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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 06:07 Uhr

Kreis Ostholstein : Familiendrama in Kabelhorst: Ehefrau fürchtete Voodoo-Zauber

vom

Die 43-Jährige setzte selbst den Notruf ab. Ihr Mann sei von Einbrechern getötet worden. Doch das war wohl eine Lüge.

Lübeck/Kabelhorst | Mit einem Geständnis der Angeklagten hat am Dienstag in Lübeck der Prozess um ein Familiendrama in Kabelhorst (Kreis Ostholstein) begonnen. Sie habe ihren Ehemann mit 14 Messerstichen getötet, weil dieser sie seit Jahren gedemütigt und erniedrigt habe, hieß es in einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung.

Der Mord in Kabelhorst sorgte landesweit für Schlagzeilen. Die Frau hatte erst angegeben, Unbekannte seien in ihr Haus eingedrungen. Doch dann geriet sie selbst in den Fokus der Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 43-Jährigen Mord aus Heimtücke vor. Sie soll ihren Mann im Oktober 2015 im Schlaf erstochen haben. Polizei und Rettungskräfte hatten das 58 Jahre alte Opfer am 22. Oktober mit klaffenden Wunden an Kopf und Bauch in einer Blutlache liegend gefunden. „Türen und Fenster waren unbeschädigt“, sagte ein Polizeibeamter als Zeuge aus. Die Frau habe angegeben, in der Nacht seien zwei Männer in das Schlafzimmer eingedrungen, hätten ihr befohlen, sich die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und ihren Mann getötet. „Meine Mandantin will Verantwortung für die Tat übernehmen, die sie eigentlich nie begehen wollte“, sagte Verteidiger Stephan Tripmaker.

Doch die 2010 geschlossene Ehe sei völlig zerrüttet gewesen, der Mann habe sie ständig mit anderen Frauen betrogen. Für den dritten Verhandlungstag am 4. Mai kündigte er ein umfassendes persönliches Geständnis der Angeklagten an.

Das Ehepaar hatte 2010 in Kamerun, dem Heimatland der Frau, geheiratet. Ein Jahr später zogen sie nach Kabelhorst, wo der Mann bereits vor der Eheschließung ein Haus gekauft hatte. Auch er stammte aus Afrika, lebte aber schon seit längerer Zeit in Deutschland und arbeitete in einem Hotel im Ostseebad Grömitz. „Er sagte, wenn er mit der Renovierung fertig ist, fährt er nach Kamerun und sucht sich eine Frau“, sagte eine Nachbarin des Paares am Dienstag vor Gericht. 2011 und 2013 wurden die beiden Kinder des Paares geboren. „Wir hatten den Eindruck, dass sie eine glückliche Ehe führten“, sagte die Zeugin.

In Wahrheit jedoch habe der 58-Jährige wie ein Patriarch regiert und seine Frau mit willkürlichen Verboten schikaniert, sagte der Verteidiger. Seine Mandantin habe auch berichtet, dass ihr Mann Hexerei und Voodoo-Zauber praktiziert habe, sagte er. Die Angeklagte habe keinen anderen Weg gesehen, um ihr Martyrium zu beenden.

Der Prozess wird am 29. April fortgesetzt. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft. Die beiden kleinen Söhne des Paares leben seitdem bei Pflegeeltern. Zum Prozess hat das Gericht bislang 24 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Ein Urteil wird Mitte Juli erwartet.

Ein Rückblick auf die Ereignisse aus dem Herbst 2015:

22. Oktober

Ein Familienvater liegt am Donnerstagmorgen tot in seinem Haus. Die Obduktion ergibt, dass das Opfer aufgrund multipler Stichverletzungen verblutet ist. Später berichtet eine Nachbarin: „Um 6.30 Uhr klingelte seine Ehefrau bei mir, schrie und weinte.“. Immer wieder habe sie gerufen: „Mein Mann ist tot, mein Mann ist tot!“ Und aus dem rot geklinkerten Haus des Paares sei zu hören gewesen, wie die beiden Söhne, drei und fünf Jahre alt, nach Mama und Papa schrien. Die Nachbarin bricht bei der Erinnerung daran in Tränen aus. „Bevor ich den Notruf wählen konnte, kam auch schon der Rettungswagen.“ Nach Polizeiangaben rief die Ehefrau die Rettungskräfte. Sie wird zunächst mit einem schweren Schock ins Krankenhaus nach Oldenburg gebracht und behandelt.

In Kabelhorst ist die Erschütterung an jeder Ecke spürbar. Der Getötete war bei allen beliebt. Als Jean Claude T. (58) vor ein paar Jahren aus Afrika kam und das Häuschen in Kabelhorst kaufte, haben die Menschen in der ostholsteinischen Provinz den dunkelhäutigen Mann sofort ins Herz geschlossen. Das Opfer stammt aus dem westafrikanischen Benin, war aber deutscher Staatsbürger. Er arbeitete in der Küche des Gosch-Hotels im nahen Grömitz. Von 9 bis 22.30 Uhr, wie die Kabelhorster erzählen.

23. Oktober

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod des Familienvaters gibt es erste Tatverdächtige. Es sei aber noch niemand festgenommen worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck, Ulla Hingst. Nähere Angaben machte sie nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Sie betonte: „Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat liegen nicht vor.“

27. Oktober

Fünf Tage nach dem Mord erlässt das Amtsgericht Lübeck Haftbefehl gegen die Ehefrau. Sie stehe in dringendem Verdacht, ihren Ehemann im Schlaf erstochen zu haben, sagt der Pressesprecher der Lübecker StaatsanwaltschaftRalf-Peter Anders. Das ergebe sich unter anderem aus den Spuren am Tatort. Angaben zu einem möglichen Tatmotiv macht er nicht.

„Auffällig war unter anderem, dass es keinerlei Einbruchspuren am Haus gab“, sagte Anders. Auch die widersprüchlichen Aussagen der Frau hätten den Verdacht bestärkt, dass sie ihren Mann getötet habe. „Die Tatsache, dass das Opfer im Schlaf erstochen wurde, erfüllt den Tatbestand der Heimtücke. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes beantragt.“

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erstellt am 26.Apr.2016 | 16:28 Uhr

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