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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2016 | 09:04 Uhr

Es gibt keine schnelle Lösung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

... und auch keine billige: Neubau der Schwentinebrücke am „Intermar“ wird wohl über 300 000 Euro kosten / keine Behelfsbrücke

Wenn etwas mehr als 40 Jahre ohne Probleme funktioniert hat, bedeutet das im Lichte heutiger Vorschriften noch lange nicht, dass es auch für Zukunft so gemacht werden kann. Das mussten gestern Nachmittag bei der Sitzung des Planungsausschusses all diejenigen akzeptieren, die das marode Brückenbauwerk, das am ehemaligen Intermar-Hotel über die Schwentine führt, am liebsten kostengünstig durch ein ähnlich konstruiertes Bauwerk ersetzen würden.

Und die Sitzung brachte eine weitere Erkenntnis: Die Vorschriften erlauben es auch nicht, auf die Schnelle eine Behelfsbrücke zu bauen, damit Fußgängern, Rollstuhl- oder Radfahrern während der bevorstehenden Tourismussaison der Umweg um das Intermar herum erspart bleibt, wenn sie von der Hindenburgallee zur Diekseebucht gelangen wollen.

Warum das so ist, begründete Bauamtsmitarbeiter Karl-Heinz Spindler auf Nachfrage von CDU-Fraktionschef Hans-Werner Salomon. Selbst für eine knapp 23  000 Euro teure Behelfsbrücke, wie sie der Malenter Klemens Jost vorgeschlagen hatte, müssten eine wasserrechtliche Genehmigung und die Zustimmung des Wasser- und Bodenverbands eingeholt, außerdem ein Bauantrag gestellt und eine Prüfstatik erstellt und auch noch Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern geführt werden. Bis das alles erledigt sei, vergingen mindestens zwei Monate, erklärte Spindler. „Eine Notlösung dauert damit genauso lange, als wenn wir eine richtige Lösung auf den Weg bringen“, folgerte Salomon aus den Ausführungen Spindlers.

Bei der „richtigen Lösung“ wollen die Mitglieder des Planungsausschusses jetzt aber möglichst schnell Nägel mit Köpfen machen. Sie beabsichtigen, bei der nächsten Sitzung des Gremiums am 17. Mai über den Brückenneubau zu entscheiden und beauftragten die Verwaltung, alle dafür nötigen Informationen bereitzustellen. In einem Punkt wurde bereits entschieden: Es ist nicht erforderlich, dass Rettungsfahrzeuge die neue Brücke passieren können. Es reicht eine Fußgängerbrücke – dem stimmten alle Fraktionen zu.

Zuvor hatten Landschaftsplaner Arne Siller, der vor gut zehn Jahren die Sanierung der Diekseepromenade geplant hatte, und Statiker Dennis Mowwe vom Ingenieurbüro Mohn aus Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) den maroden Zustand der alten, knapp 22 Meter langen Brücke und ihrer Fundamente sowie erste Planungen für einen Neubau erläutert. 388  000 Euro hätte der Bau einer 3,60 Meter breiten, befahrbaren Brücke gekostet, eine drei Meter breite Fußgängerbrücke käme auf 333  000 Euro. Aus Haltbarkeitsgründen setzen die Experten dabei auf Stahl statt aus Holz.

Zum Streitpunkt entwickelte sich die Frage, ob es notwendig sei, die Fundamente zu erneuern. Denn ein großer Teil der Kosten entstehe durch das rund 16 Meter tiefe Einrammen von Pfählen in den weichen Untergrund, machte Mowwe deutlich. Ausschussmitglied Jan Krützfeldt (FWM), selbst Statiker, zog in Zweifel, dass es überhaupt notwendig sei, neue Fundamente zu schaffen. „Man sollte nicht an den Fundamenten sparen“, mahnte dagegen Siller. Das sah Krützfeldt anders. „Die alte Brücke hat aber 40 Jahre gehalten“, hielt er trotzig dagegen. Und schließlich sei die Konstruktion nicht nennenswert abgesackt. Siller bezweifelte allerdings, dass sich eine Firma angesichts der nötigen Gewährleistung auf ein solches Wagnis einlassen werde.

Als David Kardell (Grüne), selbst Architekt, seinen Unmut über diese Art der Diskussion ausdrückte, setzte Bürgermeister Michael Koch einen Schlusspunkt unter den Streit: „Verwaltung und Planer gehen davon aus, dass eine Brücke nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt wird“, stellte er unmissverständlich klar. Dann gebe es auch keine haftungsrechtlichen Probleme.

Eine Ausschreibung für das neue Brückenbauwerk kann aus haushaltstechnischen Gründen wohl frühestens im Juli erfolgen. Spätestens im Frühjahr 2017 muss die Brücke aber fertig sein, machte Spindler deutlich. Denn dann sei mit dem Neubau der Schwentinebrücke in der Hindenburgallee zu rechnen. Und bis dahin müsse es für Fußgänger eine Möglichkeit geben, über den Fluss zu kommen.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 15:15 Uhr

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