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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 09:56 Uhr

Gänse schlechte Futterverwerter

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Grünfutterbedarf großer Vogelschwärme schafft Konfliktpotenzial / Eine Gans braucht täglich 300 bis 400 Gramm Trockenmasse

Die zahlenmäßige Zunahme von Gänsearten auf Acker- und Grünland bringen wachsende Schäden durch Fraß von austreibenden Gräsern, Getreide- und Winterrapssaaten, dadurch kommt es zu ernsthaften Konflikten mit der Landwirtschaft. Es sollte daher auch interessant sein, sich einmal mit den physiologischen Abläufen der Verdauung dieser großen Vögel zu beschäftigen, wodurch eventuell verständlich wird, dass vergleichsweise große Mengen gefressen werden müssen.

Nicht jedes gut bewachsene Gebiet in den Salzwiesen außerhalb des Meerdeiches oder auf dem Grünland binnendeichs ist für Gänse gleich gut geeignet. Wissenschaftler messen die Intensität ihrer Beweidung anhand der Dichte der zu zählenden Kotwürstchen.

Von Ringelgänsen zum Beispiel weiß man, dass sie nicht wahllos grüne Pflanzen fressen, sondern zartblättriges Andelgras und Meerstrandwegerich. Es gilt zunächst einmal festzuhalten, dass grüne Pflanzen zu fressen keineswegs die geeignetste Form des Nahrungserwerbes für Vögel ist, denn sie müssten doch eigentlich und grundsätzlich darauf bedacht sein, ihr Körpergewicht bei einem plötzlich notwendig en Start möglichst gering zu halten sowie selbst dabei im Gleichgewicht zu bleiben. Außerdem ist eine pflanzliche Nahrung in der Regel nicht so gehaltvoll wie tierische, da die darin vorhandenen großen Mengen an Zellulose schwer zu verdauen sind. Dies geschieht in einem langwierigen Prozess, der nur mit Hilfe von Mikroorganismen und kleinen Magensteinchen, dem „Grit“, bewältigt werden kann.

Und grundsätzlich gilt: Um von pflanzlichem Futter leben zu können, müssen Lebewesen relativ größere Mengen als von tierischer Nahrung fressen. Man kann also feststellen, dass Gänse schlechte Futterverwerter sind, da sie nur ungefähr 25 Prozent der Energie aus der zellulosehaltigen Nahrung nutzen können.

Der tägliche Äsungsbedarf einer drei Kilo wiegenden Wildgans beträgt 300 bis 400 Gramm Trockenmasse. Zum Vergleich kann eine Rechnung aufgemacht werden: Die tägliche Futteraufnahme einer Milchkuh liegt bei 15 bis 17 Kilogramm Trockenmasse – ohne Zufütterung. Daraus ergibt sich, dass ein Flug von zum Beispiel 1500 Nonnengänsen an der Nordsee dem ungefähren täglichen Futterbedarf von 33 Milchkühen entspricht.

Um die Verdaulichkeit pflanzlicher Nahrung zu erhöhen, hat die Evolution in den Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen mehrere Mägen entwickeln lassen, der Anordnung nach den Pansen, den Netz-, den Blätter- und schließlich den Labmagen. Diese Mägen versetzen diese Säugetiere in einer abgestimmten Reihenfolge in die Lage, in einem lang andauernden, zweiten Kauprozess die Verdaulichkeit der Pflanzen zu erhöhen – zumal Rinder im Oberkiefer nur Mahlzähne und Reibeplatten besitzen und ihre Zunge hilfreich als Greiforgan zu wirken hat.

Eine ganz andere Lösung der Energiegewinnung aus pflanzlicher Nahrung haben Hasen und Kaninchen entwickelt. Neben ihrer täglich abzusetzenden Losung, die fest und von faserigem Aussehen ist, erzeugen alle Hasenartigen und Nager eine weiche und vitaminreiche Blinddarmlosung, die das Tier vom After – in der Sprache der Jäger „Weidloch“ genannt - abnimmt und erneut und dieses Mal unter Ausschaltung des Blinddarmes binnen zehn Stunden verdaut. Solche Losungsstücke sind dann nur noch halb so groß und schwanken zwischen vier und zehn Millimeter.

Versuchstiere, die an der Aufnahme dieser Exkremente gehindert werden, gehen letztendlich ein. Solches Kotfressen wird „Koprophagie“ genannt. Die Verdauung grüner Nahrungspflanzen ist bei den Tieren also sehr differenziert und hoch spezialisiert; Vögel besitzen einen Muskelmagen, dem im Aufschluss der Energie Grenzen gesetzt sind, obwohl die Därme der Pflanzenfresser länger als die der Fleischfresser sind.

Bei Wiederkäuern wandert das Futter während der Gräsung in den Pansen und von dort in den Netzmagen, von wo der Inhalt in Ruhelage des Tieres wieder in die Mundhöhle hochgewürgt und erneut zerkaut wird. Nagetiere haben einen ungewöhnlich langen Blinddarm, dem der Zelluloseaufschluss zukommt.



Infos auf: www.vogelschutzeutin-

badmalente.de

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erstellt am 18.Aug.2016 | 12:59 Uhr

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