte Frau.“ Seit Prozessbeginn Ende April habe sie nur erzählt, was sie wollte, und auf viele Frage die Antworten verweigert. „Sie ist nicht das kleine Mäuschen, das alles in der Partnerschaft mit sich machen lässt.“

Die 2011 geschlossene und dann gescheiterte Ehe war zwar „der Boden für die Geschehnisse, aber es war keine Ehehölle“, stellt Singelmann fest. Es habe keine Gewaltanwendungen des Ehemannes und auch keine sexuellen Übergriffe gegeben. Doch spätestens ab 2013 stritt man sich ständig ums knappe Geld etwa und die Ernährung.

Beidseitige Beleidigungen häuften sich. „Die Ehe war Krieg, es gab nur Machtkämpfe“, hatten Zeugen im Prozess ausgesagt. Die Angeklagte fühlte sich diskriminiert, war allein, vermisste als gläubige Katholikin das kirchliche Leben, sagt Singelmann. In der Tatnacht, als sie ihrem Mann beim Fernsehen über den Rücken streicht, schickt dieser sie demnach barsch weg, sagt, ihr Körper sei verrottet und stinke. Wenig später fasst sie den Entschluss zur Tat. Danach beseitigt sie gezielt Spuren, entsorgt unter anderem das Tatmesser unauffindbar, verbrennt ihre blutbefleckte Kleidung sowie das Mobiltelefon ihres Mannes.

Mit dem Urteil folgt die Strafkammer den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die zwei kleinen Kinder des Paares sind in dem Prozess Nebenkläger. Sie leben in einer Pflegefamilie und seien wohlauf, sagt ihr Rechtsanwalt. Von der Tat haben sie nach Feststellung des Gerichtes nichts mitbekommen. Ihre Mutter hatte sie vorher in einen anderen Raum gebracht.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 14:33 Uhr

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