zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Eutiner Polizeischule: Chef muss nach Ratzeburg

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Opposition zweifelt an Studts Begründung der „regelmäßig stattfindenden Rotation“ / Wechsel ab September

Erst der Skandal um die Entlassung eines Polizeianwärters, dann der überraschende Wechsel an der Spitze der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD  AFB) in Eutin: Behördenleiter Jürgen Funk (56, Foto) wird nach Auskunft des Landespolizeiamtes ab September nach Ratzeburg versetzt. Seinen bisherigen Posten übernimmt Michael Wilksen (55), bisheriger Leiter der Ratzeburger Polizeidirektion.

„Es ist bedauerlich, dass so ein kompetenter Ausbilder geht“, sagt Ostholsteins Landtagsabgeordnete Regina Poersch (SPD). Letztlich sei es aber eine Entscheidung der Polizeiführung gewesen. In sozialen Netzwerken vermuten unterdes nicht nur Oppositionspolitiker einen direkten Zusammenhang mit dem Sexismus- und Rassismusskandal an Funks Polizeischule. Landespolizeiamt und Innenministerium erklären den überraschenden Personaltausch an der Spitze der Direktionen mit „regelmäßig stattfindender Rotation“. Doch für Axel Bernstein, polizeipolitischer Sprecher der CDU, ist das an den Haaren herbeigezogen. Es sei ein unwürdiger Umgang mit dem Behördenleiter erst den Spatenstich für die Einsatztrainingshalle zu feiern und ihn zwei Tage später abzulösen.

Selbst innerhalb der Polizei gibt es massive Zweifel an der offiziellen Sprachregelung – zu offensichtlich sind die Anzeichen für einen unfreiwilligen Abgang. So war Wilksens gerade mal ein Jahr in Ratzeburg und Funk soll seine Abteilungsleiter mit „zitternden Händen“ und „brüchiger Stimme“ über seine Versetzung informiert haben – von der er selbst erst wenige Stunden zuvor bei einem Behördenleitertreffen erfahren hatte. „Uns alle hat das kalt erwischt“, berichtet einer der Anwesenden.

Erst am Dienstag hat Funk in seiner Rede von seinen Visionen am Standort Eutin gesprochen. Der Leitender Polizeidirektor ist seit 2011 Chef der PD  AFB.

Rotationen, so Insider, kommen eigentlich nur vor, wenn eine Lücke durch Pensionierungen entsteht, wie in Lübeck Anfang des Jahres. Zwar sei Funk damals auch gefragt worden, doch er habe noch zu viel in Eutin vorgehabt und abgelehnt.

„Minister Studt sollte die Polizei und die Öffentlichkeit jetzt nicht auch noch beschwindeln. Die Ablösung des Chefs der Polizeischule Eutin mit ‚regelmäßiger Rotation‘ zu begründen, wird das Vertrauen der Polizei gegenüber dem Innenminister restlos zerstören“, kritisiert Ekkehard Klug, innenpolitischer Sprecher der FDP.

Funk kam als Experte für Ausbildung direkt von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster nach Eutin. „Er kannte sich auf seinem Gebiet richtig gut aus“, sagt ein Weggefährte, der ihn als guten Chef beschreibt und hofft, „dass er jetzt nach dem ganzen Trubel erst einmal zur Ruhe kommt“. Vor einigen Wochen schon hat Stabsleiter Michael Kock die Polizeischule verlassen. Er wurde Dekan der Fachhochschule Altenholz.


zur Startseite

von
erstellt am 30.Jul.2016 | 00:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen