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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

„Fußball kann ja jeder“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eishockey: Rund 300 Kinder und Jugendliche bangen um die Eishalle in Timmendorfer Strand – Besuch beim Training der Kleinschüler

Die Eissportler in Timmendorfer Strand bangen um die Zukunft ihrer sportlichen Heimat. In einem Bürgerentscheid sollen die Wahlberechtigten in Timmendorfer Strand wahrscheinlich am 26. Februar entscheiden, ob die Eishalle saniert oder geschlossen werden soll. Eine Schließung würde zugleich das Aus für den einzigen Eishockey-Verein in Schleswig-Holstein bedeuten.

Derzeit unterhält der EHC Timmendorf neun Mannschaften im Spielbetrieb, davon allein sechs im Nachwuchsbereich. Bei einem Aus für die Halle wären knapp 300 Kinder und Jugendliche um ihren Sport gebracht. Hinzu kommen die Laufschule, diverse Hobbyteams und Schulsportler, die für eine nahezu komplette Auslastung der Halle sorgen.

Zu den Betroffenen zählt auch die Kleinschülermannschaft. Gut 20 Kinder trainieren unter der Leitung von Martin Williams, der mit drei weiteren Übungsleitern sowie zwölf Betreuern für einen reibungslosen Ablauf des Trainings- und Spielbetriebes sorgt. Sie bieten dem Eishockeynachwuchs viermal in der Woche die Möglichkeit, ihre läuferischen und spielerischen Fähigkeiten zu verbessern. So hat die Nachwuchsschule in Timmendorf schon mehrere Spieler hervorgebracht, die den Sprung in das Profi-Eishockey geschafft haben. Zu ihnen gehören unter anderem die Saggau-Brüder Patrick und Thorben sowie Dominik Lascheit, der aktuell beim Zweitligisten EC Bad Nauheim unter Vertrag steht und bereits mehrere Einsätze für die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften absolviert hat.

Davon sind die Kleinschüler noch ein ganzes Stück entfernt, träumen aber schon von einer Karriere. Eine von ihnen ist die zwölfjährige Lina Ahrens aus Petersdorf bei Schönwalde. Sie kam schon vor acht Jahren zum Eishockey. „Das ist ein toller Sport, alles andere ist mir zu langweilig. Wenn es hier die Halle nicht mehr gibt, will ich auf das Eishockey-Internat nach Berlin“, sagt sie selbstbewusst. Seit sechs Jahren dabei ist der elfjährige Jan-Hendrik Hayn aus Eutin. „Eishockey macht so viel Spaß, weil es ein schneller Mannschaftssport ist. Wenn ich hier nicht mehr spielen kann, sollen meine Eltern nach Bayern ziehen. Anderer Sport interessiert mich nicht so sehr. Ich habe auch Handball gespielt, aber damit aufgehört“, erzählt er. Umzugspläne hegt auch der 13-Jährige Paul Carsten aus Timmendorf. Er spielt seit sieben Jahren Eishockey. „Fußball kann ja jeder. Wenn hier die Halle zumacht, dann müssen wir halt nach Hamburg ziehen“, sagt der kleine Puckjäger.

Auch die Eltern würden den schnellen Kufensport vermissen. Regelmäßig bringt Andreas Engert seinen elfjährigen Sohn aus Lütjenburg nach Timmendorf. Bei den Engerts liegt Eishockey in der Familie. Neffe Victor hat den Sprung in die Timmendorfer Oberligamannschaft geschafft und ein Cousin spielt bei den Mannheimer Jung-Adlern.

Rund 500 aktive Sportler würden bei einem für sie negativen Ausgang des Bürgerentscheid ihre sportliche Heimat verlieren. Zusammen mit Funktionären und Fans kämpfen sie für den Erhalt der Eishalle am Kurpark. Inzwischen wurde auch eine Online-Petition gestartet, die bundesweit beachtet wird. In Kürze will der Verein eine Informationsveranstaltung für die Bürger organisieren, in der auch über die anstehenden Kosten berichtet wird. Nach Meinung des EHCT ist die Kostenschätzung von knapp sieben Millionen viel zu hoch gegriffen, weil einige unnötige Posten aufgeführt wurden. „Die Kosten lassen sich bei kritischer Untersuchung drastisch senken, zumal die Bausubstanz gut ist“, sagt Martin Williams, einer der Verantwortlichen im Nachwuchsbereich. Er ist zudem davon überzeugt, die notwendigen Stimmen für einen positiven Bürgerentscheid zu bekommen. „Die gesamte Eishockey-Familie kämpft für den Erhalt. Hinzu kommen die Tennisspieler, die auch ihre frisch renovierte Halle verlieren würden. Zusammen mit den Familienangehörigen und vielen Fans schaffen wir das“, ist Williams optimistisch.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 21:40 Uhr

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