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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Gemeinde macht einen Rückzieher

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Seit Jahren will Malente das von Peinsche Gelände verkaufen. Zwar gibt es einen Interessenten, doch aus dem Geschäft wird nichts

Als „schwieriges Grundstück“ bezeichnete Planer Andreas Nagel einmal das sogenannte von Peinsche Gelände in der Malenter Bahnhofstraße. Umso mehr hätte sich die Gemeinde eigentlich freuen dürfen, dass sie einen Interessenten für das rund 7500 Quadratmeter große, teils verschattete Grundstück an der Hand hatte. Das war schließlich auch Ziel der 2015 abgeschlossenen Überplanung des Grundstücks der ehemaligen Möbelspedition und Kohlenhandlung.

Der Verkauf war schon mehrfach Gegenstand von Ausschusssitzungen, doch nun entschied der Planungsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung, den aus Malente stammenden Interessenten abblitzen zu lassen. „Der Ausschuss hat beschlossen, das von Peinsche Gelände im Moment nicht zu verkaufen“, erklärte Bürgermeister Michael Koch und räumte ein, dass die Gemeinde das Geld gut gebrauchen könnte.

Der gebotene Kaufpreis soll mit 200  000 Euro zwar unter den gutachterlich geschätzten 230  000 Euro liegen, doch das scheint nicht das Problem zu sein. Hintergrund der Entscheidung sind laut Koch zwei Überlegungen. Zum einen gehe es darum, ob und wie die Gemeinde das Grundstück in die städtebauliche Entwicklung integrieren könne, erklärte der Bürgermeister mit Blick auf das bereits angelaufene Modellprojekt zu Entwicklungspotenzialen von Kleinstädten in peripheren Lagen sowie das geplante Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept (Igek). Dieses hofft der Verwaltungschef noch in seiner Amtszeit bis Ende August auf den Weg bringen zu können. Derzeit warte die Gemeinde aber noch auf den Förderbescheid der Aktiv-Region.

Der zweite Grund, den Koch anführt, ist die unsichere Entwicklung der Flüchtlingssituation. Das von Peinsche Gelände solle als „Reservegrundstück“ vorgehalten werden. Derzeit kämen zwar nicht so viele Asylbewerber ins Land, doch: „Wir brauchen eine kurzfristige Lösung, wenn der Flüchtlingsstrom wieder zunimmt.“

Ein Teil der Gebäude hat zuletzt als Unterkunft für Asylbewerber gedient, doch dafür ist es aus Sicht von Koch jetzt nicht mehr geeignet. Deshalb werde sich der nächste Finanzausschuss mit der Frage befassen, ob das Geld für einen Abriss bereitgestellt werden solle, sagte Koch. Dann könne man über bauliche Maßnahmen nachdenken.

Den Vorwurf, die Gemeinde wisse schon länger vom bevorstehenden Igek und dem Modellprojekt zu Kleinstädten, will Koch nicht auf sich sitzen lassen: „Ich habe immer darauf hingewiesen, dass wir auch schauen müssen, wie Malente eine Zukunft hat.“ Dabei gehe es um Wohnbauflächen, aber auch um eine Zukunft für Infrastrukturflächen, die Malente vorhalte.

Doch selbst, wenn die Gemeinde das Grundstück nicht für eine mögliche Eigennutzung zurückhalten würde: Ob das Geschäft zustande gekommen wäre, erscheint zweifelhaft. Denn nach OHA-Informationen wollte die Gemeinde den Verkauf an zahlreiche Bedingungen knüpfen, etwa die Beteiligung an einem möglichen Veräußerungsgewinn, falls der Käufer das Grundstück weiterverkauft. Zu den Bedingungen sollte außerdem nicht nur ein unverzüglicher Abriss der alten Gebäude zählen, sondern auch die Verpflichtung, die neue Wohnbebauung innerhalb von drei Jahren fertigzustellen. Andernfalls wollte sich die Gemeinde einen möglichen Rückkauf der Liegenschaft grundbuchlich absichern lassen. Ob sich ein Käufer darauf einlässt, erscheint zweifelhaft.

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erstellt am 02.Mai.2016 | 18:05 Uhr

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