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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 21:09 Uhr

„Florian 80-41-03 meldet sich ab“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Freiwillige Feuerwehr Schulendorf ist nach fast 76 Jahren aufgelöst / Drei Nachbarwehren übernehmen den Brandschutz im Ort

Es ist 0 Uhr am 24. September, als die Integrierte Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe noch einmal die Meldeempfänger der Schulendorfer Wehr auslöst. Grund ist kein Einsatz, sondern eine Nachricht: „Alles Gute und vielen Dank für die Einsatzbereitschaft“ steht auf dem Display. Markus Rabe, der die Feuerwehr bis zum Schluss führte, schreitet zum Funkgerät des Tragkraftspritzenfahrzeugs und meldet der Leitstelle: „Florian Ostholstein 80-41-03 meldet sich und die Wache Ostholstein 80-06 aus dem Sprechfunkverkehrskreis ab.“

Damit endet nach 75 Jahren und zehn Monaten die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr in Schulendorf. Den Weg hatten die Mitglieder am 19. Februar dieses Jahres durch einen einstimmigen Beschluss eingeschlagen. Auch eine zweite vorgeschriebene Abstimmung am 23. März endete mit demselben Ergebnis: ein sechsmonatige Countdown begann zu laufen.

Warum ist es so gekommen? „Viele aktive Kameradinnen und Kameraden sind weggezogen oder auf dem Sprung“, sagt Rabe, „so konnten wir die Einsatzbereitschaft nicht mehr gewährleisten.“ Fakt ist, dass die Einwohnerzahl von Schulendorf kleiner wird und die Bewohner altern, während Nachwuchs nicht mehr zu finden ist: „Eine Feuerwehr ist halt kein Verein, der einmal im Jahr seine Prunksitzung abhält, sondern wir haben eine wichtige Aufgabe zu erfüllen und das können wir nicht mehr“, ergänzt Rabe.

Den Tag der „letzten Schicht“ (Rabe) wollten die Schulendorfer ganz in Ruhe angehen. So wurden Mitglieder und Familien eingeladen, um bei einem gemütlichen Grillen über alte Zeiten zu sprechen und die Jahre Revue passieren zu lassen. Dazu hatte Niklas Rabe altes Bild- und Videomaterial zusammengetragen, um daraus ein Video der Feuerwehrgeschichte zu erstellen. Viel Wehmut kam bei den Anwesenden hoch, als man auf der Leinwand an „alte Bekannte“, spannende Einsätze und schöne Momente erinnert wurde. Bürgermeister Volker Owerien bedankte sich in einer kurzen Ansprache für all das Geleistete und hob hervor, dass sich die Schulendorfer Wehr aus eigenen Stücken auflöse: „So eine Entscheidung zeugt von hohem Verantwortungsbewusstsein und ist nicht selbstverständlich“. Gemeindewehrführer Patrick Bönig sprach ebenfalls allen Mitgliedern und Familien Dank aus, „ich bin stolz auf Euch, Ihr habt trotz der gefallenen Entscheidung nicht aufgegeben und seid bei jedem Einsatz, zu dem ihr gerufen wurdet, zur Stelle gewesen. Dafür gebührt euch Dank und Respekt. Chapeau.“

24 Einsätze gab es für die Feuerwehr in diesem Jahr. Diese werden nun von den umliegenden Wehren mit abgedeckt werden. „Niemand muss Sorge haben, dass eine gefährliche Lücke entsteht“, versicherte Bönig, „das Einsatzgebiet der Schulendorfer wurde auf drei umliegende Feuerwehren aufgeteilt, die ab sofort den Brandschutz und die Technische Hilfeleistung sicherstellen.“

Doch auch wenn die Schulendorfer als Feuerwehr nicht mehr gemeinsam Retten, Löschen, Bergen und Schützen, so lebt der Geist in anderen Wehren weiter „der allergrößte Teil der im Dorf verbliebenen Einsatzkräfte wechselt in Feuerwehren in den Nachbarorten und kann da gut unterstützen“, freut sich Markus Rabe, der auch stellvertretender Gemeindewehrführer ist. Auch um die Mitglieder der Ehrenabteilung werde sich gekümmert, versprach Rabe.

Den letzten Funkspruch hatten derweil auch andere Feuerwehren mitgehört und antworteten „Vielen Dank für euren Dienst und alles Gute. Ende mit Feuerwehr Schulendorf.“

„Das ist so ein Ereignis, das man als passionierter Feuerwehrmann nie erleben möchte“, sagen Bönig und Rabe unisono, „aber die Zeiten haben sich geändert und so lange viele Mitbürger das Ehrenamt in Feuerwehren und Hilfsorganisationen als ‚Qual‘ ansehen, werden wir solche Momente in Zukunft häufiger haben.“ Ein trauriger Abend und eine spannende Feuerwehrgeschichte in Schulendorf gingen zu Ende.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 12:29 Uhr

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