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Ostholsteiner Anzeiger

24. Februar 2017 | 13:38 Uhr

Festspiele verkraften kein Risiko

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kuhnert zuversichtlich: Gutbesuchte Opern können Vogelhändler-Einbußen bedingt auffangen / Wetter vermiest erhoffte Erfolgsbilanz

Die gute Nachricht zuerst: Mit aktuell rund 20  000 verkauften Karten verzeichnen die Festspiele zur Halbzeit ein Plus von 1000 Karten im Vergleich zum Vorjahr. „Unser Ziel für dieses Jahr liegt bei 24  700 Karten und ich bin zuversichtlich, das wir dies in den letzten drei Wochen noch schaffen“, sagt Festspiele-Geschäftsführerin Sabine Kuhnert. Aber: Bei acht von zwölf Aufführungen regnete es. „Wir haben in diesem Jahr mehr Regencapes als Festspiel-Hefte verkauft. Leider.“ Und weil sich die Festspiele immer noch in einem Sanierungsjahr befinden und keinerlei Schlechtwetter-Rücklagen haben, entschied sich Kuhnert, eine Vogelhändleraufführung und die „Movie-Night“ abzusagen.

Die beiden Opern „Carmen“ und „Freischütz“ liegen zwar deutlich über den Erwartungen des Festspiele-Teams, so Kuhnert. Doch die Operette „Der Vogelhändler“, die extra für die Besucher der Landesgartenschau als leichte, unterhaltsame Kost geplant war, liege deutlich unter den Erwartungen. Und zwar so weit, dass Kuhnert „aus betriebswirtschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen“ eine Absage der letzten Vorstellung am 12. August beschlossen hat. Die Hälfte der Kartenkäufer habe sich für eine andere Aufführung entschieden, alle anderen bekommen ihr Geld zurück oder Gutscheine.

Der Vogelhändler-Vorverkauf biete kein Vergleich zum vergangenen Jahr. „Von sechs Aufführungen waren drei oder vier ausverkauft. Das musste einfach wieder auf den Spielplan“, sagte Kuhnert gestern zur Halbzeit-Bilanz. Es sei auch eine wirtschaftliche Frage, immerhin war das Bühnenbild fertig, das Ensemble bis auf wenige Ausnahmen verfügbar, „fast ein Selbstläufer“, wie Intendantin Dominique Caron zu Saisonbeginn sagte. Doch die Erwartungen im Jahr der Landesgartenschau (LGS), auch wenn sie offiziell nie hoch waren, wurden bisher nicht erfüllt.

Kuhnert ist vorsichtig mit einem Gesamturteil: „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht professionell.“ Dass es ein logistisch schwieriges Jahr für die Festspiele werden würde, sei allen Beteiligten bewusst gewesen. Die Zusammenarbeit mit der LGS laufe an vielen Punkten mittlerweile gut, so Kuhnert. Aber es koste auch eine zusätzliche Stelle, um all die Fragen der Festspiele-Besucher zu beantworten, die die LGS mit sich bringe. „Wie komme ich auch ohne LGS-Ticket wo rein? Wo wieder raus? Und wo ist die Abendkasse? Oder: Warum sind die Toiletten so weit weg?“, nennt Kuhnert Beispiele von Gästen und Interessierten. Eigens für dieses Jahr wurde sogar ein Beschwerdemanagement eingerichtet: „Doch was da ankommt, ist alles im Bereich des Normalen dafür, dass nebenan eine Großveranstaltung auf dem Gelände stattfindet“, sagte Kuhnert. Ob all das insgesamt dazu führt, dass interessierte Besucher gehobeneren Alters den Besuch eher nicht wagen, mag Kuhnert nicht beantworten: „Das kann ich nicht messen. Aber ich setze auf eine langfristige Wirkung. Zahlreiche Gäste der LGS kommen in die Opernscheune und erkundigen sich. Wir haben 30  000 bis 40  000 Flyer mehr verteilt als 2015.“

Generell sei das Feedback zu den Veranstaltungen grundsätzlich „positiv und wirklich gut“. „Unser Produkt stimmt, das kriegen wir als Rückmeldung immer wieder zu hören. Aber wir sind ein Unternehmen und wenn unser Angebot nicht in dem Rahmen angenommen wird, wie wir es erwarten, dann ist das nur sinnvoll, das Angebot wieder vom Markt zu nehmen“, sagt Kuhnert und schiebt hinterher: „Wir können uns einfach kein Risiko erlauben. Wir sind immer noch im Sanierungsjahr und schieben zu viele Altlasten vor uns her.“

Deshalb verkündete die Geschäftsführerin gestern auch, was beim Online-Ticket-Handel Eventim schon sichtbar war: Die Absage der geplanten Abschlussveranstaltung „Movie-Night“. Kuhnert: „Unser Vorverkauf stagnierte bei 100 Karten, als bekannt wurde, dass Stummfilme am Strand kostenlos gezeigt werden.“ Das Geld für die gekauften Karten werde erstattet.

Eine andere Abschlussveranstaltung sei nicht geplant – „wir verabschieden uns mit einer tollen ‚Carmen‘ am 13. August“, kündigte Kuhnert an.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 00:51 Uhr

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