zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Feine Figuren mit grobem Gerät

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Malenter Heiko Wussow gestaltet unter dem Motto „Kunst mit der Kettensäge“ Tierskulpturen – Eulen sind seine Spezialität

Späne wirbeln durch die Luft, bald fällt hier, bald da ein Holzstück zu Boden, und die Spitze des Sägeblatts fräst in Windeseile die charakteristischen, großen Augen in den Stamm. Schnell ist zu erkennen, welche Tierfigur hier gerade entsteht. „Die Eule ist da schon drin, die will nur raus“, hatte Heiko Wussow gerade eben noch gescherzt. Jetzt ist klar, der Mann, der die Kettensäge so kunstvoll am Baumstamm wirbeln lässt, hatte recht. Die Eule muss schon vorher da gewesen sein – ganz gewiss in der Fantasie des 58-Jährigen.

Der Malenter, der sein Geld seit einigen Jahren im Holzhandel verdient und seit Jahrzehnten als Tanzlehrer arbeitet, hat künstlerisches Talent, das ist klar. Doch er sagt: „Mit einfachen Hilfslinien kann das jeder. Das hat nichts mit Talent zu tun.“ Als er seine Kunst vor einem Malenter Café vorführte, gehörte Tanja Rönck zu den Zuschauern. „Ich wollte da mal zugucken“, berichtet die Malenterin. Selbst zur Säge zu greifen, wäre ihr wohl im Traum nicht eingefallen. Doch dann erklärte Wussow ihr: „Das können Sie auch.“

Vor mehr als zehn Jahren hat Tanja Rönck mal einen Motorsägenkursus absolviert. Seitdem hatte sie höchstens mal die Elektrosäge in der Hand. Bis heute. Da sägt sie sich unter Wussows Anleitung ihre eigene Eule zurecht. Der Baumstamm, den sie bearbeitet, hat rund 20 Zentimeter Durchmesser und ist 70 Zentimeter hoch. Daraus soll eine Schreibtischeule werden. Wussow macht vor, wie es geht, dann greift die 46-Jährige zur Säge. Sie ist zwar nicht so schnell wie Wussow, doch es klappt. Langsam werden die Grundzüge der Eule sichtbar.

In diesem Fall handelt es sich um den Stamm eines Mammutbaums. Der sei auch in heimischen Forsten oft vertreten, versichert Wussow. Mit Blick auf möglichst geringe Rissbildung gut geeignet seien aber auch Douglasie, Lärche oder Eiche. Unbrauchbar seien Hölzer, die sich gut spalten ließen, wie Buche oder Esche.

Das Arbeitsgerät unterscheidet sich kaum von einer herkömmlichen Kettensäge. Es ist das kleinste Modell eines weltbekannten schwäbischen Unternehmens. Besonders sind nur die Kette mit 50 Prozent zusätzlichen Zähnen und das Carving-Sägeblatt. Es ist an der Spitze außergewöhnlich schmal, womit die filigrane Schnitzerei („Carving“) leichter fällt.

Im Internet firmiert Wussow als Eulensäger. Doch auch Adler, Wildschweine und Eisvögel hat er schon erschaffen. Seine Kunst ist etwa im Malenter Holm oder in der Umgebung des Wildgeheges zu sehen. Anfangs sägte Wussow einfach mal so eine Eule oder einen Pilz zurecht. Was als Spaß begann, hat sich mittlerweile zur Passion entwickeln. Mehr als hundert Holzskulpturen hat der Künstler bereits erschaffen und verkauft. Trotz seiner Schnelligkeit produziert er nicht wie am Fließband: „Jede Eule sieht anders aus – die eine ist knuffiger, die andere realistischer“, sagt er und deutet dabei auf zwei Skulpturen, die er mitgebracht hat.

Wussow malt auch gern. Doch anders als ein Maler, der sein Bild immer wieder übermalen und damit korrigieren könne, habe er beim Sägen nur einen Versuch. „Der Kopf ist das A und O“, erklärt er. „Wenn der einen schon im Rohzustand nicht anspricht: Schneid in ab.“

In Zukunft will Wussow sich neben Eulen verstärkt anderen Tieren widmen. Um sie möglichst realistisch abzubilden, hat er jüngst kräftig investiert. Für 150 Euro kaufte er einen ganzen Berg kleiner Tier-Figuren. Momentan arbeitet er an einer Bärenfamilie.

>  Am Sonntag, 18. September, demonstriert Heiko Wussow (Telefon 0172/ 4518987) sein Können auf der Landesgartenschau in Eutin, die nächsten Schnitzkurse finden am 11. und 18. Juni statt. Informationen gibt es im Internet unter www.eulensäger.de.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 13:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen