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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 21:04 Uhr

Eutin : Erstmals den neuen Farbschlag „thüringerfarbige Zwergsatin“ präsentiert

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein kleines Kaninchen erzählt diesmal Erlebnisse einer Rassekaninchenausstellung in der Süseler Turnhalle.

Mit dem Schreiber dieses Artikels geriet ich am Sonnabend in der Süseler Turnhalle gleich aneinander. Hat er mich doch tatsächlich „Karniggel“ genannt. Dieser unverschämte Unwissende! Ich nenne ihn doch auch nicht Reporter, sondern Redakteur.

Die Vereinsschau des Eutiner Rassekaninchenzuchtvereins „U31“ sollte für mich und meine Kumpels ein entspannter Wochenendtripp werden, doch es wurde zu einem spannenden Schaulaufen. Erst am Freitag die vielen Kinder aus der Süseler Grundschule, die beiden Preisrichter Helge Hinz und Norbert Marxen in ihren weißen Kitteln und dann noch am Wochenende über 100 Menschen, die sich für uns Rassekaninchen aber wohl auch die Tombola interessierten. Die Kinder riefen auch mal „Hallo Osterhase“. Das war fast so schlimm, wie Karniggel.

Wir – die Kaninchen der Rassen Thüringer, Hermelin, Farbenzwerge und Zwergsatin aus dem Stall von Holger Jührs aus Süsel – ahnten es schon Wochen zuvor: irgend etwas sollte passierten. Nun, erst einmal waren schon im Sommer 50 meiner 90 Kumpels plötzlich aus dem Stall-Hotel verschwunden. Sie waren wohl irgendwie „weggelaufen“. Macht nichts, sie waren auch nicht so hübsch, wie wir.

Einige von uns wurden in den letzten zwei, drei Wochen fast täglich zum Benimm-Kursus aus dem Stall geholt. Unser Fell wurde gebürstet, wir wurden auf den Tisch gesetzt, mussten ganz gerade sitzen, die Ohren gerade nach oben halten, unsere Krallen wurden geschnitten. Bei meinen Kumpels wurden weiße Haare, die da nicht hingehörten, mit einer Pinzette herausgezogen. Irgendwie war ich in allen Disziplinen immer der Beste von uns thüringerfarbigen Zwergsatin.

Die Fahrt ins Wochenende war ein echtes Erlebnis. Holger Jührs packte mich mit meinem Kumpels in dunkle Kisten und fuhr mit uns in die Sporthalle. Einer der beiden Preisrichter setzte mich dort auf einen Tisch und starrte mich eine ganze Zeit lang an. Dabei wurde ich gewogen (1190 Gramm) und sie haben sich meine Ohren, die Zähne und die Blume – so nennen sie meinen Puschel-Schwanz – ganz genau angesehen. Die Preisrichter schauten auch, ob meine Krallen geschnitten waren und ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin: ein prächtiger acht Monate alter Junge natürlich.

Naja, und dann gab es die Bewertung – 95,0: ich bin „etwas knochig“, mein Fell ist „etwas wenig dicht“ und die „Decke auf dem Rücken ist schwach“. Ein bisschen netter hätten die Preisrichter schon zu mir sein können. Die Häsinnen meinen nämlich: ich bin ein ganz schmucker Kerl. Aber auch meine Nachbarn in den 60 mal 60 Zentimeter großen Drahtställen hatten ihre Schwachstellen: der eine war zu schmal und hatte zu wenig Unterhaare, der andere hatte eine schwache Ohrstuktur, eine lose Schulter und nur wenig Seidenglanz. Bei den ganzen Macken bin ich irgendwie schon ganz gut weggekommen.

Dabei ist unser Kaninchen-„Vater“ Holger Jührs ziemlich stolz auf mich und meine neun Geschwister. Wir thüringfarbenen Zwergsatin dürfen nämlich als ganz neuer Farbenschlag erst seit dem 1. Oktober in einer Ausstellung gezeigt werden. Und für unseren ersten Auftritt war Holger sehr zufrieden. Er sagt, das macht das gute Futter aber auch viel Luft und Sonne, die unser täglich von leiser Musik beschalltes Stall-Hotel umgibt. Ich vergebe dem Jührs-Stall vier Hotelsterne. Den fünften verdient er sich mit der Einrichtung einer E-Mail-Adresse. Geht doch gar nicht: Musik im Kaninchen-Hotel, aber keine eigene E-Mail.

Bei der Ausstellung fehlte mir ein bisschen die tägliche Musik aus dem Stall. Wenn zu viele Menschen zu dicht an unsere Ställe kommen oder gar die Finger durch die Fenster hinein stecken, dann wir es für mich auch schon mal ganz schön stressig. Aber die Süseler sind alle nett.

Und was mache ich nach der Ausstellung? Ich darf mir im Frühjahr eine Frau suchen und mit ihr eine Familie gründen. Vorher geht es vielleicht noch zur Landesschau nach Neumünster. Ich bin jedenfalls froh, dass ich Weihnachten überleben werde.

Mit mir zusammen wurden am Wochenende 123 Kaninchen aus 20 Rassen und Farbenschlägen von 16 Züchtern ausgestellt. Erfolgreich waren Joachim Reinke mit Satin Elfenbein (Landesverbandsehrenpreis), Gerhard Jührs mit Kleinsilber schwarz und Michael Pöhls mit Weißrex (Kreisverbandsehrenpreis) sowie Manfred Kirchhoff mit Alasak schwarz (bester Rammler) und Joachim Reinke mit Satin Elfenbein (beste Häsin). Vereinsmeister wurden Gerhard Jührs, der alle Pokale mit seinen Kleinsilber schwarz abräumte.

 

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erstellt am 21.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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