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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 03:36 Uhr

Eutin auf dem Weg zur Radler-Stadt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Planungsbüros präsentierten bei einem Bürgerforum ihren Entwurf für einen fahrradfreundlichen Ort und sammelten weitere Ideen

Es war ein Bild mit Symbolwert. Vor dem Bauamt standen am Montagabend, reichlich wackelig, etliche Fahrräder. Ein Mann versuchte vergeblich, einen sicheren Stand für sein Rad zu finden, entnervt suchte er einen anderen Stellplatz. Das zeigte schon, dass in Eutin vieles nicht auf das Verkehrsmittel Fahrrad ausgelegt ist. Doch das soll jetzt besser werden. Denn im Bauamt stellten zwei Planungsbüros beim Bürgerforum Radverkehr knapp 40 Teilnehmern ihren Entwurf für ein Radverkehrskonzept vor. Zugleich holten sie Meinungen und Vorschläge ein.

Stefan Luft vom Lübecker Planungsbüro Urbanus und Edzard Hildebrandt von der Planungsgemeinschaft Verkehr in Hannover konzentrierte sich vor allem auf die City. „Wenn wir den Innenstadtbereich nicht aufwerten, nützt es auch nichts in den Randbereichen“, begründete Luft dieses Vorgehen. Der Radler müsse sich sicher bewegen können, forderte der Planer. Zugleich sei es gerade in der City am schwierigsten, Ansprüche von Fußgängern, ÖPNV und Autofahrern mit denen der Radler in Einklang zu bringen.

Für ein Karree, das von Elisabethstraße, Plöner Straße, Jungfernstieg und Weidestraße begrenzt wird, schlagen die Planer Tempo 30 vor. Für den Straßenzug Lübecker Straße, Stolbergstraße und Schloßstraße können sie sich auch Tempo 20 vorstellen. Zugleich sollen hier Radeln in beide Richtungen erlaubt, das Parken neu geordnet und der Fahrbahnbelag erneuert werden.

Für den Straßenzug Albert-Mahlstedtstraße bis Lübsche Koppel sieht das Konzept eine Fahrradstraße vor, die auch für den motorisierten Verkehr freigegeben werden soll. Für die Kreuzung Al-bert-Mahlstedt-Straße und Opernring/Heinrich-Westphal-Straße könnte ein Kreisverkehr eingerichtet werden, wie auch am Voßplatz. Andere Kreuzungsbereiche, etwa in der Plöner Straße oder vor dem Kreishaus am Jungfernstieg sollen fußgänger- und fahrradfreundlich umgestaltet werden, etwa durch Aufstellbereiche für Radfahrer vor der Kreuzung und angepasste Ampelphasen. Fahrradpiktogramme auf den Fahrbahnen sollen dem Radverkehr zusätzlich Respekt verschaffen. Für die Weidestraße schwebt den Planern eine Fahrbahnsanierung vor oder ein Umbau zur Mischfläche, außerdem befürworten sie einen Ausbau des Katerstiegs.

Außerhalb des Innenstadtbereichs arbeiten die Planer viel mit Schutzstreifen, beispielsweise in Elisabethstraße, Bürgermeister-Steenbock-Straße, Lübecker Straße und Plöner Straße. Für den Hochkamp können sie sich eine Fahrradstraße vorstellen, zudem soll der Lange Königsberg für Radler in beide Richtungen geöffnet werden. In der Riemannstraße soll das Parken neu geordnet werden.

Grundsätzlich wollen die Planer Fahrradfahrer nach Möglichkeit auf die Straße schicken. Das sei schon heute sicher, entgegnete Stefan Luft auf den Hinweis der Bauausschussvorsitzenden Monika Obieray, dass dies bei vielen Radlern „großes Unverständnis“ hervorrufe.

Das Radverkehrskonzept stellte Edzard Hildebrandt zu Beginn der Versammlung im Schnelldurchgang vor, so dass manch einer kaum mitkam. Doch die Eile hatte einen Grund. Denn die Meinung der Teilnehmer war gefragt: In vier Gruppen (Gesamtstadt, Hauptverkehrsstraßen, Innenstadt, Service & Marketing) diskutierten sie die Vorschläge der Planer und ergänzten sie um eigene Ideen.

Vieles stieß auf positive Resonanz, manches wurde ergänzt: etwa für die Riemannstraße Tempo 30 und die Abschaffung der Fahrbahneinengungen, da sie Autofahrer zum Beschleunigen verleiteten. Für die Sielbecker Landstraße wurde gefordert, dass Radfahrer dort künftig wieder den Fußweg mitnutzen dürfen und nicht auf der Straße fahren müssen. Geprüft werden soll, ob der Autoverkehr nicht so weit wie möglich aus der Weidestraße herausgehalten werden könnte. Hochwertige Fahrradständer gehörten ebenso zu den Stichworten wie die Einrichtung eines Fahrradbeauftragten, möglicherweise als Stelle im Bundesfreiwilligendienst. Grundsätzlich sahen die Teilnehmer es als wichtig an, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten und die Fahrbahnbeläge fahrradfreundlich zu gestalten.

Stefan Luft zeigte sich von der „sehr engagierten Mitarbeit“ angetan. „Ich denke, wir sind ein Stück vorangekommen“, sagte er angesichts einer Vielzahl von Vorschlägen. Im Herbst wollen die Planer das Radverkehrskonzept der Stadt vorlegen. Dann werde das Konzept im Mobilitätsbeirat diskutiert, ergänzte Bauamtsleiter Bernd Rubelt. Anschließend solle es der Stadtentwicklungsausschuss beschließen. Rubelt ließ keinen Zweifel daran, dass ein Konzept dann auch als Leitlinie für die Stadtverwaltung gelten werde.

Klar ist, dass ein Radverkehrskonzept nur schrittweise wird umgesetzt werden können. Edzard Hildebrandt hält einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren für realistisch. Doch nicht alles sollte so lange auf sich warten lassen, betonte Stefan Luft. „Man muss was sehen können – zeitnah“. Das sei immer wichtig.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 13:51 Uhr

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