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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Eutiner Schützen leben Traditionen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Scheidender Bürgermeister hält gerührte Rede bei der Gildetafel der Schützen vor 120 Gästen / Herzog Christian von Oldenburg zu Gast

„Jetzt kommt der Herzog“, sagt Torsten Wetendorf, der gestern Mittag als noch amtierender Schützenkönig den Protektoren der Eutiner Schützengilde, Christian Herzog von Oldenburg, per Handschlag auf dem Vogelberg zur Gildetafel begrüßen durfte. „Es gibt kein lebendes Gildemitglied, das sich daran noch erinnern kann, dass der Herzog unsere Einladung angenommen hat. Das letzte Mal muss mindestens 46 Jahre her sein“, sagt Heiko Godow, wortführender Vorsteher. Die Fahne des Herzogs wurde als Zeichen seiner Anwesenheit auf dem Platz gehisst.

Rund 120 Teilnehmer waren zur traditionellen Gildetafel der ältesten Bürgergemeinschaft Eutins gekommen. Zwischen den Schützenbrüdern saßen Vertreter aus Politik, Kultur und Kirche der Stadt Eutin sowie des Kreises, der Kreisjägerschaft, Bundeswehr, Eutiner Polizei und den verschiedenen Feuerwehren der Stadt. Sie alle wurden nicht nur bei der Ankunft auf dem Vogelberg persönlich, sondern im Saal auch namentlich begrüßt – „ein Mindestmaß an gelebter Höflichkeit und Tradition“, wie Godow sagt. Gelebte Traditionen, das war auch das Stichwort, das sich durch alle Redebeiträge zog. Wie schaffen es die Eutiner Schützen, Traditionen zu wahren? Heiko Godow formulierte es wie folgt: „Wie soll man wissen, wohin man möchte, wenn man nicht weiß, woher man kommt?“ Mit den Traditionen sei es wie mit einer Laterne: „Der Dumme hält sich daran fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg. Besonders in der heutigen Zeit suchen die Menschen Orientierung.“ Kreispräsident Ulrich Rüder schlug in die gleiche Kerbe: „Ich bin überzeugt davon, dass die Wahrung von Heimatverbundenheit und Traditionsbewusstsein angesichts der heutigen, schnelllebigen Zeit ohnehin eine bedeutende Rolle in der Zukunft spielen wird.“ Er lobte die neuen Wege, die die Schützengilde aus seiner Sicht mit dem modernen Internetauftritt beschreite. Noch-Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz war sichtlich angefasst, als er zum letzten Grußwort seiner Amtszeit ansetzte – es glich einer persönlichen Danksagung: Als er sein Amt vor 14 Jahren angetreten habe, sei er dankbar gewesen, passives Mitglied in der Gilde zu werden. „Ich wurde als neuer mit offenen Armen empfangen. Diesen Schritt habe ich nie bereut.“ Applaus der Bruderschaft.

Ja, er sei über sein dienstliches Ende traurig, „denn ich habe nicht nur einen Job erfüllt, sondern ich habe mein Liebe und meine Kraft für die Stadt und ihre Menschen gegeben.“ Er gebe die Nachfolge gern in junge Hände und gehe deshalb auch gern – „so werden meine Hände wieder frei für Familie und Freunde und wer weiß, was noch so dazu kommt“, sagt Schulz sichtlich gerührt.

Zum Abschied bekommt er neben dem extra für ihn gefertigten Holzvogel mit allen 21 Bürgermeistern seit Gildegründung gravierte Gläser und „seinen“ Rotwein. Die Rührung überspielt er charmant mit der Frage an den anwesenden Hauptausschussvorsitzenden Matthias Rachfahl: „Wie ist das mit Annahme von Geschenken?“ Zwischen den Grußworten gab es vier Gänge vom Gilde-Wirt Werner Japp – alle in Anlehnung an die Gilderolle von 1725 – „aber das Fleisch ist frisch“. Dieser Einwurf von Godow ist nur ein Beispiel für den Spaß, der trotz Tradition gestern nicht zu kurz kam. „So schön wie es ist, die Gildetafel ist mit das anstrengendste vom ganzen Fest. Da freut man sich, wenn man sich wieder bewegen darf und es mit dem Schießen weitergeht“, sagt ein Gildebruder augenzwinkernd.



Wer die historische Gildeküche erleben will: Das Showkochen der Schützen findet auf der LGS am 30. Juli neben der Orangerie statt.

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von
erstellt am 12.Jul.2016 | 00:25 Uhr

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