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Sport-Test in Eutin : Fit for Frühling: So viel Spaß macht Badminton

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sechs Sportarten abseits des Mainstreams - zwei Redakteure testen den Spaßfaktor mit einer gehörigen Prise Selbstironie.

Das Jahr ist gerade erst zweieinhalb Monate alt und statistisch sind mehr als zwei Drittel der guten Silvester-Vorsätze schon lange über Bord geworfen und vergessen. Allerdings gehen wir strammen Schrittes auf die warme Jahreszeit und damit auf Freiluft-Aktivitäten zu. Wer aber beim Radfahren um den Kellersee nicht kraftlos zusammenbrechen oder beim Schwimmen in der Ostsee sang- und klanglos untergehen möchte, der sollte schon jetzt etwas für seine Fitness tun.

Studien zeigen, dass der entscheidende Erfolgsfaktor für ein selbst gestecktes Ziel vor allem die Freude daran ist. Alles, was nach Verpflichtung riecht, wird zur Last. Die Lösung gegen den Frühjahrs-Schlendrian ist schnell gefunden: Bewegung, die Spaß macht. Aber was bietet der Kreis Ostholstein da an Möglichkeiten? Harald Klipp und Andrea Lange vom Ostholsteiner Anzeiger testen im Selbstversuch unterschiedliche Sportangebote, die ein hohes Spaßpotenzial versprechen. Aber können sie dieses Versprechen halten? Den Auftakt macht heute Andrea Lange mit:

Badminton

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Für den Anfang wähle ich eine Sportart, die mir für Sport-Einsteiger unkompliziert erscheint. Was als Kind im Sommer auf dem Zeltplatz Spaß bereitet hat, kann nicht an Reiz verloren haben: Federball – oder wie es die professionellen Federballspieler nennen: Badminton.

Es ist Mittwochabend und langsam füllt sich die Halle an der Blauen Lehmkuhle mit Spielern zum Badminton-Duell. Hier treffe ich Finn Glomp. Der 27-Jährige hat für die BSG Eutin schon so manchen Titel, darunter den des Deutschen U17-Meisters im gemischten Doppel, nach Hause geholt und kümmert sich heute Abend um mich.

Zum Aufwärmen laufen Finn und ich eine kleine Runde durch die Halle, danach spielen wir uns locker den gefiederten Ball über das Netz zu. Das Gefühl für Schläger und Ball, das ich von den lauen Sommerabenden meiner Kindheit kenne, ist schnell wieder da; genauso wie der Spaß am Spielen. Mal stärker, mal schwächer schlage ich den Ball, werde dabei schnell warm und versuche bald den einen oder anderen Trick – was natürlich aussichtslos ist angesichts des Siebtplatzierten der deutschen Rangliste im Männerdoppel auf der anderen Seite des Netzes. So komme ich – im Gegensatz zu Finn – schnell aus der Puste.

In ein paar kleineren Übungen lerne ich, wie ich beispielsweise den Federball in einer möglichst langen, flachen Linie kurz hinter das Netz lege – für den Gegner ein gemeiner Spielzug, wenn man es richtig anstellt. Ein paar meiner Bälle fliegen nach ein paar Minuten schon richtig gut. Aber auf den Lorbeeren ausruhen, ist nicht drin: In der nächsten Übung wirft mir Finn den Federball kurz über dem Boden mal rechts, mal links zu. In großen Ausfallschritten bemühe ich mich, die flachen Bälle anzunehmen. Schon nach dem fünften Ball spüre ich den Protest meiner Oberschenkelmuskulatur.

Anschließend spielen Finn und ich gegen zwei Herren im Doppel. Im Gegensatz zum Federball-Doppel aus dem Schulunterricht sind die Regeln des Badminton-Vierers deutlich komplizierter. Ich begreife beim besten Willen nicht, wann ein Pass für mich und wann er für Finn bestimmt ist. Also beschränke ich mich darauf, nur zu reagieren, wenn mir unsere Gegner den Ball direkt auf den Kopf zuspielen. Und obwohl der über das Spielfeld hechtende Finn damit den Löwenanteil der Ballwechsel übernimmt, komme ich schnell ins Schwitzen.

Mit dem netten Federball-Geplänkel aus Kindertagen hat das hier nicht mehr viel zu tun. Rechts, links, kurze, lange und angetäuschte Bälle – unsere beiden Gegenspieler lassen mich rennen. Und auch die Schmetterbälle haben es in sich. Technisch kann ich bei Weitem nicht mit meinem Mitspieler mithalten, und was die so genannte „Feldfitness“ angeht, schon gar nicht. Ich japse wie nach einem 400-Meter-Sprint und allmählich will auch mein Arm nicht mehr schmettern, sondern bringt den fünf Gramm schweren Ball nur noch mit größter Anstrengung im hohen Bogen kurz hinter das Netz.

Ich bin froh über das Ende des Spiels und dankbar für die Wasserflasche, die mir mein fotografierender Kollege schließlich reicht.

Mein Fazit

Badminton ist ein flexibles Spiel in Bezug auf die sportlichen Anforderungen: Während Bewegungseinsteiger auf dem Niveau eines sommerlichen Federball-Scharmützels starten können, bietet es für sportlich Ambitionierte ebenfalls ausreichend Möglichkeiten, sich gehörig zu verausgaben. Der Spaßfaktor ist mit ein bisschen Übung hoch, zumal Team- ebenso wie Einzelspieler auf dem Badminton-Feld im Einzel oder Doppel auf ihre Kosten kommen können. Zwei Spieler sind allerdings Minimum, einsame Wölfe haben es bei diesem Sport also schwer.

Der anschließende Muskelkater hatte es in sich: Noch fünf Tage später spürte ich die muskuläre Beanspruchung in meinem Schmetterarm und den Oberschenkeln. Am Anfang sollte man es also lieber etwas ruhiger angehen, wenn man Wert darauf legt, dass das Anheben eines Milchkartons nicht zur Qual wird.

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erstellt am 09.Jan.2017 | 18:12 Uhr

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