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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 03:16 Uhr

Eutins Händler wollen große Sanierung stoppen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Finden sie politisch kein Gehör, wollen die Kaufleute den Stopp per Bürgerbegehren erreichen

Gut 90 Prozent der anwesenden Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung (WVE) stehen hinter dem Wunsch ihres Vorstandes: „Wir fordern einen Stopp aller Planungs- und Ausschreibungsmaßnahmen der Stadtsanierung bis wir wirklich wissen, was wo notwendig ist.“ Das machte die Mehrheit der gut 85 Anwesenden bei der WVE-
Infoveranstaltung im Brauhaus Dienstagabend per Handzeichen deutlich.

Für neuen Wind in der Diskussion um die bevorstehende Sanierung in der Peterstraße hatte die Aussage des Stadtwerke-Chefs Marc Mißling gesorgt, der sagte, er müsse gar nicht an die Rohre und Leitungen in der Tiefe der Straße (wir berichteten). „Bisher hat man uns immer gesagt, wir reißen das auf, weil die Stadtwerke an ihre Leitungen müssen. Das sind doch jetzt völlig neue Erkenntnisse, an denen man nicht einfach wie vorher vorbeiplanen kann“, sagte Thomas Menke vom Vorstand.

Die anschließende Diskussion war emotional, viele Händler befürchten eine Großbaustelle direkt vor ihrer Haustür nicht zu überleben. „Noch so ein Jahr wie das zur Landesgartenschau und ich brauch’ den Laden gar nicht mehr aufschließen“, sagte Volker Rätzke vom Rumparadies. Brauhaus-Chef Marcus Gutzeit: „Ich hab’ Angst, das uns die Gäste wegbleiben, wir Mitarbeiter entlassen und am Ende dicht machen müssen. Dann sind wir saniert, aber für wen?“

Viele Geschäftsleute bezifferten ihre Verluste gegenüber dem WVE-Vorstand im Jahr der Landesgartenschau und der Bauphase auf zehn bis 20 Prozent. Auch eine Stadtsanierung geschehe nicht ohne Verluste. Aus Bad Schwartau wusste Helge Nickel zu berichten, dass die Einbußen dort von den Geschäftsleuten teilweise höher als 60 Prozent liegen, „aber das sind Filialisten. Ich möchte bezweifeln, das ein Einzelhändler aus Eutin, selbst wenn er im eigenen Gebäude sitzt, überhaupt 30 Prozent Umsatzeinbrüche überlebt“, so Nickel. Der Organisator von Blues- und Stadtfest veranschaulichte außerdem: „Ich darf beim Bluesfest nicht lauter als 85 Dezibel sein, ein Presslufthammer hat 110, eine Schaufensterscheibe dämpft lediglich rund 15 db ab. Das heißt, sie haben noch etwas bei Klausberger davon, wenn am oberen Ende der Peterstraße gearbeitet wird.“

Die Befürchtungen der Händler, Sanierung geht trotz gutem Baustellenmarketing nicht ohne Verluste, bestärkte Uwe Mantik von der Cima, dem Kompetenzzentrum für Stadtentwicklung: „Wichtig ist aber, dass Sie gemeinsam für die Sache eintreten und nicht gegeneinander arbeiten.“

Thomas Menke und Marcus Gutzeit vom WVE-Vorstand kündigten nach der Sitzung an, dass sie Dialoge mit allen Parteien suchen werden, hat das kein Erfolg, würde Plan B – ein Bürgerbegehren – verfolgt. Seite 3

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erstellt am 24.Nov.2016 | 00:25 Uhr

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